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Häuser ohne Stahlnägel und Winkel

Uetze Häuser ohne Stahlnägel und Winkel

Wer das Grundstück von Ingeborg und Erhard Cosack an der Fuhse betritt, wähnt sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Auf den 3600 Quadratmetern stehen vier Fachwerkgebäude, picken Hühner im Bauerngarten und grasen Pferde auf der Weide.

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Dieses Fachwerkhaus aus dem Jahr 1783 stand einst an der Talstraße/Ecke Lange Straße in Uetze. Die Cosacks haben es auf ihrem Grundstück an der Fuhse wieder aufgebaut.d

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Uetze. Hohe Bäume, ein Bauerngarten, die kleine Schar schottischer Hühner und neugierige Pferde, die aus dem Stalltor schauen, schaffen zusammen mit den gemütlich wirkenden Gebäuden ein Idyll. Geschaffen hat es die Familie Cosack direkt an der Fuhse neben der Wassermühle Amme. Das Grundstück diente einst der Sägemühle als Holzlagerplatz. „Es war eine Wüstenei, als wir es übernommen haben“, erinnert sich Ingeborg Cosack.

Vier Gebäude umfasst das Ensemble. Im größten davon wohnen die Cosacks. Das Zweiständerhaus aus dem Jahre 1783 stand einst an der Ecke Lange Straße/Talstraße in Uetze. „Wir haben es Balken für Balken und Stein für Stein abgebaut und mit Gummiwagen hierher transportiert“, berichtet Ingeborg Cosack. „Ein Jahr haben wir allein für den Abriss gebraucht.“ Denn sie haben alle Balken und Steine gereinigt und nummeriert. Das war 1977. Dann hat es noch einmal sechs Jahre gedauert, bis das Haus wieder aufgebaut war.

Dabei hat den Cosacks ein alter Zimmermann geholfen. „Zu Dritt haben wir alle Sparren mit einem Seil aufs Dach gezogen, alles selbst gemauert, geputzt und gestrichen“, erinnert sie sich. „Auch unser Sohn, der damals drei Jahre alt war, hat mit einer eigenen kleinen Karre mitgeholfen.“ Das Besondere: Beim Wiederaufbau wurde nicht ein einziger Stahlnagel oder Winkel verwendet, sondern alles mit Holznägeln verbunden.

Das Projekt der Cosacks erregte einiges Aufsehen. „Damals wurden Fachwerkhäuser abgerissen, doch wir haben genau das Gegenteil gemacht“, erzählt Ingeborg Cosack. Es habe viele Schaulustige gegeben, die meisten „reagierten mit Unverständnis und nahmen an, wir wollten ein Museum aufbauen. Als wir dann aber fertig waren, kamen ganze Busladungen“, erzählt die heute 74-Jährige.

Die Leidenschaft für alte Gebäude kommt nicht von ungefähr: Erhard Cosack war bis zu seiner Pensionierung Bezirksarchäologe. Deshalb blieb es auch nicht bei dem einen Fachwerkhaus. Die drei anderen Gebäude sind Nachbauten. Das Originalhaus, in dem der Pferdestall und die Garage untergebracht sind, steht in Altwarmbüchen. Ingeborg Cosack hatte das Haus abgezeichnet und dann ging es ans Bauen. Das Baumaterial stammt von Abrisshäusern.

Ein kleineres Fachwerkgebäude stand einst in der Heide und wurde ebenfalls als Speicher genutzt. Die Cosacks haben auch dieses abgemalt und nachgebaut. Das Original ist laut Cosack längst abgerissen.

Den Treppenspeicher schließlich haben die Cosacks selbst entworfen und gebaut – genutzt wird er als Holzlager und Hühnerstall.

Paradies für schottische Orpington

Auf dem Anwesen der Cosacks führt eine kleine Hühnerschar ein beschauliches Leben mit viel Auslauf: So picken der Hahn und seine sechs Hennen – alles schottische Orpington mit einem besonders dicken Federkleid – auch auf dem alten Kopfsteinpflaster der Straße nach Futter. „Sie wirken dadurch verkehrsberuhigend“, sagt Ingeborg Cosack lächelnd.

„Das Beste an der Rasse ist, dass sie ihre Jungen selbst ausbrüten und großziehen. Die Glucke zeigt ihren Küken, was sie dürfen und was nicht.“ Und sie passe hervorragend auf, dass ihren Jungen nichts zustoße.

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