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Nutrias höhlen Flussufer aus

Uetze Nutrias höhlen Flussufer aus

Immer mehr Nutrias fühlen sich an Fuhse und Erse heimisch. Die Sumpfbiber sehen zwar possierlich aus, machen aber viel Ärger: Für ihre unterirdischen Bauten höhlen die Tiere die Flussböschungen und Hochwasserschutzwälle aus.

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Steffen Hipp zeigt an der Erse auf die Eingangslöcher eines Nutriabaus, der sich auf der anderen Seite des Flusses in der Uferböschung befindet.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. „Wir beobachten sie seit etwa einem Jahr mit großer Sorge“, sagt Steffen Hipp, Verbandsingenieur der Unterhaltungsverbände Untere und Obere Fuhse sowie Erse-Aue über die Tiere. Den ersten Nutriabau habe er im Juli 2014 an der Harlake, einem Nebengewässer der Fuhse im Landkreis Celle, entdeckt. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Nutrias sind laut Hipp aus Altarmen der Aller zugewandert.

Inzwischen seien die Tiere die Fuhse und Erse hinauf bis in den Landkreis Peine gezogen. „In der Alten Aue im Norden Otzes sind sie auch“, berichtet Hipp. Nach Informationen Werner Hübners, des Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Obershagen, haben Jäger Nutrias auch an der Thöse angetroffen. „Die Ufer der Erse sind teilweise massiv unterhöhlt“, klagt Hipp. Noch größere Sorgen bereiten ihm die Schäden an den Uferwällen der Fuhse, die zum Hochwasserschutz angelegt worden sind. „Wir müssen die Ufer reparieren, und das kostet Geld“, sagt der Verbandsingenieur, der sich eine intensive Bejagung der Biberratten wümscht.

Im Jagdrevier Uetze I sind nach Auskunft des Vertreters des Kreisjägermeisters, Eckehard Baars aus Uetze, im vergangenen Jagdjahr 73 Sumpfbiber an der Erse zur Strecke gebracht worden - in erster Linie mit Fallen. Baars weist darauf hin, dass die bis zu zehn Kilogramm schweren Pflanzenfresser auch Schäden auf den Feldern anrichten. „Ihre Lieblingsspeisen sind Zuckerrüben und Mais“, sagt Hipp.

Der Jäger Frank Hacke war im vorigen September auf die Sumpfbiber aufmerksam geworden, als er im Revier Uetze I nach Wildschäden auf Äckern Ausschau hielt. Da war ihm aufgefallen, dass in einem Maisstreifen an der Erse die Kolben abgefressen waren. Die Laufwege zum Bau am Fluss hätten den Nachweis erbracht, dass es Nutrias gewesen seien, berichtet Hacke.

Nach Baars’ Ansicht kommt man den überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Nutrias fast nur mit der Fallenjagd bei. Daher würde eine Einschränkung der Fallenjagd die weitere Ausbreitung der Biberratten beschleunigen, sagt Baars.

Feinde von Hase und Fasan breiten sich immer mehr aus

Die Population von Waschbären, Marderhunden und Nutrias wächst in der Gemeinde Uetze. Sie sind Neozoen – also Tiere, die mit direkter oder indirekter Hilfe des Menschen in Gebiete vorgedrungen sind, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren.

 „Waschbären und Marderhunde kommen inzwischen in sämtlichen Gemarkungen des Altkreises Burgdorf vor. Sie sind absolute Feinde des Niederwilds“, sagt Eckhard Baars, Vertreter des Kreisjägermeisters. Das heißt auf ihrem Speisezettel stehen Hasen, Fasane, Rebhühner und sogar Rehe. Der aus Nordamerika stammende Waschbär ist 1934 am Edersee in Hessen ausgesetzt worden. Von dort habe er sich in alle Richtungen ausgebreitet, berichtet Baars.

Der Marderhund oder Enok war ursprünglich in Ostsibirien, im nordöstlichen China und in Japan zu Hause. Im 19. und 20. Jahrhundert sind Marderhunde in Westrussland und der Ukraine ausgewildert worden. Von dort eroberten sie das restliche Europa. Laut Baars waren Marderhunde bis 1990 in Westdeutschland so gut wie überhaupt nicht anzutreffen. Der Eiserne Vorhang sei für sie ein kaum überwindbares Hindernis gewesen. „Der neueste Neuzugang sind die Nutrias“, sagt Baars. Die ursprüngliche Heimat der an Flüssen, Teichen, Seen und in Sümpfen lebenden Tiere ist das subtropische und gemäßigte Südamerika. Der Bestand in Europa ist darauf zurückzuführen, dass Nutrias aus Pelztierfarmen ausgebrochen oder bewusst ausgewildert worden sind. In Deutschland entstanden die ersten Nutriazuchtfarmen 1926. Bereits um 1930 kamen Sumpfbiber in Deutschland in freier Wildbahn vor.

Über die Ausbreitung von Waschbären, Marderhunden und Nutrias sowie von Wölfen und Luchsen berichtet Baars am Mittwoch, 1. Juli, beim Seniorenkreis der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr im Gemeindesaal, Kirchstraße 7.

Film über Neubürger am Wiesenbach

Der Hänigser Hobbytierfilmer und Bäckermeister Joachim Laube hat einen Film über die an der Erse lebenden Nutrias gedreht. Mit dem Film „Neubürger am Wiesenbach“, den er kürzlich in Burgdorf Schülern der Förderschule Am Wasserwerk gezeigt hat, will er sich bei einem Bundeswettbewerb für Amateurfilmer bewerben. Schulen und Gruppen, die die Aufnahmen sehen wollen, können mit Laube, Telefon (0 51 47) 97 97 12, Kontakt aufnehmen.

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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