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Familie Shojai findet zusammen

Uetze Familie Shojai findet zusammen

Die Weihnachtsgeschichte steht nicht nur in der Bibel. Dass Menschen auf der Flucht Herberge suchen und finden, ist aktueller denn je. In diesen Tagen ist so etwas wie die christliche Weihnachtsgeschichte der muslimischen Familie Shojai widerfahren, die in Uetze eine sichere Bleibe gefunden hat.

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Die Familie lebt jetzt vereint mit dem Vater Ahmad Shojai in einem Haus an der Bodestraße in Uetze wieder unter einem Dach.

Quelle: Joachim Dege

Uetze. Der Flüchtling Ahmad Shojai (31) lebte schon sechs Monate allein in Uetze, als er kurz vor Weihnachten mithilfe des Vereins Landungsbrücke seine Familie in die Arme schließen durfte. Von seiner Frau Khadeja Alizada und den Söhnen Amir Mohammad und Ali Sina war er zuvor neun Monate lang getrennt. Auf der Flucht musste er sie in Griechenland zurücklassen. Im Winter hätten sie den Marsch über Mazedonien, Ungarn, Österreich nach Deutschland nicht überlebt, sagt Ahmad Shojai.

Die Landungsbrücke nahm sich des Falls an. Der Verein verhandelte mit Behörden in Deutschland und einer Anwältin in Griechenland, fädelte so den Nachzug ein. Spender aus dem Umfeld des Vereins gaben Geld für den Flug der Mutter und ihrer Jungen. Landungsbrücke-Vorsitzende Claudia Ruhs und deren Mann Gerd Bohne hießen sie am 23. November am Flughafen Berlin-Tegel willkommen in Deutschland und brachten sie nach Uetze.

Shojai und dessen Familie hatten allen Grund zur Flucht aus Afghanistan, wo sie in Ghaznì, einer 157 000 Einwohner großen Provinzhauptstadt drei Autostunden südlich von Kabul, lebten. Zuerst meuchelten die Taliban Shojais Eltern. Dann entführten und folterten sie den Sohn, der damals 16 Jahre alt war.

Shojai gehört den Hazara an, einer Persisch sprechenden Minderheit schiitischer Konfession in Afghanistan. Shojai floh zum Onkel in den Iran, besuchte die Religionsschule, studierte islamisches Recht. Der Iran schickte ihn aber zurück nach Afghanistan, wo er unter Lebensgefahr, weil bedroht von den Taliban, missionieren sollte. Zuletzt hätte er in Syrien in den Kampf gegen den IS ziehen sollen. Da reichte es Shojai. Er machte sich mit seiner Familie auf den gefährlichen Weg nach Europa.

In Uetze lebt die Familie jetzt in einem Haus an der Bodestraße - in einem einzigen, großen Raum. Vater Ahmad beherrscht die ersten Brocken Deutsch. Amir, sein Ältester, besucht die Grundschule. Kalt findet Shojai das Wetter in der neuen Heimat. Warmherzig die Menschen, denen er begegnet.

Der Verein Landungsbrücke unterstützt ihn bei der Suche nach einem neuen Broterwerb. Richtung Krankenpfleger könnte es gehen, meint Ruhs. Ihr Verein will für den Familienvater ein Praktikum anbahnen.

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