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Bauern bereiten Demo für Montag vor

Uetze Bauern bereiten Demo für Montag vor

An der landesweiten Demonstration auf der geplanten 
Südlink-Trasse am Montagabend,
15. Mai, beteiligen sich auch hiesige Landwirte.

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Blick von der Eisenbahnbrücke zwischen Schwüblingsen und Dollbergen in Richtung Süden: Dort werden am Montagabend die Traktoren mit ihren Rundumleuchten und die Fackelträger den Verlauf der Südlink-Trasse markieren.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Ziel ist es, von Stade bis zur Grenze nach Thüringen den Korridor zu erleuchten, in dem die Erdkabel für den Strom aus den Offshore-Windparks in der Nordsee nach Süddeutschland verlegt werden sollen – in der Hoffnung, dass den Verantwortlichen ein Licht aufgeht. Die Aktion im Uetzer Gemeindegebiet koordinieren die Landwirte Holger Hennies aus Schwüblingsen und Helmut Habermann aus Hänigsen.

„Verhindern wollen wir den Südlink nicht“, stellt Hennies klar, der auch Vorsitzender des Landvolkverbands in der Region Hannover ist. „Mit der Demonstration wollen wir Landwirte unseren Forderungen nach einer bodenschonenden Bauplanung und -ausführung, faireren Entschädigungsregelungen und einem angemessenen Ausgleich für den dauerhaften Eingriff in unser Eigentum Nachdruck verleihen.“

Zwar werden die voraussichtlich acht 320-kV-Gleichstromleitungen in etwa 1,30 Meter Tiefe im Boden verlegt, sodass man sie nicht sehen wird. Doch gerade das beunruhigt die Landwirte. Sie befürchten trotz aller gegenteiligen Beteuerungen des Netzbetreibers und Bauherrn Tennet Beeinträchtigungen für die künftige Bewirtschaftung ihrer Flächen. Nach Ansicht Hennies’ könnte vor allem der Kartoffelanbau, Hauptbetriebszweig der hiesigen Landwirte, auf den 15 bis 30 Meter breiten Schneisen, in denen die Kabel verlegt werden, unmöglich werden. Der Boden in den oberen 30 bis 40 Zentimetern, da wo die Knollen heranreifen, könnte vor allem im Sommer zu warm werden.

Das geht aus einer Untersuchung von Professor Peter Trüby von der Universität Freiburg hervor, die Hennies in Vortragsunterlagen des Wissenschaftlers entdeckt hat. Dicht an der Bodenoberfläche über 110-kV-Leitungen wurden demnach 26 bis 28 Grad Celsius gemessen, während die Bodentemperatur in der Umgebung bei 20 Grad lag. „Ab 25 Grad nehmen Vermarkter die Ernte aber nicht ab, weil die Kartoffeln innerhalb weniger Stunden verfaulen“, sagt Hennies. „Hinzu kommt, dass wir bei solchen Bodentemperaturen erhebliche Probleme mit bakteriellen und Pilzerkrankungen in den Beständen bekommen. Diese Effekte sind ganz schwer zu berechnen, weil sie sich auf den ganzen Kartoffelacker auswirken.“

Eine Viertelstunde lang wollen am Montagabend – von 21.30 bis 21.45 Uhr – Traktoren mit Rundumleuchten, andere beleuchtete Fahrzeuge und Fackelträger Licht in die Feldmark bringen. Derzeit plant Hennies mit 20 Traktoren, hofft aber, dass sich auch Landwirte aus den Nachbarorten, deren Ländereien nicht betroffen sich, an der Aktion beteiligen. Die Lichtkette soll südlich des Beerbuschs beginnen und durch die Schwüblingser, Oelerser und Röhrser Feldmark bis zur A 2 führen.

Der Hänigser Bezirkslandwirt Habermann kann mit mehr als
30 Traktoren planen. Sie werden sich von der B 188 bis zum Engpass zwischen Hänigsen und dem Ortsteil Riedel postieren. Von dort bis zur A 2 gibt es drei Stellen, an denen sich die Demonstranten um
20 Uhr treffen: an der Reithalle Hänigsen, Hoher Weg 10, auf Hennies Hof Meyerhofstraße 9 in Schwüblingsen sowie an der Kartoffelhalle am Röhrser Weg in Sievershausen. 

Um ihren Forderungen stärkeres Gewicht zu geben, haben sich die Landwirte jetzt unter dem Dach des Landvolks zu einer Arbeitsgemeinschaft (AG) Südlink Niedersachsen zusammengeschlossen. Eine der wichtigsten Forderungen aus dem Zehn-Punkte-Papier der AG Südlink ist nach Hennies’ Ansicht der pflegliche Umgang mit den Feldern während der Bauarbeiten. „Es muss jemand die Arbeiten beaufsichtigen, der auch das Recht hat, sie zu stoppen, sollten die Witterungsbedingungen zu schlecht sein“, betont Hennies.

Darüber hinaus wollen die Grundeigentümer keine einmalige Entschädigung, wie derzeit geplant, sondern jährliche Ausgleichszahlungen ähnlich einer Pacht. „Kommunen lassen sich auch jährlich entschädigen“, sagt Hennies. Auch die vorgesehene Höhe der Entschädigungszahlungen akzeptieren die Landwirte nicht. Sie verlangen, dass sich diese an den Konzessionsabgaben, die die Kommunen für den Betrieb von Stromleitungen verlangen, orientieren. Für die Landwirte sind laut Hennies derzeit 0,04 Cent pro kWh-Leistungskapazität im Gespräch, die Konzessionsabgaben bewegen sich hingegen zwischen 0,61 und 2,39 Cent.

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Von Redakteur Anette Wulf-Dettmer

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