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Hochwasserschutz: Landwirte in der Klemme

Uetze Hochwasserschutz: Landwirte in der Klemme

Müssen die landwirtschaftlichen Betriebe in den Osterwiesen bei Obershagen um ihre Zukunft fürchten? Der Uetzer CDU-Ratsherr Werner Hübner hält das nicht für ausgeschlossen angesichts des neu ausgewiesenen Überschwemmungsgebiets der Aue nördlich von Obershagen.

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Der landwirtschaftliche Betrieb von Kai Beneke liegt im neuen Überschwemmungsgebiet der Aue nördlich von Obershagen.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze/Obershagen. Das Land will für die nächsten Jahrhunderthochwasser gewappnet sein. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat deshalb die Überschwemmungsgebiete zahlreicher Flüsse erweitert. Im Nordosten der Region geht es um das Gewässersystem von Fuhse, Aue, Seebeeke und Hechtgraben.

Gravierende Auswirkungen haben diese Pläne vor allem auf die Landwirte in den Osterwiesen bei Obershagen. Ihre Höfe mit sämtlichen Betriebsgebäuden liegen komplett in dem neu ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet für die Burgdorfer Aue nördlich von Obershagen, sagt CDU-Ratsherr Werner Hübner. Die Höfen hätten zwar Bestandsschutz, aber es dürfte dort nichts Neues mehr gebaut werden. „Die Betriebe hätten keine Zukunft mehr“, befürchtet Hübner, der selbst Landwirt war.

Die CDU-Ratsfraktion hat das Thema nicht zuletzt aus diesem Grund auf die Tagesordnung der Sitzung des Ratsausschusses für Verkehr, Umwelt, Planung am 2. Mai setzen lassen. „Wir möchten weitergehende Informationen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen der vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiete der Aue auf das Planungsrecht der Gemeinde und eventuelle Einschränkungen für die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe“, schreibt CDU-Fraktionschef Dirk Rentz.

Landwirt Kai Beneke, dessen Rindermastbetrieb seit 50 Jahren in den Osterwiesen steht, steckt in der Klemme. „2022 soll die neue Düngeverordnung in Kraft treten. Bis dahin müsste ich eine neue Lagerstätte für Silage und neue Mistplatten für meinen Betrieb bauen“, erklärt er. Doch die Verordnung zum Hochwasserschutz verbiete ihm genau dieses.

Sein Berufskollege und Nachbar, Burghard Homann vom Milchhof Osterwiesen, sieht die Zukunft seines Betriebs bislang durch die Erweiterung der sogenannten Retentionsflächen für die Aue nicht gefährdet. „Aber alle Bauprojekte werden langwieriger und aufwendiger und damit vermutlich auch teurer werden“, sagt Homann. Möglicherweise müsse er auch bestehende Betriebsanlagen wie Güllelager hochwassersicher machen. „Eventuell wären wir sogar gezwungen, die Gebäude einzudeichen“, malt Homann ein Szenario, das er allerdings lieber nicht erleben will. „Ich glaube, dass ich weiterhin ein Existenzrecht habe und weiter Tierhaltung machen kann“, sagt Homann.

Die Karte des Landesbetriebs zu den Überschwemmungsflächen der Aue halte er für ziemlich realistisch, räumt der Landwirt ein. Zwar seien die Aussiedlerbetriebe in den Osterwiesen seit ihrem Bau vor 50 Jahren noch nie überschwemmt gewesen. Aber das ist nach seiner und Hübners Einschätzung nur dem Aue-Schöpfwerk bei Obers-
hagen zu verdanken. „Doch wenn dort beispielsweise beim Sommerhochwasser 2013 die Pumpen ausfallen wären, dann wären wir hier untergegangen“, sagt Homann.

Bislang hat der Landesbetrieb die Retentionsflächen zwar nur vorläufig gesichert. Doch das macht die Sache nicht einfacher. Denn dieses Verfahren sieht vor, dass der Landesbetrieb betroffene Kommunen nur informiert. Nur mit der Unteren Wasserbehörde, in diesem Fall mit der der Region Hannover, wird erörtert, ob sie Einwände hat, um dann das „Benehmen herzustellen“ – wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Ist das geschehen, sind die Überschwemmungsflächen vorläufig gesichert. Dieser Vorgang ist vergleichbar einer Veränderungssperre, die Kommunen verhängen können. Die Folgen für Flächeneigentümer sind in beiden Fällen dieselben: Ihnen sind bis auf Weiteres die Hände gebunden.

Der vorläufigen Sicherung schließt sich ein Festsetzungsverfahren an. „Das kann bis zu 20 Jahre dauern“, sagt Steffen Hipp vom Unterhaltungsverband Untere Fuhse, der auch für Aue, Seebeeke und Hechtgraben zuständig ist. Erst in diesem Festsetzungsverfahren wird die Öffentlichkeit informiert und alle Betroffenen können ihre Bedenken und Anregungen zu den Erweiterungsplänen äußern.

Was es bedeutet, Gebäude auf Überschwemmungsflächen zu bauen, ist in Uetze zu sehen. Dort mussten die Gelände der Raffeisen-Warengenossenschaft und des Seniorenwohnparks Mühle Amme eingedeicht und zum Ausgleich eine Geländemulde geschaffen werden.

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Wenn das Aue-Schöpfwerk bei Hochwasser versagt würde, versänke der Milchviehbetrieb der Familie Homann in den Wasserfluten.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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