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Leader-Region verknüpft sich international

Uetze Leader-Region verknüpft sich international

Erstmals startet eine Leader-Region aus Niedersachsen ein internationales Projekt. Die Region Aller-Fuhse-Aue, zu der auch Uetze gehört, arbeitet bei "Time for inter-action" mit zwei Partnerregionen aus Österreich und Schweden zusammen. Verbindendes Thema soll die Integration von Flüchtlingen sein.

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Ulrich Schmotz (Kunstspirale Hänigsen, von links), Jörn Asael (Amt für regionale Landesentwicklung), Andrea Trumtrar-Timm (Samtgemeinde Flotwedel), Otto Munzel (Lokale Aktionsgruppe Aller-Fuhse-Aue), Simone Welzien (KESS Nienhagen), Werner Backeberg (Gemeinde Uetze), Siegfried Dierken (Amt für regionale Landesentwicklung), Gudrun Viehweg (Amtshof Eicklingen), Ursula Tesch (Gemeinde Uetze), Anne Wiechmann (Familienhaus Uetze), Claudia Ruhs und Karen Roloff (beide Landungsbrücke Uetze) haben das internationale Projekt vorgestellt.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Projektträger auf deutscher Seite ist die Gemeinde Uetze. Die Federführung hat aber die österreichische Region "Zeitkultur - Oststeirisches Kernland", von der im vorigen Jahr die Initiative zu dem Kooperationsprojekt ausgegangen ist. Sie hatte im vorigen Jahr bei mehreren Leader-Regionen in Europa nachgefragt, ob man nicht Erfahrungen mit der Flüchtlingsbetreuung austauschen könne. Im vorigen Sommer fand in Österreich ein Vorbereitungstreffen für die jetzige Zusammenarbeit statt.

Nach den Worten Gudrun Viehwegs, der Regionalmanagerin der Region Aller-Fuhse-Aue, haben dabei drei Schwerpunktthemen herausgebildet, die nun bei drei geplanten Begegnungen vertieft werden sollen. Das erste Thema ist die "bessere berufliche Orientierung und Integration von Jugendlichen in  den lokalen Arbeitsmarkt". Dabei soll es nicht nur darum gehen, dass junge Flüchtlinge einen Beruf erlernen. "Man muss versuchen, die Leute zu halten, damit sie nach der Ausbildung nicht in die Stadt ziehen", sagt Viehweg. Von entscheidender Bedeutung für die Integration in den lokalen Arbeitsmarkt seien kleine und mittlere Unternehmen.

Der zweite Hauptgedanke "Nutzung von Kultur und Kreativität als Elemente mit integrativer Wirkung" beruht laut Viehweg auf der Erfahrung ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, dass viele Flüchtlinge nach ihrer Ankunft nicht gewusst hätten, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten. "Da ist die Kunstsprirale ein wichtiger Partner", sagt Viehweg. Der Hänigser Verein kümmere sich um Flüchtlinge und mache sinnvolle Kreativangebote.

Beim dritten Thema "Unterstützung von Freiwilligen bei ihrer Arbeit mit Geflüchteten" ist die Region Aller-Fuhse-Aue nach Viehwegs Meinung "die Vorzeigeregion". In der Region Aller-Fuhse-Aue seien haupt- und ehrenamtliche Kräfte gut miteinander verzahnt. Sowohl in der österreichischen als auch in der schwedischen Partnerregion Västra Småland arbeite jeder weitgehend für sich.

Nach Ansicht des Uetzer Bürgermeisters Werner Backeberg ist das Thema Integration gerade jetzt wichtig. Inzwischen hätten Negativschlagzeilen über Flüchtlinge die Euphorie verdrängt, die geherrscht habe, als die Flüchtlingswelle eingesetzt habe. Die Hauptaufgabe, die Integration, stehe aber noch bevor. "Sie wird uns mindestens eine Dekade herausfordern", sagt Backeberg. Bei der Flüchtlingsbetreuung müssten die hauptamtlichen Mitarbeiter die Ehrenamtlichen unterstützen, "damit diese nicht ausbrennen".

