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Romafamilie muss ausreisen

Uetze Romafamilie muss ausreisen

Der Asylfolgeantrag der Romafamilie Selimevic ist abgelehnt worden. Sie wird nur noch bis zum 2. November in Deutschland geduldet. Um einer Zwangsabschiebung zu entgehen, will Ratko Selimevic mit der Familie freiwillig aus Uetze nach Montenegro zurückkehren.

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Die Familie Selimevic - Großvater Spasoje (von links), die 15 Jahre alte Sabina, Vater Ratko, der 14-jährige Braco und die zwölf Jahre alte Mariana - muss nach Montenegro zurückkehren.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Der alleinerziehende Vater befürchtet, dass seine Kinder bei einer Abschiebung traumatisiert würden. „Ich will, dass sie keine Angst vor der Polizei bekommen“, sagt er.

Nach Ansicht des Uetzers Volker Klarmann, der die Familie seit gut zehn Wochen bei Behördengängen begleitet, wäre es das Beste, „wenn die Abschiebung ausgesetzt würde“. „Auch wenn Montenegro zu den sicheren Herkunftsländern zählt, werden dort Roma doch noch immer aufgrund ihrer ethnischen Abstammung massiv diskriminiert und vom sozialen Leben ausgeschlossen“, gibt der Uetzer zu bedenken. Er weiß aber auch: „Es gibt definitiv keine Verlängerung.“

„Weil Herr Selimevic freiwillig geht, muss er die Fahrt selber bezahlen“, sagt Klarmann. Der Uetzer will die Familie am liebsten in einem Kleinbus nach Montenegro bringen. Er sucht deshalb jetzt eine Firma oder eine Privatperson, die ihm dafür einen VW-Bus oder ein ähnliches Fahrzeug leiht.

Eine Voraussetzung für diesen Rücktransport ist, dass sich mindestens noch ein zweiter Fahrer findet. Ideal wäre, wenn dieser Serbisch oder Kroatisch sprechen würde, sagt Klarmann. Dann könne der Begleiter dem Uetzer in Montenegro bei der Suche einer Wohnung für die Selimevics helfen.

Außerdem ruft Klarmann dazu auf, Patenschaften für die Romafamilie zu übernehmen. „Meine Vorstellung ist, dass 50 Menschen auf ein Konto in Deutschland monatlich 10 Euro einzahlen, die für Miete und Schulgeld genommen werden“, erläutert Klarmann. Ihm gehe es hauptsächlich darum, dass die Kinder Bildung erlangen.

„Auf keinen Fall will ich das Konto allein verwalten“, stellt der Uetzer klar. Recht wäre ihm, wenn ihm Finanzfachleute die Arbeit abnähmen.

Wer der Romafamilie helfen oder einen Kleinbus zur Verfügung stellen will, kann sich bei Klarmann unter der Telefonnummer (05173) 9246644 oder unter der Mobilfunknummer (0176) 77108787 melden.

Flucht aus Sorge um die Tochter

Der Romafamilie Selimevic droht in Montenegro die Obdachlosigkeit, weil ihr Haus vor zwei Jahren abgebrannt ist. „Wir haben in Zelten im Wald geschlafen“, berichtet Ratko Selimevic. Die Obdachlosigkeit sei damals ein Grund gewesen, die Heimat zu verlassen. Außerdem habe er für seinen Sohn Braco, der Epileptiker ist, nicht die notwendige Medizin bekommen. Im Frühjahr dieses Jahres ist die Familie schon einmal freiwillig nach Montenegro zurückgekehrt, nachdem der erste Asylantrag abgelehnt worden war. Im Mai hätten Montenegriner seine 15 Jahre alte Tochter Sabina verheiraten wollen, erzählt Selimevic. Als er das abgelehnt habe, hätten sie ihm seine Tochter entreißen und diese vergewaltigen wollen. Er und sein Vater hätten das verhindert. Als sie Sabina geschützt haben, seien sie mit Gegenständen geschlagen worden. „Wir sind nur mit dem, was wir schnappen konnten, in den Wald geflohen“, sagt Selimevic. Das Geld für die Flucht nach Deutschland habe die mittellose Familie zusammengebettelt.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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