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Bürger übernehmen das Gemeindebad

Uetze Bürger übernehmen das Gemeindebad

„Ein Bad von allen für alle“, lautet das Motto der Hänigser Freibadgenossenschaft. Die damalige Gemeinde Hänigsen hat das heutige Bürgerbad vor 60 Jahren gebaut. Außerdem wird jetzt die DLRG-Ortsgruppe 60 Jahre alt.

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Motive aus der Anfangszeit des Hänigser Bades schmücken diese alte Ansichtskarte.

Quelle: Repro: Friedrich-wilhelm Schiller

Hänigsen. „Die Eröffnung des Bades war am 10. Juni 1956", berichtet Rainer Lindenberg, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Die Bauarbeiten hatten schon 1951 begonnen. 1954 wurde das Nichtschwimmerbecken fertig, zwei Jahre später das Schwimmerbecken. Nach Fertigstellung dieses Bassins gründeten Hänigser die DLRG-Ortsgruppe. Diese richtete noch im selben Jahr ihr erstes Schwimmfest aus.

Damals war die Hänigser Badeanstalt mit ihrem Zehn-Meter-Sprungturm das modernste Bad im Landkreis Burgdorf. Als es in den 1960-er Jahren immer mehr beheizte Freibäder gab, zog die Gemeinde Hänigsen nach und ließ 1971 eine Heizung installieren.

Als die Gemeinde Uetze in den Neunzigerjahren ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen konnte, forderte die Kommunalaufsicht mehrfach, das Bad in Uetze oder das in Hänigsen zu schließen. Trotzdem entschied der Rat, das Schwimmerbecken in Hänigsen zu sanieren. Die Bauarbeiten begannen im September 2003 und zogen sich bis zum Sommer 2005 hin. Weil sich die Bausumme von 700 000 auf eine Million Euro erhöhte, stand damals zeitweise der Fortbestand des Bades infrage.

Als 2010 erneut die Schließung eines der beiden kommunalen Bäder drohte, wurde im November die Freibad Hänigsen eG gegründet. Sie ging aus dem seit 1998 bestehenden Förderverein der Badeanstalt hervor.

2011 übernahm die Genossenschaft den Betrieb des Bads. 2015 wurde der Pacht- in einen Erbbaurechtsvertrag umgewandelt, damit die Genossenschaft nach der Saison das Nichtschwimmerbassin sanieren und das Planschbecken umgestalten konnte.

Interview: "Seit der Kindheit mit dem Bad verbunden"

Der Vorstand der Freibad Hänigsen eG leitet ehrenamtlich die Geschäfte des Hänigser Schwimmbads und ist somit für das Bad verantwortlich. Mit dem Vorsitzenden des Genossenschaftsvorstands, Rainer Lindenberg (63), sprach Anzeiger-Mitarbeiter Friedrich-Wilhelm Schiller.

Wo stünde das Hänigser Freibad, wenn es die Genossenschaft nicht gäbe?

Eines der beiden Freibäder der Gemeinde Uetze wäre 2011 aufgrund der Finanzlage der Gemeinde geschlossen worden. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Rat wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit das Hänigser Bad gewesen.

Der fünfköpfige Vorstand der Genossenschaft arbeitet ehrenamtlich. Welche Arbeiten fallen an, und wie bewältigt er sie?

Der Vorstand teilt sich in fünf Ressorts auf. Ein Ressort ist Finanzen. Das zweite Verwaltung, dann Badbetrieb, Marketing. Das fünfte Ressort, für das ich verantwortlich bin, steht für Leitung der Vorstandsarbeit, Controlling und Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel ist unter Badbetrieb alles Operative einschließlich Technik und Organisation des Kassenbetriebs und der Hygiene zu verstehen. Unter Verwaltung läuft die Genossenschaftsmitgliederverwaltung und das Abosystem für die Saisonkarten.

Wie viele Stunden arbeiten Sie für die Genossenschaft?

Im Schnitt komme ich mit 20 Stunden pro Woche aus. Auch im Winter ist der Aufwand nicht wesentlich geringer.

Welche persönliche Triebfeder haben Sie, sich ehrenamtlich für das Schwimmbad zu engagieren?

Einmal ist es die lebenslange Verbundenheit mit dem Bad. Bei der Eröffnung war ich vier Jahre alt. Seitdem war ich in jedem Sommer – bis auf die zehn Jahre, in denen ich nicht in Hänigsen gewohnt habe – regelmäßig im Bad. Die Haupttriebfeder ist: Dieses Bad darf einfach nicht geschlossen werden, damit insbesondere die Kinder auch in der Zukunft die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen und sich sportlich zu betätigen. Ein dritter Aspekt ist die Herausforderung, in der Phase, in der es beruflich ruhiger wird, persönlich einer sinnvollen Aufgabe nachzugehen, bei der für die Allgemeinheit Nutzen gestiftet wird.

Empfinden Sie die Vorstandsarbeit als Belastung oder als ideelle persönliche Bereicherung?

Es überwiegt eindeutig der nicht belastende Teil, also der der ideellen persönlichen Bereicherung. Ich freue mich darüber, wenn ich 100 Kinder im Bad sehe, die Spaß haben. Dann hat sich die Arbeit eindeutig gelohnt.

Wo steht das Hänigser Freibad in zehn Jahren?

Wir haben es geschafft, dass das Bad langfristig wirtschaftlich auf soliden Füßen steht. Eine der größten Herausforderungen ist, schon heute über die Unternehmensnachfolge nachzudenken, um bereits heute Nachfolger für die Vorstandsarbeit zu gewinnen und aufzubauen. Ich bin davon überzeugt, dass auch das gelingen wird. Und so wird das Bad auch in zehn Jahren noch attraktiv und wirtschaftlich stabil dastehen.

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Rainer Lindenberg ist Vorstandsvorsitzender der Hänigser Freibadgenossenschaft.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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