Der Vorsitzende der Kunstspirale Ulrich Schmotz erhofft sich vom Kooperationsprojekt neuen Schwung für die Flüchtlingsbetreuung. Er hat beobachtet, dass die Bürokratie viele Ehrenamtliche auslauge. "Es belastet die Ehrenamtlichen, dass Asylanträge angelehnt werden", berichtet Claudia Ruhs, Vorsitzende der Uetzer Landungsbrücke. Nach Auffassung der Leiterin des Uetzer Familienhauses, Anne Wiechmann, erfährt die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer mit dem internationalen Erfahrungsaustausch eine Wertschätzung: "Das ist die Wertschätzung, die sie brauchen."

Uetze organisiert ersten Erfahrungsaustausch  

Uetze bereitet die erste der drei geplanten Begegnungen im Rahmen des internationalen Leader-Projekts vor. Diese dauert von Mittwoch bis Sonnabend, 17. bis 20. Mai. Dazu werden nach Angaben der Ersten Gemeinderätin Ursula Tesch rund 200 ehren- und hauptamtliche Flüchtlingsbetreuer einschließlich der Delegationen aus Österreich und Schweden eingeladen.

Nach der Anreise der Gäste aus Schweden und Österreich ist am 17. Mai eine Abendveranstaltung in Wienhausen geplant. Dort soll zum Beispiel der Geist von Gnosjö Thema sein. Gnosjö ist ein Ort in Västra Småland, in dem jeder zweite Einwohner einen Migrationshintergrund hat. Dort arbeiten viele Kleinbetriebe an Integrationsprojekten mit.

Der 18. Mai steht ganz im Zeichen der Ausbildung von  Integrationslotsen. Für den 19. Mai sind zwei Touren geplant. Ziele der ersten sind das Familienzentrum KESS in Nienhagen und die Kunstspirale in Hänigsen. Bei dieser Tour geht es unter anderem um kunsttherapeutische Ansätze zur Traumabewältigung bei Flüchtlingen. Bei der Zweiten stellt die Uetzer Landungsbrücke ihre Arbeit vor. Daran schließt sich ein Rundgang durch Uetze mit Start- und Endpunkt am Familienhaus an. Am 20. Mai reisen die Delegationen ab.

"Im Herbst fahren wir nach Schweden", kündigt Tesch an. Dort wird die berufliche Integration der Schwerpunkt sein. Die österreichischen Partner werden die Abschlusskonferenz im Herbst 2018 ausrichten.

Die Kosten für das Gemeinschaftsprojekt belaufen sich auf 330.000 Euro. Davon entfallen auf die Region Aller-Fuhse-Aue 65.000 Euro. Laut Siegfried Dierken vom Amt für Regionale Landesentwicklung erstattet die EU 80 Prozent der Kosten aus dem Leader-Förderprogramm.

Das sind die drei Regionen

Die Region Aller-Fuhse-Aue ist von der Fläche her mit 346 Quadratkilometern die kleinste der drei Partner im Projekt "Time for inter-action". Ihr gehören die Gemeinde Uetze, die Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen sowie der Celler Stadtteil Altencelle an. Sie hat insgesamt 52.800 Einwohner.

Nur 43.700 Menschen wohnen in der Region "Zeitkultur - Oststeirisches Kernland", obwohl sie aus 16 Mitgliedsgemeinden besteht. In den 16 Kommunen leben rund 400 Asylbewerber. Die 503 Quadratkilometer große Region liegt östlich der Stadt Graz. Dort wurden mehrere private und kommunale Initiativen ins Leben gerufen, um die Situation von Asylbewerbern zu verbessern. Geplant sind Berufsorientierungsmaßnahmen.

Västra Småland ist mit 85.000 Einwohnern und 3454 Quadratkilometern die größte der drei Regionen. Sie umfasst die Gemeinden Gislaves, Gnosjö  und Vaggeryd und Teile der am Vetternsee gelegenen Stadt Jönköping. Fast 20 Prozent der Bevölkerung sind nicht in Schweden geboren. In Gnosjö hat sogar jeder zweite Einwohner ausländische Wurzeln. Dort sind viele Kleinbetriebe an Integrationsprojekten beteiligt. 

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Von Redakteur Friedrich-Wilhelm Schiller

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