Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Das Ziel: Unbelastetes Grundwasser

Burgdorf/Lehrte/Uetze Das Ziel: Unbelastetes Grundwasser

Auch im Wasserwerk Burgdorfer Holz werden bei der Analyse des Grundwassers Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden - bislang noch in einer Konzentration weit unterhalb der gesetzlich erlaubten Grenzwerte. Damit sich die Qualität nicht weiter verschlechtert, arbeitet der Wasserverband eng mit den landwirtschaftlichen Betrieben zusammen.

Voriger Artikel
Dollbergen darf feiern, aber nur leise
Nächster Artikel
Volksfest muss vorzeitig enden

Für die Landwirte im Wassergewinnungsgebiet werden regelmäßig Beratungen beispielsweise zum Anbau von Zwischenfrüchten angeboten.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Uetze. Zur Kooperation, die seit 1995 besteht, gehören 66 Betriebe in Arpke, Hänigsen, Hülptingsen, Immensen und Schwüblingsen. Sie haben sich mit dem Vertrag freiwillig verpflichtet, ihre Äcker und Wiesen so zu bewirtschaften, dass kaum Düngemittel und erst recht keine Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser sickern.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Anbau der sogenannten Zwischenfrüchte. „Das ist die zweitbeste Lösung für den Grundwasserschutz“, sagt Carsten Fricke. Der Schwüblingser Landwirt hat 60 Hektar im Trinkwassergewinnungsgebiet liegen. Die beste Lösung wären Grünbrache und extensiv bewirtschaftetes Grünland. Allerdings sei die Neubildung von Grundwasser unter Ackerland höher als unter Wald und Grünland, so Fricke.

Zwischenfrüchte - rund ums Burgdorfer Holz wegen des intensiven Kartoffelanbaus vor allem Ölrettich und Gelbsenf - werden nach der Ernte ausgesät. Sie binden den Dünger, den Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben nicht verbraucht haben, damit dieser in den Wintermonaten nicht vom Regen peu à peu ins Grundwasser gespült wird. Laut Experten können auf diese Weise bis zu 100 Kilogramm Stickstoff ins nächste Jahr gerettet werden, sodass weniger Dünger neu auszubringen ist.

Mit Zwischenfrüchten kann auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werden. Denn die Pflanzen beeinflussen die Bodengesundheit. Laut Fricke ist der Einsatz einiger Pflanzenschutzmittel in Wassergewinnungsgebieten nicht erwünscht und auf leichten Standorten sogar verboten. Dazu gehört beispielsweise ein Pestizid für den Zuckerrübenanbau. Dessen Abbauprodukt Desphenyl-Chloridazon wird seit Kurzem auch im Trinkwasser des Wasserwerks Burgdorfer Holz nachgewiesen, und zwar 27 Mikrogramm pro Liter. In der Wasserschutz-Kooperation wird laut Wasserverbandssprecherin Sandra Ramdohr seit 2014 gegengesteuert, indem die Landwirte ein Ersatzmittel einsetzen. Für Olaf Schröder, Geschäftsführer des Wasserverbands, gibt es nur ein Ziel: Das Grundwasser muss unbelastet sein.

Einschränkungen bei der Wahl der anzubauenden Früchte gibt es nicht, doch Empfehlungen zur Feldbearbeitung. Abgeerntete Maisfelder dürfen beispielsweise im Herbst nicht umgepflügt, sondern nur geschlegelt werden. „Das ist der letzte Arbeitsgang, dann dürfen die Landwirte erst wieder im Frühjahr auf den Acker“, sagt Ramdohr. „Für uns ist der Winter wichtig, weil es die Hauptgrundwasserneubildungsphase ist.“

„Wir haben den Riesenvorteil, dass wir rund ums Burgdorfer Holz sehr viele Feldfrüchte haben, die erst im Frühjahr bestellt werden“, sagt Henning Westphal. Er ist verantwortlich für die Beratung der 66 Kooperationslandwirte. Regelmäßige Feldbegehungen, Bodenproben im Frühjahr und Herbst, Dünge- und Pflanzenschutzplan sind die Bausteine des Grundwasserschutzes. „An 145 Messstellen rund ums Wasserwerk am Schwüblingser Kreisel wird der Erfolg der Kooperation sichtbar“, sagt Ramdohr.

