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Szenische Lesung bewegt die Zuhörer

Obershagen Szenische Lesung bewegt die Zuhörer

Eine anrührende, wenngleich schwer zu ertragende Auseinandersetzung mit den Hintergründen der Flüchtlingsströme haben die Besucher der von der Kirchengemeinde, der Kunstspirale und der Gemeinde Uetze gemeinsam präsentierten szenischen Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ am Freitagabend in der St.-Nicolai-Kirche erlebt.

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Musiker Francesco Impastato singt Lieder, die er eigens für das Projekt komponiert hat.

Quelle: Sandra Köhler

Uetze. Betroffenheit schafft Stille. Wenn Bilder von unendlichem Leid sich den Weg in die Köpfe und die Herzen fressen, dann schrumpfen eigene alltägliche Ängste in sich zusammen. Dann werden oft nur noch als reine Nummern wahrgenommene Flüchtlingsschicksale zu dem, was sie wirklich sind: menschliche Dramen, die, jedes einzelne für sich, nach Hilfe verlangen.

Mitunter nur schwer aushaltbar war, was Pastor Steffen Lahmann, Bianca Bruns, Marcel Voß sowie Marianne und Bernd Hackbarth in der Kirche vorlasen, während Fotografien von überladenen Flüchtlingsbooten und Rettungsszenen über die Leinwand flimmerten.

Menschen, die auf dem brennenden Boot den sicheren Tod vor Augen sehen. Fischer, die beim Versuch, möglichst viele Schiffbrüchige zu retten, keine Unterstützung von der Küstenwache finden. Taucher, denen die im Tode aneinandergeklammerten Trauben von Menschen Schauer über die Haut jagen. „Sie liegen auf dem Grund des Meeres ohne Klage. Mancher streckt noch die Hände zum Himmel. Frauen, Kinder nun ohne Schmerz, die Augen voll Tränen schleierlos“: So poetisch und unendlich traurig ergänzte der Musiker Francesco Impastato die Worte mit seinem Gesang.

Entsetzen, ziellose Wut und der Wunsch, die Tragödie des mit 545 Menschen völlig überladenen Flüchtlingsbootes dem Vergessenwerden zu entreißen: So beschrieb Antonio Umberto Ricco, was ihn dazu bewogen hatte, Zeugenaussagen und dokumentarisches Material solcherart aufzubereiten. Es habe sich schon einiges bewegt, beantwortete Ricco Fragen nach Veränderungen. Er machte aber auch deutlich, dass es sich um ein Problem handele, bei dem nicht nur die Politik gefordert sei: „Einmischen kann sich jeder, und wenn es beim Bäcker ist.“

Irgendwann sei es hoffentlich so weit, dass Menschen auch ohne Grenzen zwischen den Staaten leben könnten und Herkunft kein Problem mehr darstelle, sagte eine Besucherin unter Beifall.

Von Sandra Köhler

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