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Kein Arbeitstag unter 13 Stunden

Obershagen Kein Arbeitstag unter 13 Stunden

Milchbauern haben sich mit Traktoren auf den Weg nach München gemacht, um gegen den niedrigen Milchpreis zu protestieren. Auch Felicitas und Burghard Homann sowie Mechthild und Dirk Sander, die gemeinsam den Michhof Osterwiese betreiben, macht die Entwicklung zu schaffen.

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Felicitas Homann tränkt Kälber, die eineinhalb Wochen alt sind.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Der derzeit niedrige Erzeugerpreis ist ein Problem für den Milchhof, obwohl er eine eigene Molkerei hat. „Wir produzieren etwa 1,4 Millionen Liter im Jahr“, sagt Landwirt Homann. Davon werden 20 Prozent in der eigenen Molkerei verarbeitet – für die Direktvermarktung. Für die übrigen 80 Prozent bekomme er derzeit nur 26 Cent pro Liter. Dieser Erzeugerpreis decke nicht die Kosten. Die Direktvermarktung könne den Preisverfall nur etwas abfedern, aber nicht ausgleichen.

Der Milchhof Osterwiese beliefert Privatkunden, Kitas, Edeka-Märkte und einen Großkunden mit naturbelassener Vorzugsmilch, mit pasteurisierter Vollmilch und Joghurt. Für diese Produkte verlangt der Milchhof einen höheren Preis. „Unsere Kunden wissen unseren Service zu schätzen“, sagt Felicitas Homann selbstbewusst.

Auf dem Milchhof gibt es von morgens bis abends alle Hände voll zu tun. Gegen 16.45 Uhr schaut Burghard Homann auf die Uhr. Es wird Zeit, dass er und seine Frau die Kaffeepause beenden. Die 160 Milchkühe müssen gemolken, außerdem die mehr als 50 Kälber und weiteren 100 Jungtiere versorgt werden.

Dirk und Mechthild Sander haben bereits die ersten Milchkühe in den Melkstand getrieben. Heute gibt es etwas mehr zu tun - nicht nur, weil der Auszubildende und der landwirtschaftliche Geselle frei haben. Thea Hornickel vom Milchkontrollverein ist auf dem Hof, um Proben von der Milch jeder Kuh zu nehmen. „Das machen wir freiwillig“, sagt Sander, während er die geeichten Messgeräte am Melkstand aufhängt.

Der Milchkontrollverein überprüfe die Inhaltsstoffe der Milch, sagt Sander. Die Ergebnisse lieferten Anhaltspunkte, wie die Kühe gefüttert werden müssten. Damit die Proben dem richtigen Tier zugeordnet werden können, notiert Mechthild Sander die Nummern der Ohrmarken in der Reihenfolge, in der die Kühe im Melkstand stehen. Sie und Burghard Homann sind morgens und abends für das Melken der 160 Kühe zuständig.

Unterdessen tränkt Felicitas Homann die Kälber. Dirk Sander schaufelt Mischfutter, das aus Gras- und Maissilage, Stroh und Kraftfutter besteht, vor das Fressgitter auf dem Hof. „Das müssen wir einmal am Tag für verschiedene Leistungsgruppen mischen. Wir brauchen etwa acht Tonnen Futter am Tag“, erläutert er. Auch wenn die Kühe auf der hofnahen Weide grasen können, müssen sie gefüttert werden, damit ihre Milchleistung stimmt. Heutzutage geben Kühe im Schnitt rund 9000 Liter Milch im Jahr.

Vor etwa einer Stunde hat im sogenannten Wohlfühlstall, den die Betriebsinhaber vor vier Jahren gebaut haben, eine Kuh angefangen zu kalben. Sander schaut nach ihr. Nur zwei Hufe des Kalbes sind bislang zu sehen. Er betätigt sich als Geburtshelfer und zieht das Kalb vorsichtig heraus. „70 Prozent der Kühe kalben allein“, sagt er. Doch wenn die Geburt zu lange dauere, sei es ratsam zu helfen. Damit die Kuh nach der Anstrengung schnell wieder zu Kräften kommt, gibt ihr der Landwirt 30 Liter Wasser mit Traubenzucker.

„Jede Kuh kalbt einmal im Jahr. Davon sind die Hälfte weibliche Tiere“, sagt Burghard Homann. Die männlichen Kälber werden nach zwei bis drei Wochen an Mäster verkauft. „Die weiblichen behalten wir, um sie aufzuziehen“, berichtet der Obershagener. Erst nach zwei Jahren, wenn sie ihr erstes Kalb geboren haben, können die Kühe das erste Mal gemolken werden. „Die Aufzucht der Kühe hat mehrere 100 Euro gekostet.“

Um 19.30 Uhr sind alle Tiere gemolken, getränkt und gefüttert. Endlich haben die Homanns und die Sanders ihren verdienten Feierabend. In der Erntezeit für Gras und Heu wird es oft noch später werden.

Der Arbeitstag auf dem Hof beginnt um 6 Uhr. Da muss das erste Mal gemolken werden, die Tiere sind zu versorgen und frisches Stroh in die Ställe zu streuen. Auch tagsüber bleibt kaum Zeit für eine Pause. Das Futter ist zu mischen und der Kot vom sogenannten Wartehof zu schieben. Reichlich Arbeit fällt auch in der hofeigenen Molkerei an.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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