Aus den fünf bis zu 40 Meter tiefen Brunen im Wald wird Wasser mit nur einem Milligramm Nitrat pro Liter gefördert. Der Grenzwert für Nitrat pro Liter Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm.

Bauern erhalten Ausgleichszahlungen

Das Jahresbudget der Kooperation Burgdorfer Holz hat ein Volumen von 118.000 Euro. Davon werden die umfangreichen Beratungen der Bauern und die Ausgleichszahlungen für den Mehraufwand bei der Bewirtschaftung der Felder finanziert. Pro Hektar sind das im Wassergewinnungsgebiet laut Landwirt Carsten Fricke 110 Euro. Finanziert wird die Kooperation mit den Einnahmen aus der Wasserentnahmegebühr, dem sogenannten Wassergroschen. Er wurde zum Jahresbeginn in Niedersachsen fürs Trinkwasser von 0,05113 auf 0,075 Euro pro Kubikmeter angehoben. Der Wasserverband Peine fordert, dass die zusätzlichen Einnahmen komplett in die Kooperationen zum Trinkwasserschutz zurückfließen.

Vermeiden statt aufbereiten

Der Geschäftsführer des Wasserverbands Peine, Olaf Schröder, hat klare Vorstellungen von der Qualität des Trinkwassers: Für ihn sind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nicht akzeptabel. Deshalb kritisiert er auch die aktuelle Zulassungspraxis für Pestizide, diese erlaubt Rückstände von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser. „Unser Ziel als Wasserversorger sollte die Null sein“, sagt Schröder. Der Gesetzgeber verkenne hier die Bedeutung des Wassers: „Es ist unser Lebensmittel Nummer eins.“

Für Lebensmittel gilt das Minimierungsgebot. Um das Wasser von Pestizidrückständen zu befreien, müssten ebenfalls chemische Substanzen eingesetzt werden. Bei diesem Prozess entstünden wiederum neue Abbauprodukte im Wasser, „deren Wirkung wir noch nicht kennen“, sagt Verbandssprecherin Sandra Ramdohr. Deshalb sei es sinnvoller und nachhaltiger, wenn Pflanzenschutzmittel gar nicht erst ins Grundwasser geraten.

Schröder sieht hier die Hersteller der Pflanzenschutzmittel in der Pflicht. Sie müssten als Verursacher stärker an den Kosten des Wasserschutzes beteiligt werden. Derzeit werde nach der End-of-Pipe-Methode verfahren, sagt Ramdohr. Wasserwerke müssen aufwendige und kostspielige Aufbereitungsverfahren einsetzen. Die Zeche zahle der Verbraucher.

Das Wasserwerk am Schwüblingser Kreis fördert im Jahr 2,4 Millionen Kubikmeter Wasser und versorgt damit unter anderem die Menschen in der Gemeinde Uetze sowie in Immensen, Arpke, Sievershausen und Hämelerwald. Von Vorteil für die Wasserqualität ist die Lage der Brunnen im 1980 Hektar großen Wald. Dadurch ist die Belastung des Wassers mit dem Pestizid-Abbauprodukt Desphenyl-Chloridazon fast zehnmal niedriger als im Wehnser Werk, das von Äckern umgeben ist. Der Wert dort liegt bei 2,1 Mikrogramm pro Liter, der im Burgdorfer Holz bei 0,27. Das Werk Wehnsen gehört auch zum Wasserverband Peine, dem zweitgrößten in Niedersachsen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sn592v6lp414q8pidf0
Rauchzeichen ziehen übers Land

Fotostrecke Uetze: Rauchzeichen ziehen übers Land