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Das Schwimmbad von allen für alle

Uetze Das Schwimmbad von allen für alle

Sommerzeit ist Badezeit, will man einen kühlen Kopf bewahren an heißen Tagen. Darum sind wir einfach mal reingesprungen in unsere Freibäder. Und haben dort Menschen getroffen, die ihrer Badeanstalt besonders verbunden sind. Diesmal: Gertraud Eberl im Hänigser Schwimmbad.

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Das Planschbecken soll einen Wasserspielbereich erhalten.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Hänigsen. Gertraud Eberl geht fast jeden Tag zum Schwimmen. „Je nachdem, wie ich Zeit habe“, sagt die 61-Jährige. Meistens nutzt sie das Privileg der Mitglieder der Freibadgenossenschaft, auch außerhalb der öffentlichen Badezeiten ins Bad zu dürfen.

Es gibt Besucher des Hänigser Freibades, die behaupten, Eberl dort immer anzutreffen. Kein Wunder: Sie organisiert den ehrenamtlichen Dienst an der Freibadkasse. „Wir sind zirka 30 Leute“, sagt Eberl. Sie teilt die Helfer in Zweistundenschichten ein.

Wenn sie selbst Dienst hat und kein großer Andrang herrscht, nimmt sie sich einen der Stühle vom Tisch am Eingangsbereich und setzt sich in die Sonne. Von dort aus hat sie das Kassenhäuschen und die benachbarte Schwimmbadgaststätte im Blick.

Den Stuhl richtet sie meistens so aus, dass sie das Nichtschwimmer- und das Schwimmerbecken mit dem Zehn-Meter-Turm sehen kann. Dieser ist das Markenzeichen der Hänigser Badeanstalt. Kein anderes Bad im Umland Hannovers hat einen so hohen Sprungturm.

Im Schwimmerbecken können sich Besucher jeden Donnerstag ab 10.30 Uhr mit Aquajogging fit halten. Den Kurs bietet Hildegard Bastian aus dem Kassenteam an.

Nach der Saison, die am 3. Oktober endet, will die Genossenschaft das Nichtschwimmerbecken sanieren. Es erhält eine neue Überlaufrinne und eine Umrandung aus weichem Tartanbelag. Neben dem Becken will die Genossenschaft, die das Bad seit 2011 unter dem Motto „Das Bad von allen für alle“ betreibt, Liegenischen einrichten. Außerdem soll das Planschbecken attraktiver werden - es bekommt einen Wasserspielbereich für kleine Kinder.

Zwei Besonderheiten für ein Schwimmbad bietet das Umkleidegebäude, das wie das übrige Bad 59 Jahre alt ist. Dort gibt es einen Wickelraum und Sanitäranlagen für Rollstuhlfahrer.

Eberl fragt oft auswärtige Besucher, weshalb sie zum Schwimmen nach Hänigsen kommen.Die häufigste Antwort: Die Gäste schätzen die gepflegte Anlage. „Als Kassenteam versuchen wir, eine Nähe zwischen Gästen und Personal zu schaffen“, sagt Eberl, die in der Nähe von Würzburg aufgewachsen ist. Sie selbst war von Anfang an, als sie 1974 das erste Mal das Hänigser Bad besuchte, von seiner familiären Atmosphäre angetan.

Der Betrieb des Bades ruht auf drei Säulen: Genossenschaft, Förderverein und DLRG-Ortsgruppe. „Die Zusammenarbeit mit der DLRG-Jugend ist klasse“, schwärmt Eberl, die Mutter dreier Töchter ist. Die jungen Rettungsschwimmer bieten Schwimmkurse an und organisieren die Ugly-Jump-Party, bei dem sich Badegäste kostümiert vom Sprungturm ins beheizte Wasser stürzen.

Eberls drei Jahre alter Enkel Janne Anton ist so etwas wie das Maskottchen der DLRG-Jugend. Er ist vor zwei Jahren während eines Freibadgottesdienstes mit Freibadwasser getauft worden.

Die DLRG hat Lagerräume an der Sportwiese des Freibads. Dort treffen sich die Rettungsschwimmer oft nach dem Training zum Grillen. Auf der Sportwiese stehen Fußballtore und Tischtennisplatten. Außerdem kann Beachvolleyball gespielt werden.

Ziel der Genossenschaft ist, mit Veranstaltungen wie der Ugly-Jump-Party, Freibadgottesdiensten und dem alljährlichen Open Air neue Besucher in das Bad zu locken. Das Schweinetrog-Rennen im Schwimmerbecken am Ende der Saison verspricht wieder ein besonderes Spektakel zu werden.

Mit ihrem Engagement für das Freibad will Eberl der Leistung derjenigen Rechnung tragen, die das Bad vor fast 60 Jahren gebaut und bei der Sanierung vor rund zehn Jahren geholfen haben. Nach ihrer Meinung droht Hänigsen zu einem Schlafdorf zu werden. Da müsse die Dorfgemeinschaft gegensteuern und alles tun, um das Bad zu erhalten.

Das Freibad als Aushängeschild für die Gemeinde Hänigsen

Die Freibadgenossenschaft will im nächsten Jahr das 60-jährige Bestehen des Hänigser Schwimmbads feiern. Die damalige Gemeinde Hänigsen eröffnete ihre Badeanstalt offiziell am 10. Juni 1956. 2000 Besucher strömten damals zur Eröffnungsfeier. Laut Ortschronik hatten die Bauarbeiten schon 1951 begonnen. Das Nichtschimmerbecken war drei Jahre später fertig. 1956 konnten erstmals Besucher vom Zehn-Meter-Turm ins Schwimmerbecken springen.

„Die damals 4412 Einwohner zählende Gemeinde verfügte über das modernste, schönste und größte Schwimmbad im Altkreis Burgdorf. Das Projekt hatte 700?000 Euro gekostet. Es wurde für lange Zeit das Statussymbol der Gemeinde, zierte das Briefpapier des Rathauses und die Postkarten“, schreibt der Historiker Ralf Bierod in der Chronik. Der Schriftsteller Arno Schmidt setzte der Badeanstalt 1964 in der Erzählung „Windmühlen“ ein literarisches Denkmal. Obwohl er Hänigsen in seiner Erzählung Frimmersen nennt, erkennen Ortskundige das Bad sofort wieder. Während der Sanierung von 2003 bis 2005 drohte dem Schwimmbad die Schließung, weil die Baukosten explodierten. Rund eine Million Euro musste die Gemeinde Uetze ausgeben. 2011 hat die Badgenossenschaft die Anlage übernommen.

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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