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Partner schon vor der Wiedervereinigung

Uetze Partner schon vor der Wiedervereinigung

Quasi ihre silberne Hochzeit feiern in diesem Monat die Gemeinde Uetze und die sächsische Kommune Frohburg: Vor 25 Jahren unterzeichneten beide Kommunen einen Partnerschaftsvertrag.

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Der historische Marktplatz von Uetzes Partnerkommune Frohburg.

Quelle: privat

Uetze. Dabei reichen die Kontakte zwischen Frohburg und Uetze bis in die 1950-er Jahre zurück. „Vor allem in den Kirchengemeinden gab es einen Austausch, indem sich beispielsweise Kinder besuchten“, sagt Uetzes Ortsbürgermeister Hartmut Schulte. Nach dem Mauerbau ruhten die Kontakte, ganz abgerissen seien sie aber dank privater Verbindungen nie.

Mit dem Fall der Mauer im November 1989 ergaben sich dann neue Möglichkeiten. So war Ende 1989 eine Jugendgruppe der Kirchengemeinde Frohburg zu Gast in der Uetzer Gemeinde. Als Geschenk bekamen sie eine Langspielplatte mit Uetzer Musik - die Platte fand großen Anklang bei Chor und Feuerwehrblasorchester in Frohburg. Die Folge: Sänger und Musikzug beider Kommunen trafen sich.

Vier Säulen tragen die Partnerschaft

In Uetze bemühte sich der damalige Ortsbürgermeiser Ernst Meyer um ein offizielles Siegel der Partnerschaft. In Frohburg war es vor allem Erika Lory. Die heute 68-Jährige war vor einem Vierteljahrhundert im Frohburger Rathaus verantwortlich für Kultur und Soziales. „Das war damals eine sehr, sehr große Herzlichkeit, und die spürt man bis heute.“ Schließlich beschränke sich der Austausch nicht auf die Verwaltungsebene, sondern werde längst zwischen Vereinen und Familien gepflegt.

Noch vor der Einheit auf Bundesebene wurde das Miteinander an der Basis paraphiert, am 7. September 1990. Zwei Jahrzehnte wurde dieser Bund durch ein großes Fest bekräftigt, erzählt Lory.

Aus Sicht von Schulte beruht die Partnerschaft auf vier wesentlichen Säulen: den Kirchengemeinden, den Feuerwehren, den Chören und den Kommunalpolitikern. Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch, seit Anfang an dabei, sieht in der Partnerschaft die Chance, miteinander zu sprechen und persönliche Erfahrungen zu sammeln. „Viel zu stark werden die Menschen heute von Medien und Vorurteilen geprägt, ohne dass man miteinander gesprochen und sich eine eigene Meinung gebildet hat“, sagt er.

Hiensch absolvierte in den ersten Tagen seiner Amtszeit eine einwöchige „Bildungsreise“ nach Uetze, im Gegenzug seien Vertreter des Uetzer Rings, aus Vereinen und der Kommunalpolitik nach Frohburg gekommen - auch um wichtige Ratschläge zu geben.

Während Uetze noch mit der ungarischen Gemeinde Balatongyörok eine Partnerschaft unterhält, verzichtet Frohburg auf weitere. „Es gibt immer wieder einmal Anfragen, insbesondere von Städten und Gemeinden aus osteuropäischen Ländern“, sagt Hiensch. Wenn aber die Frage gestellt werde, wer diese Partnerschaften tatsächlich mit Leben erfülle, bleibe das offen.

Neue Impulse könnten die Schulen geben

Auch Frohburg und Uetze dürften sich nicht ausruhen, sagt Erika Lory. „Viele von denen, die damals dabei waren, sind heute nicht mehr.“ Deshalb gelte es, vor allem junge Leute für die Partnerschaft zu gewinnen - etwa über die Schulen. Hiensch sieht für das zurückgehende Interesse gleich mehrere Gründe, vor allem aber betont er: Jüngere Menschen hätten heute oft keinen Bedarf mehr an Partnerschaften, weil sie gar keine Unterschiede oder Grenzen zwischen Ost und West und den Menschen sähen. „Man sucht eher den weltweiten oder medialen Erfahrungsaustausch, als vor der Tür miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Von Antje Bismark und Eckehard Schulreich

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