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Findling soll an Opfer der Gestapo erinnern

Uetze Findling soll an Opfer der Gestapo erinnern

Mit einem Findling will der Ortsrat an ein dunkles Kapitel der Uetzer Geschichte erinnern. Der Gedenkstein soll darauf hinweisen, dass im Winter 1942/43 vor den Toren des Dorfes drei Polen Opfer der Lynchjustiz der Gestapo geworden sind.

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Ortsbürgermeister Hartmut Schulte schaut sich die Stelle an, wo der Gedenkstein stehen soll. Der Ortsrat muss noch die Zustimmung des Feldwegeigentümers einholen.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Nach Auskunft des Ortsbürgermeisters Hartmut Schulte hat sich der Ortsrat entschlossen, das Mahnmal zu errichten, weil der Historiker Ralf Bierod jetzt die Namen der drei hingerichteten Zwangsarbeiter und auch deren Todestage in Erfahrung gebracht hat. „Im Landesarchiv in Hannover konnte ich das inzwischen freigegebene Sterberegister der Gemeinde Uetze einsehen und habe daraufhin eine Recherche beim Internationalen Suchdienst in Arolsen in Auftrag geben können“, berichtet Bierod. Der Suchdienst habe die von ihm recherchierten Fakten bestätigt.

Nicht nur die Namen, auch die genauen Hinrichtungstermine stünden jetzt fest. Die Termine wichen von den Angaben ab, die bisher vage in schriftlichen Quellen genannt worden seien.

Der Historiker hat seine Forschungsergebnisse in einem 28 Seiten dicken Heft mit dem Titel „Keine Heimat in Uetze - Die Lynchmorde an drei Männern aus Polen im Winter 1942/43 - Annäherung an ein Gestapo-Verbrechen“ veröffentlicht. Dort kann man nachlesen, dass die Gestapo am 29. Dezember 1942 Jan Trzmiolok und Josef Czmine nördlich der Reichsstraße 188 zwischen Uetze und Abbeile an einem Galgen erhängt hat. Genau einen Monat später - am 29. Januar 1943 - richtete sie an gleicher Stelle Johann Skrzypezak öffentlich hin. Gerichtsverfahren hatte es für die drei Männer nicht gegeben.

Nach Bierods Angaben gab es nachweislich 16 öffentliche Schauhinrichtungen dieser Art im Bezirk der Gestapo Lüneburg, zu dem damals Uetze gehörte. „Gründe gab es nur zwei. Entweder die Beziehung zu einer deutschen Frau oder die Gewalt beziehungsweise die Androhung von Gewalt gegenüber dem Arbeitgeber oder dessen Familie“, berichtet Bierod. Stets hätten polnische Arbeitskräfte den Ermordungen beiwohnen müssen. Für deutsche Zuschauer habe es danach immer ein Essen in einem Gasthaus gegeben.

Buchtipp

Das Heft „Keine Heimat in Uetze“, ISBN 978-1517314828, ist im Handel für 6,69 Euro erhältlich.

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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