Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Um Kreuzkrug wurde erbittert gestritten

Uetze Um Kreuzkrug wurde erbittert gestritten

Eine der ältesten Gaststätten in der Region Hannover ist der Landgasthof Kreuzkrug. In diesem Jahr kann die heutige Eigentümerfamilie Luxa Jubiläum feiern: Der Kreuzkrug besteht seit 200 Jahren. Um den Bau des Wirtshauses gab es 1816 einen erbitterten Streit.

Voriger Artikel
Zum Abschluss spielt das Wetter nicht mit
Nächster Artikel
Standort an der Kreuzung ist "ideal"

Diese alte Aufnahme zeigt, wie der Kreuzkrug vor dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat.

Quelle: Repro: Friedrich-Wilhelm Schiller

Eltze. Nach dem Ende der Befreiungskriege 1815 kehrte der Sergeant Johann Heinrich, der in Spanien in der Deutsch-Englischen Legion gegen die Franzosen gekämpft hatte, nach Warmse in sein Elternhaus zurück. Einen Kilometer entfernt kreuzten sich die Straße Burgdorf-Gifhorn und die Heerstraße Braunschweig-Celle. Dort wollte der 32 Jahre alte Neseman eine Ausspannwirtschaft bauen.

Der Bauplatz lag im Fleeth, das die Bauern aus Eltze, Warmse und anderen Nachbardörfern gemeinschaftlich als Weidefläche nutzten. Um ihn zu kaufen, benötigte er die Zustimmung aller Nutzungsberechtigten und des Grundherrn, des Freiherrn von Marenholz. Von Marenholz erhoffte sich von der Schenke Einnahmen. Einwände erhoben nur einige Eltzer. Am 29. Februar 1816 baten sie von Marenholz, den Bau nicht zu genehmigen.

"Der Freiherr weiß, die Eltzer sind im Recht. Ohne ihre Zustimmung kann keine Neusiedlerstelle auf dem Fleeth errichtet werden. Aber niemand kann ihn, den Forstherrn, hindern, sich an beliebiger Stelle auf der Gemeinschaftsfläche ein Holzvogthaus erbauen zu lassen", kann man in Georg Köstermans und Dieter Wittenbergs Buch "Eltze - das Wasserdorf im Fuhsewinkel" nachlesen.

Von Marenholz ernannte Nesemann zum Schein zum Holzvogt und "befahl" ihm, an der Kreuzung ein Haus zu bauen. Dagegen erhoben die Eltzer Klage. Doch Nesemann bereitete den Bau weiter vor. Am 1. Juli 1816 wurde das Bauholz angeliefert. Zimmerer sollten am nächsten Tag das Fachwerk aufstellen. Ein Gericht ordnete am 2. Juli an, dass Nesemann die Bauarbeiten einstellen sollte. Andernfalls sollte er 20 Taler Strafe zahlen.

Nesemann ließ sich davon nicht beirren. Zumal von Marenholz gegen die Gerichtsentscheidung Einspruch einlegte. Die Eltzer erwirkten, dass das Gericht am 22. Juli zum zweiten Mal die Einstellung der Bauarbeiten verlangte. Doch da stand laut Köstermann und Wittenberg das Gebäude bereits. "Auch der Einspruch der benachbarten Gastwirte in Ohof und Bröckel blieb wirkungslos", schreiben die Heimatforscher.

Nach deren Angaben hatten Nesemann und seine Kinder keinen wirtschaftlichen Erfolg: "1873 wurde das Anwesen infolge Überschuldung zwangsverkauft." Danach wechselte der Gasthof mehrmals den Besitzer. 2001 erwarb der Koch Henning Luxa den Kreuzkrug, nachdem das Wirtshaus mehrere Jahre leer gestanden hatte. Er betreibt den Gasthof mit seiner Frau Nadine.

"Es war damals eine Ruine. Wir haben drei Jahre lang renoviert und am 11. September 2004 eröffnet", berichtet Nadine Luxa. 

Napoleons Spargelessen

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass sogar Napoleon Bonaparte einmal im Kreuzkrug eingekehrt sei, um dort Spargel zu essen. Mehr als 100 Jahre soll der Sessel in der Gastwirtschaft gestanden haben, in dem der französische Kaiser damals gesessen haben soll. Noch vor wenigen Jahren berichteten ältere Menschen, dass sie sich an diesen Sessel erinnern könnten.

Dass Napoleon im Kreuzkrug war, ist nachweislich falsch. Als das Gasthaus 1816 erbaut wurde, war der Franzose bereits auf der Insel St. Helena, wohin ihn die Alliierten 1815 nach Beendigung der Befreiungskriege verbannt hatten. Auf St. Helena starb Napoleon 1821.

Auch Herberge für Pferde

Ursprünglich war der Kreuzkrug eine Ausspannwirtschaft, auch kurz Ausspann genannt. Solche Gasthäuser wurden an Handelsstraßen und in Orten gebaut, als die Menschen noch mit Pferd und Wagen oder Kutsche reisten. Im Ausspann konnten Fuhrleute und andere Reisende nicht nur übernachten. Das Wirtshaus bot ihnen auch die Möglichkeit, über Nacht die Pferde in einem Stall unterzubringen und die Kutsche oder den Wagen in einer Scheune abzustellen.

Heute gebraucht man das Verb ausspannen - oder auch entspannen - im übertragenen Sinne für sich erholen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist verloren gegangen.

doc6rue0upwrlxpg7fq430

So sieht der Kreuzkrug heute aus. Die Giebelwand mit dem Haupteingang hat sich im Laufe der Zeit relativ wenig verändert.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

doc6sn592v6lp414q8pidf0
Rauchzeichen ziehen übers Land

Fotostrecke Uetze: Rauchzeichen ziehen übers Land