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"Helfen ist erste Bürgerpflicht"

Uetze "Helfen ist erste Bürgerpflicht"

Die Integration von Flüchtlingen kann gelingen, wo sich die Menschen aus der Fremde und Einheimische begegnen. Darum kümmert sich in der Gemeinde unter anderem der Verein Landungsbrücke. Ina Bergmann aus Krätze gehört dem Verein an und hat eine Patenschaft für einen jungen Afghanen übernommen.

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Flüchtlingspatin Ina Bergmann vor ihrem Haus in Krätze.

Quelle: Joachim Dege

Uetze. Ina Bergmann ist 48 Jahre alt, nennt sich ein Hänigser Urgestein, hat Betriebswirtschaft studiert und ist mit 30 Wochenstunden als Sekretärin so etwas wie die gute Seele der Musikschule Ostkreis Hannover. Wer der Frau das erste Mal begegnet, erlebt die verheiratete Mutter von drei Kindern im Alter von 18, 20 und 21 Jahren als herzlich, offen und neugierig auf ihre Umwelt – Eigenschaften, die sie in ihrem Ehrenamt als Flüchtlingspatin, das sie vor einem halben Jahr übernahm, gut gebrauchen kann.

Eine Arbeitskollegin hatte sie eingeladen zu einem Treffen bei der Landungsbrücke im Familienhaus in Uetze. Beim ersten Treffen lernte sie ihren späteren Schützling Nagibullah Amiri kennen, einen 22 Jahre alten Afghanen, der damals schon vier Monate in Uetze lebte und einen Integrationskurs der Volkshochschule in Hannover besuchte. Sein Deutsch sei noch nicht so doll gewesen, erinnert sich Bergmann. Die Verständigung habe vielmehr mit Händen und Füßen geklappt.

Amiri, der in seiner Heimat als Kameramann fürs Fernsehen arbeitete, erging es wie so vielen. Der Deutschkurs wurde ohne Rücksicht auf Verluste durchgepeitscht. Amiri kam nicht mit, erlebte den Unterricht als Misserfolg. Inzwischen wiederholt er den Kurs. Bergmann begleitet ihn dabei, übt einmal in der Woche mit ihm. „Es ist unsere erste Bürgerpflicht, den Leuten zu helfen. Wenn sich jeder einbringt mit dem, was er kann, können wir die Herausforderung der Integration bewältigen“, sagt Bergmann.

Amiri lebt inzwischen in einer Dreier-WG in einer Sozialwohnung in Uetze. Er kommt regelmäßig mit dem Rad nach Krätze. Bergmann schätzt an ihrem Schützling, dass er zuverlässig und pünktlich sei. Jetzt wolle er unbedingt arbeiten. Auch dabei will sie Amiri unterstützen.

Ihre eigene Familie sei anfänglich skeptisch gewesen ob der Patenschaft. Heute unterstützten ihr Mann und ihre Kinder sie. Bisweilen gebe es gemeinsame private Unternehmungen: Kinobesuch, gemeinsam kochen und essen.

„Wir leben hier doch alle recht gut. Da ist es kein Problem, etwas zu teilen und weiterzugeben“, beschreibt die Hobbyimkerin ihre Motivation zur Übernahme der Patenschaft. Bergmann hat sich inzwischen zu einem Integrationslotsenkurs bei der VHS angemeldet, will mehr lernen über rechtliche Fragestellungen und sich weitere interkulturelle Kompetenzen aneignen.

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