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Gemeinde hat Jauche zu Geld gemacht

Uetze Gemeinde hat Jauche zu Geld gemacht

Als Nachtwächter verkleidet steht der Heimatbundvorsitzende Peter Brandes vor dem Haus am Pappaul. Zur Begrüßung der fast 50 Gäste bläst er in sein Signalhorn, um sie auf die Zeitreise durch die Hänigser Ortsgeschichte einzustimmen.

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Peter Brandes bläst zu Beginn der Führung vor dem Haus am Pappaul in das Signalhorn.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Hänigsen. "Hänigsen hatte früher immer einen Nachtwächter", 
erzählt Brandes. Dessen Aufgabe sei es gewesen, Feuer und Diebstähle zu verhindern. Er sei mit einer Stichwaffe, einem sogenannten Preckel, bewaffnet gewesen. Eine Laterne habe der Nachtwächter bei sich haben müssen, weil es damals auf den Straßen stockfinster gewesen sei. Erst seit 1896 hat Hänigsen eine Straßenbeleuchtung.

Die erste Station des Rundgangs durch das alte Dorf ist das Gebäude Mittelstraße 2. "Wir stehen hier vor der ehemaligen Post", erklärt Brandes den Teilnehmern der Führung unter dem Motto "Rund um die Kaffeemühle". Seit 1850 gab es in Hänigsen fünf verschiedene Poststellen. An der Mittelstraße wurde das Postamt 1953 eröffnet. "1999 ist die Post hier aufgelöst worden", berichtet er.

Im Haus gegenüber habe man 1939 die Hochzeit der hungrigen Mäuler gefeiert, erzählt Brandes. Der Bräutigam habe vier Musiker bestellt, aber acht seien gekommen. "Acht kann ich nicht bezahlen", soll der Bräutigam geklagt haben. "Die übrigen Vier wollten keine Gage, sondern sich nur richtig satt essen", erzählt der Heimatbundvorsitzende. Daher habe man von der Hochzeit der hungrigen Mäuler gesprochen.

Der älteste Teil der Hänigser Schule wird in Hänigsen "Kaffeemühle" genannt, denn die Form des Gebäudes gleicht einer Kaffeemühle. "Die Bergwerksgesellschaft Riedel hat die Uhr auf dem Schulhaus gespendet", weiß Brandes. In das Gebäude mit fünf Klassenräumen zogen die Schüler 1911 ein. 

Neben dem Schulhaus ließ die Gemeinde Toiletten mit einer Jauchekuhle bauen. Einmal im Jahr hat sie die Jauche aus der Grube versteigert. "Die Gemeinde hat sich gesagt: Wir können Scheiße zu Geld machen", erzählt Brandes. 

Weil die Hänigser Gastwirte keinen großen Saal bauen wollten, errichtete die Kommune 1910 das Gasthaus Zum Sachsenross. Obwohl die Maurer streikten, wurde das Gasthaus mit einem großen und einem kleinen Saal innerhalb eines Jahres fertig. "Auch eine Arrestzelle hatte man eingebaut", sagt Brandes. 2011 wurden das Sachsenross und das Feuerwehrhaus nebenan abgerissen. Heute befindet sich dort ein Einkaufsmarkt mit Parkplatz.

Auf dem Rückweg zum Pappaul hält Brandes vor dem Pfarrhaus an. Fünfmal ist es abgebrannt. "Wie wir es heute sehen, wurde es 1817 aufgebaut." Früher gehörten Stallungen zum Pfarrhaus. Sie mussten 1983 dem Haus der Begegnung weichen.

Neue Tour ausgearbeitet

Seit einem Jahr bietet Brandes Nachtwächterführungen an. Damals hatte ihn das Rote Kreuz gefragt, ob er nicht so etwas machen wolle. Die erste Führung mit dem Titel "Rund um die St.-Petri-Kirche" war ein großer Erfolg. Deshalb musste er sie wiederholen. Inzwischen hat er diese Tour zwölfmal gemacht. Inzwischen lädt nicht mehr das Rote Kreuz, sondern der Heimatbund zu den Führungen ein.

Das Kostüm mit Filzhut, Umhang, Schaftstiefeln, Laterne und Waffe hat sich Brandes anhand alter Bilder zusammengestellt. Sein Wissen hat er aus alten Kirchenbüchern, Unterlagen des Heimatbunds und Erzählungen.

Seit Kurzem führt er die Teilnehmer auf einer neuen Route durch das alte Dorf. Die Überschrift lautet "Rund um die Kaffeemühle". Der Heimatbundvorsitzende bereitet eine weitere Tour vor. Dann geht er mit seinen Zuhörern "Rund um den Pappaul".  

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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