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Minister nimmt Fräulein vom Amt die Arbeit

Uetze Minister nimmt Fräulein vom Amt die Arbeit

Vor 50 Jahren hat Uetze Postgeschichte geschrieben: Der damalige Bundespostminister Richard Stücklen war am 29. April 1966 an die Fuhse gekommen, um die letzte Handvermittlungeinrichtung für Telefongespräche in der damaligen Bundesrepublik außer Dienst zu stellen.

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So sieht der Sonderstempel aus, den die Bundespost im Mai 1966 anlässlich der Aufhebung der Handvermittlung herausgegeben hatte.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Stücklen blieb es vorbehalten, das letzte handvermittelte Telefongespräch zu führen. Danach wurde im Uetzer Postamt der sogenannte Klappenschrank abgeschaltet, mit dem das Fräulein vom Amt per Hand die gewünschte Verbindung hergestellt hatte.

Im Uetzer Ortsnetz gab es damals rund 300 Telefonanschlüsse. Sechs Postbeamtinnen wechselten sich am Klappentisch ab, damit die Einwohner Uetzes und der Nachbardörfer Eltze, Dedenhausen und Katensen rund um die Uhr telefonieren konnten. Eine von ihnen war die inzwischen verstorbene Ruth Körner. 1999 berichtete sie  dem Anzeiger, dass sie und ihre Kolleginnen stets bestens informiert gewesen seien: "Wir wussten zum Beispiel immer, wo die beiden Uetzer Ärzte waren." So hätten sie bei schweren Unfällen am Kreuzkrug schnell ärztliche Hilfe herbeirufen können.

Körners Kollegin Ilse Wehler stand vor Jahren für einen Rundfunkbeitrag des NDR Rede und Antwort. Sie erzählte, dass eines Nachts ein fünfjähriger Junge in der Telefonzentrale angerufen und geweint habe: "Tante, Tante, ich bin ganz allein." Wehler habe gewusst, wo die Eltern zu Besuch gewesen seien und sofort mit ihnen Kontakt aufgenommen. "Dieter, deine Eltern kommen gleich", habe sie den weinenden Knirps beruhigt.

Die Verbreitung des Telefons mit Wählscheibe machte die Handvermittlung nach und nach überflüssig. Mit diesen Geräten konnte man direkt seinen Telefonpartner anwählen. Weil das 1966 in allen anderen Ortsnetzen möglich war, waren viele auswärtige Telefonkunden überrascht, wenn sich das "Amt Uetze" meldete.

Die Telekom gab es damals noch nicht. Die Bundespost war noch für das Fernmeldewesen zuständig. Daher schaltete Stücklen die Handvermittlungseinrichtung ab.

Die Bundespost gab anlässlich der Aufhebung der letzten Handvermittlung im Mai 1966 einen Sonderstempel heraus. Wegen des Stempels fragten nicht nur  Philatelisten aus der Bundesrepublik im Uetzer Postamt nach.

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