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Wo das Erdöl aus dem Boden steigt

Uetze Wo das Erdöl aus dem Boden steigt

Die restaurierte Teerkuhle ist das neue Prunkstück des Hänser Teermuseums. Das Besondere: In der Grube auf dem Kuhlenberg vor den Toren Hänigsens tritt ohne technische Hilfe ein Öl-Wasser-Gemisch an die Erdoberfläche.

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Manfred Kindel führt an der frei gelegten Teerkuhle vor, wie früher die Teerkerle das Öl abgeschöpft haben.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Hänigsen. Bei Führungen zeigen Mitglieder der Kuhlenberg-Gruppe des Heimatbunds, wie einst die Hänigser Teerkerle aus den Teerkuhlen auf dem Kuhlenberg Erdöl geschöpft haben. "Dabei wird auch etwas zur Geschichte erzählt", sagt Gruppenmitglied Manfred Kindel.

Dass heute wieder das Abschöpfen des Öls im Teermuseum vorführen kann, ist ein Verdienst des verstorbenen Heimatforschers Albert Depenau. "Aufgrund seiner Recherchen wusste er, dass die Hänigser Bauern Anteile am Kuhlenberg hatten", sagt sein Sohn Klaus Depenau. Außerdem habe sein Vater herausgefunden, dass der Kuhlenberg parzelliert war und die Landwirte aus Gruben auf den Parzellen Öl gewannen.

Laut Klaus Depenau waren die Kuhlen in den 1980-er Jahren versandet und zugewachsen. Sein Vater habe sich damals gedacht: "Da muss noch etwas zu finden sein." Mit einer ganz kleinen Gruppe, zu der die Heimatbundmitglieder Herbert Heineke und Adolf Jokisch zählten, habe er sich anhand alten Kartenmaterials auf die Suche gemacht. Die Gruppe stieß bei ihren Grabungen 1986 tatsächlich auf alte Eichenbohlen. Dabei handelte es sich um die Originalverschalung einer Teerkuhle. Die Männer legten die Kuhle frei. Seitdem kann auf dem Kuhlenberg wieder Erdöl abgeschöpft werden - ohne den Einsatz von Pumpen und anderen technischen Hilfsmitteln.

Die Vorführungen bekommen Besucher allerdings nur im Sommer zu sehen. "Im Winter decken wir die Kuhle ab und legen ein Netz drüber, damit kein Laub hineinfällt", berichtet Rudolf Baumeister, der ebenfalls in der Kuhlenberg-Gruppe mitarbeitet. Im Winter stehe nicht nur die eigentliche Teerkuhle, sondern auch der gesamte Bereich drumherum unter Wasser. Im Frühjahr werde die Kuhle wieder frei gelegt, erzählt Baumeister.

Die Hänigser Teerkuhlen sind das älteste erwähnte Erdölvorkommen in Norddeutschland. Der Begründer der modernen Geologie, Georgius Agricola, hat sie bereits 1546 in einer wissenschaftlichen Arbeit beschrieben. "Zur Zeit Agricolas wurde das Öl mit Eimern, aber auch Gänseflügeln, Leinen, Haarbüscheln oder Binsen abgeschöpft, in metallenen Kesseln gekocht und auf diese Weise verdichtet", kann man in der Hänigser Ortschronik nachlesen. Bauern hätten das Öl als Wagenschmiere, aber auch als Brennstoff für Lampen und Fackeln verwendet. "Die Teerkerle zogen mit einem Fass übers Land und haben das Teer verkauft", berichtet Baumeister. Bis zum Aufkommen der industriellen Ölförderung habe man auf dem Kuhlenberg Öl abgeschöpft.

Die Teerkerle treten in Aktion

Die Kuhlenberg-Gruppe des Hänigser Heimatbunds beteiligt sich am Sonntag, 21. Mai, am internationalen Museumstag. Sie öffnet von 9 bis 18 Uhr das Hänser Teermuseum und bietet Führungen durch die Ausstellungsräume und über das Freigelände an, auf dem mehrere Erdölförderpumpen stehen. 

Die Teerkerle des Heimatbunds zeigen im Freien, wie man früher mit der Hand Erdöl aus den Teerkuhlen des Kuhlenbergs geschöpft hat. Außerdem führen sie die Erdölförderung mit dem Schlämmverfahren vor. Dabei wird ein zylindrisches Metallgefäß, die Schlämmbüchse, mithilfe eines hölzernen Förderturms an einem Seil in ein Bohrloch unter dem Turm gelassen. Wenn sich die Schlämmbüchse mit einem Öl-Wasser-Gemisch gefüllt hat, wird sie wieder herausgezogen.

Bernd Ehlert aus Krätze hat für die Kuhlenberg-Gruppe neue Wegweiser aus Holz angefertigt. Sie zeigen Besuchern den Weg vom Celler Weg zum Museumsgelände.

Von Fridrich-Wilhelm Schiller

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