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Mit Sonnen im Gepäck gegen das Vergessen

Uetze Mit Sonnen im Gepäck gegen das Vergessen

Auf ihrer Radtour gegen das Vergessen haben 30 Schüler und vier Lehrer der Erna-de-Vries-Schule Münster im Freibad Hänigsen Station gemacht. Ihre mehrtägige Fahrt zum Konzentrationslager Ravensbrück ist eine Zeitreise zu den Lebensstationen der Namenspatin ihrer Schule.

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Die Schüler der Erna-de-Vries-Schule erreichen am Mittwochabend auf ihrer Radtour gegen das Vergessen ihr Etappenziel, das Freibad Hänigsen.

Quelle: Sandra Köhler

Hänigsen.  "Ich will noch einmal die Sonne sehen": Unter das Überlebensmotto ihrer Namenspatronin, einer Überlebenden des Holocausts, haben die Münsteraner Realschüler ihre Radtour gegen das Vergessen gestellt.  Erst im vergangenen Jahr war aus der Karl-Wagenfeld- die Erna-de-Vries-Schule geworden.

Von der Sonne verwöhnt waren die Radler auf ihrer dritten von insgesamt sieben Tagesetappen bis hin zum Konzentrationslager Ravensbrück allerdings nicht. "Es hat eigentlich den ganzen Tag geregnet, bis auf die letzten zehn Kilometer", berichtete Schüler Alexander Vogel, als der Trupp mit rund drei Stunden Verspätung  am Hänigser Freibad eintraf.

Die Schule hatte bei der Planung der Tour Kontakt zu Ortsbürgermeister Norbert Vanin aufgenommen, woraufhin dieser kurzerhand eine Übernachtungsmöglichkeit und einen Grillabend mit der DLRG Jugend organisierte. Aufs Baden verzichteten die Jugendlichen allerdings.

Dass die Tour mitnichten eine Spazierfahrt ist, war allen bewusst. "Wir wollen unserer Namenspatin mit der Fahrt eine Ehre erweisen", sagte die Neuntklässlerin Betul Cavus: "Es ist anstrengend. Aber wir können einfach Pausen machen. Das konnten die Juden im KZ nicht. Die haben dann Schläge bekommen." 

Auch ihr Mitschüler Alexander Herzog war schwer beeindruckt von all den Informationen, Berichten und Begegnungen, die er bei der Vorbereitung auf die Tour und beim Besuch in Ahlem, dem Außenlager des KZ Neuengamme, erhalten hat: "Wir haben einen Wald gesehen, in dem die Häftlinge eingesperrt waren und erschossen wurden, wenn sie zu fliehen versuchten."

Die Antwort eines Überlebenden auf die Schülerfrage "Haben Sie sich nicht gewünscht, dass mal eine Bombe auf das KZ fällt?", wird Lehrer Rudi Neteler so schnell nicht vergessen: "Jeden Tag hat er sich das gewünscht, damit das Elend endlich vorbei ist."

Geschichte so hautnah erleben sei eine beeindruckende Erfahrung, waren sich alle einig: "Das ist etwas, was nicht in Vergessenheit geraten darf." Dafür soll auch die Sonne aus Holz sorgen, die die Schüler neben Blumen am Ehrenmal an der Kirche niederlegten.

Zeitzeugin gibt Schule den Namen

Erna de Vries wurde 1923 in Kaiserslautern geboren. Ihr 1931 gestorbener Vater Jacob Korn war Christ, ihre Mutter Jeanette  Jüdin. Als diese 1943 nach Auschwitz deportiert wurde, begleitete Erna sie freiwillig. Ihrer Hinrichtung entging Erna de Vries, weil sie als Mischling ersten Grades ins KZ Ravensbrück gebracht wurde. Nach der Räumung des KZs ab April 1945 schleppte sie sich beim Todesmarsch der Insassinnen bis Mecklenburg, wo ihr Treck von alliierten Soldaten befreit wurde. Seit 1998 berichtet sie über ihr Schicksal. Dafür erhielt sie die Verdienstmedaille und das Bundesverdienstkreuz.

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Von Sandra Köhler

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