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Gemeinde bittet um weitere Hilfe und Geduld

Uetze Gemeinde bittet um weitere Hilfe und Geduld

Die Stötzner-Schule füllt sich mit Leben - 120 Flüchtlinge kamen bis Donnerstagmittag an. Nun kehrt der Alltag für die Asylbewerber, zumeist aus Albanien und Syrien, sowie die Helfer ein.

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Ankunft der Flüchtlinge in der Stötzner-Schule.

Quelle: Johanniter/Heilmann

Uetze. Sie haben ihre Zimmer bezogen, die Habseligkeiten nach der Ankunft sortiert, das Gebäude und das Gelände rund um die Schule erkundet: Am Nachmittag trafen sich viele der Neuankömmlinge auf dem Pausenhof in der wärmenden Sonne. Während die Älteren durchatmeten, testeten die Kinder bereits das Sandspielzeug. Unter den Flüchtlingen sind sechs Kinder unter zwei Jahren, drei unter vier Jahren und sechs bis zwölf Jahre. „Die Mehrzahl der Flüchtlinge sind Familien“, sagte die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch.

Doch wie so vieles in diesen Tagen gibt es auch dabei noch Unwägbarkeiten: „Wir haben erfahren, dass offenbar einige Familienmitglieder noch in Bramsche sind“, sagte Andreas von Wick, Einsatzleiter der Johanniter. Sie hatten bis Donnerstag den Betrieb in der Unterkunft übernommen, übergaben die Leitung dann am Abend wegen eines neuen Einsatzes an den Arbeiter-Samariter-Bund. Die Johanniter hatten in der Nacht zu Donnerstag noch die Registrierung und Zuweisung der Zimmer übernommen, die Essensausgabe mit anderen Hilfsorganisationen vorbereitet und den Flüchtlingen einen laminierten Din-A4-Ausweis mit Namen, neuem Wohnort und Passbild erstellt.

Am Nachmittag bilanzierte Johanniter-Sprecherin Antje Heilmann: „Uetzes Hilfe ist großartig.“ Sie bezog das Lob auch auf die Ehrenamtlichen. „Wir waren kaum hier, da kamen die ersten Dolmetscher, und die Feuerwehr baute die Kinderbetten auf.“ Selbst den Anschluss für acht Duschcontainer habe die Gemeinde mit dem Bauhof kurzfristig ermöglicht. Auch die Koordination durch das Familienhaus und die Kunstspirale laufe hervorragend. Angesichts der vielen Anfragen bittet Bürgermeister Werner Backeberg alle Uetzer, sich unter Telefon (0 51 73) 33 15 90 im Familienhaus zu melden. Dort gebe es eine Datenbank mit Helfern. „Wir werden sicherlich eine Unterstützung bei den Deutschkursen benötigen“, sagt Tesch. Backeberg ergänzt, dass die Gemeinde mit Vereinen ein Angebot unterbreiten will. „Der Sportverein sammelt schon Fußballschuhe“, sagt er. Zugleich warnt Tesch: „Die Menschen brauchen Zeit, um ankommen zu können. Diese wollen wir ihnen auch geben.“

Sechsfache Mutter hilft als Dolmetscherin in der Stötzner-Schule

„Die Angst schaut aus den Augen“, sagt Zarik Talu nachdenklich. Allein am Mittwoch war die sechsfache Mutter zwölf Stunden in der Stötzner-Schule, um als Dolmetscherin zu helfen. Die Begegnung mit den Flüchtlingen bewegt sie: „Wir denken ja immer, es ist nicht genug für unsere Kinder. Aber das, was wir haben, ist Luxus.“ Diese Erfahrung vermittele sie jetzt auch zu Hause: „Das Leben steckt hier manchmal in der Plastiktüte.“ Und Lebensmittel, fügt sie hinzu, seien ein wertvolles Gut, das oftmals gar nicht hoch genug geschätzt werde. Armenisch, russisch, deutsch, kurdisch, georgisch, türkisch – mit diesen Sprachen hilft Talu den Flüchtlingen im Alltag und den Betreuern, sich mit den Neuankömmlingen zu verständigen. „Wenn jemand mit Schmerzen auf den Bauch zeigt, bringt es nichts, wenn er Essen bekommt“, begründet sie pragmatisch, weshalb sie am Donnerstag gleich zur nächsten ehrenamtlichen Schicht einrückte. Deshalb gehe sie auf die Leute zu und biete ihre Hilfe an, damit jeder auch wisse, dass sich andere kümmern. „Manchmal zeige ich auch die Wege“, nennt sie eine weitere Aufgabe. Wie alle anderen Dolmetscher trägt die gebürtige Armenierin eine pinkfarbene Weste als Erkennung. Unterstützt in der Arbeit, sagt sie, werde sie von ihrer Familie: „Die Kinder wissen, dass das jetzt notwendig ist.“ Für etwa 30 Sprachen finden sich in der Datenbank des Familienhauses die Dolmetscher: „Das ist großartig“, sagt Andreas von Wick, Einsatzleiter bei den Johannitern. „Wir haben frühzeitig die Helfer und Dolmetscher erfasst, konnten jetzt die Daten per Knopfdruck abfragen“, sagt die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch und dankt zugleich allen Ehrenamtlichen.

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