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Die deutsche Antwort auf den Fordson F

Uetze Die deutsche Antwort auf den Fordson F

Ohne Traktoren ist die moderne Landwirtschaft unvorstellbar. In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts waren hingegen Schlepper noch eine Rarität in Deutschland. Deshalb ist es für Fachleute eine kleine Sensation, dass es schon damals in Eltze einen Trecker gab.

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Der Vorsitzende des Heimatvereins, Horst Wildhagen, zeigt das Foto der Pöhl-Ackerbaumaschine, die wahrscheinlich der erste Trecker in Eltze war.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Eltze. Vom vermutlich ersten Traktor in Eltze hat der Heimatverein ein Foto in seinem Museum. Es zeigt die Pöhl-Ackerbaumaschine, die sich der Eltzer Hermann Lüer 1926 zugelegt hatte. Auf dem Foto ist auch dessen Sohn Rudolf zu erkennen, der auf dem Trecker sitzt.

"Es ist hoch interessant, dass es damals schon in Eltze einen Schlepper gab. Das hätte ich nicht gedacht", sagt der Obershagener Armin Bauer, Fachbuchautor für Alttraktoren. Damals hätten fast nur Guts- und andere Großgrundbesitzer einen Trecker besessen, erläutert er. Nach Informationen des Heimatvereins hat Hermann Lüer seinen Traktor sowohl für Feldarbeiten- als auch für Transporte genutzt.

"Die Pöhl-Ackerbaumaschine hatte eine Wasserkühlung", stellt der Heimatvereinsvorsitzende Horst Wildhagen beim Betrachten der historischen Aufnahme fest. Vorn an der Kühlerhaube hatte der Trecker eine Kurbel. "Damit wurde er angeworfen -  im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte noch keine elektrische Zündung", sagt Wildhagen.

Auf der Motorhaube direkt vor dem Lenkrad saß der Tank. Die 2,8 Tonnen schwere Pöhl-Ackerbaumaschine mit Vollgummibereifung lief allerdings nicht mit Diesel, sondern mit Benzin. "Sie hatte einen Vier-Zylinder-Benzinmotor, drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang", weiß Bauer. Das Hubvolumen habe 6080 Kubikzentimeter betragen.

Die Pöhl-Ackerbaumaschine war die deutsche Antwort auf den amerikanischen Traktor Fordson F. Die in Gößnitz in Thüringen ansässige Firma Pöhl baute 1920 ihre ersten Trecker. Diese hatten 30 PS. Pöhl entwickelte seine Ackerbaumaschine im Laufe der Jahre weiter. Lüers Schlepper hatte bereits 40 PS.

Die Pöhl-Ackerbaumaschine konnte sich jedoch nicht gegen den Fordson F durchsetzen, der bereits in Serienproduktion hergestellt wurde. Pöhls Schlepper wurde hingegen noch in reiner Handarbeit gefertigt. Daher war er mehr als dreimal so teuer.

Die Firma Pöhl ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Weltwirtschatskrise nach dem New Yorker Börsencrash 1929 machte ihr arg zu schaffen. Bauer: "In den Dreißigerjahren war sie weg vom Fenster."

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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