Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Als Tabak noch Deutsche Hecke hieß

Uetze Als Tabak noch Deutsche Hecke hieß

Etliche Raucher drehen sich ihre Zigaretten selbst, doch kaum einer kommt auf die Idee, dafür selbst Tabak anzubauen. Davon, dass das während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren gang und gäbe war, zeugt in der Katenser Heimatstube eine Tabakschneidemaschine.

Voriger Artikel
Gymnasiasten spenden für Hospiz Luise
Nächster Artikel
Bösche löst Ortsbrandmeister Sprenger ab

Gab es früher in vielen Haushalten: In der Katenser Heimatstube führt Gerd Voiges die Tabakschneidemaschine Marke Eigenbau aus dem Jahr 1945 vor.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Katensen/Uetze. Das Gerät der Marke Eigenbau ist 1945 angefertigt worden, weiß der Heimatbund-Vorsitzende Gerd Voiges zu berichten. Es handelt sich um einen auf ein Brett geschraubten, etwa 20 Zentimeter langen zylinderförmigen Behälter aus Metall. Auf der geschlossenen Seite des Metallgehäuses befindet sich ein runder Drehgriff. An der offenen Seite ist ein Sichelmesser befestigt.

„So eine Schneidemaschine hatte sich auch mein Vater angefertigt. Er hat damals im Garten Tabak angebaut“, erinnert sich der 78 Jahre alte Uetzer Horst Reddersen. In den zylinderförmigen Behälter der Maschine hätten die Raucher zusammengerollte, getrocknete Tabakblätter gestopft. Mit dem Drehgriff habe man dann den aufgerollten Tabak nach und nach zur offenen Seite aus dem Gehäuse herausgedrückt. „Mit dem Sichelmesser wurden davon immer ein paar Millimeter abgeschnitten“, berichtet Reddersen.

Um sich Zigaretten zu drehen, habe man den Tabak zuvor verhältnismäßig fein geschnitten. Als Zigarettenpapier wurde angesichts des damaligen Papiermangels oft Zeitungen verwendet. „Für die Pfeife war der Tabak etwas grober“, sagt Reddersen. Jeder hat sein eigenes Rezept „Der Tabak wurde mit verschiedenen Tricks behandelt, um ihm eine besondere Geschmacksnote zu geben. Sie sagten dazu: Den haben wir parfümiert“, erzählt der Uetzer. Fast jeder habe ein persönliches Rezept gehabt. „Das ganze Tabakblatt wurde von A bis Z verarbeitet“, erinnert sich der 78-Jährige. Den Stiel hätten die Raucher vom übrigen Blatt abgetrennt und dann mit einem Haushaltsmesser zerschnitten. Mit den zerkleinerten Stängeln hätten die Raucher sich Pfeifen gestopft.

Reddersens Klassenlehrer in der Volksschule, ein starker Raucher, habe ihn eines Tages angesprochen: „Dein Vater baut doch Tabak an. Kannst du mir nicht mal welchen mitbringen?“. Das habe er zu Hause erzählt, berichtet Reddersen. Sein Vater sei aber nur bereit gewesen, ein paar Stängel abzutreten. Die habe er dem Sohn mit den Worten mitgegeben: „Du kannst ihm gleich sagen: Mehr gibt es nicht!“ Der Klassenlehrer sei auch mit den Stielen zufrieden gewesen.

Laut Heimatbund-Chef Voiges haben auch Katenser damals Tabak angebaut. Noch Jahre später, als man wieder problemlos Zigaretten auf dem freien Markt habe kaufen können, seien in den Gärten vereinzelt Pflanzen gewachsen, da sich noch Samen im Boden befunden hätten, erläutert der 72-Jährige. Für den selbst angebauten Tabak war der Name Deutsche Hecke gebräuchlich. Vor rund zehn Jahren griff der erste deutsche Tabakanbauverein die Bezeichnung als Vereinsname auf. Die Mitglieder wollten mit Tabakanbau für den Eigenverbrauch auf den Azoren die Tabaksteuer umgehen. Sie bekamen jedoch bei der Einfuhr Probleme mit dem Zollamt.

doc6tlowtojwl3xk2a1ag7

Gab es früher in vielen Haushalten: In der Katenser Heimatstube führt Gerd Voiges die Tabakschneidemaschine Marke Eigenbau aus dem Jahr 1945 vor.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

doc6wr5222gugoy4ulue7r
Lorenz fordert Schadensersatz fürs Waldlager

Fotostrecke Uetze: Lorenz fordert Schadensersatz fürs Waldlager