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Zuckerrüben als Bakterienfutter

Uetze/Lehrte/Sehnde Zuckerrüben als Bakterienfutter

Nicht nur Menschen mögen Zucker, auch die Bakterien der Biogasanlagen stehen offenbar auf Süßes. Für die mikroskoptisch kleinen Gasproduzenten haben Landwirte im Osten der Region Hannover auf ihren Äckern Zuckerrüben angebaut.

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Rüben für die Biogasanlage in Mehrum.

Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Uetze. Heute werden die letzten Rüben, die seit Wochen an den Feldrändern lagern, zur Biogasanlage nach Mehrum gebracht. „Mit den Zuckerrüben decken wir 25 bis 30 Prozent unseres Rohstoffbedarfs für die Biogasproduktion“, sagt der Mehrumer Betriebsleiter Jens Reimann. Für die Landwirte sind die Lieferverträge mit dem Mehrumer Energiebetrieb eine interessante Alternative zum traditionellen Zuckerrübenanbau für die Werke der Nordzucker AG, vor allem angesichts des aktuellen Überangebots an Zucker auf dem Weltmarkt. Heute werden die letzten Rübenmieten von Landwirten aus den Bereichen Uetze, Lehrte und Sehnde auf die Transporter Richtung Mehrum verladen, darunter auch die von Stefan Dralle aus Schwüblingsen. Er baut für die Biogasanlage Zuckerrüben an, „weil diese einfach besser in unsere Fruchtfolge mit dem hohen Kartoffelanteil passen als der Mais“, sagt er. Zudem wachse die Rübe bei Weitem nicht so hoch, sodass der Blick in die Landschaft frei bleibe. Holger Hennies, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Hannover, nennt einen weiteren Vorteil der Energiegewinnung aus Rüben: „Die Betriebe in unserer Gegend können ihre vorhandene technische Ausstattung nutzen.“

Die Bauern schließen Lieferverträge für zwei bis fünf Jahre ab und erhalten einen garantierten Mindestpreis. Der Preisaufschlag orientiert sich laut Dralle am Heizölindex. Je höher dessen Preis, desto mehr erhalten die Landwirte für ihre Energierüben. „Und wir bekommen das Gärsubstrat der Biogasanlage zum Düngen der Äcker.“

55.000 Tonnen Rohstoffbedarf

Auf 1000 Hektar – in den Gemarkungen Uetzes, Lehrtes, Sehndes und Peines – wächst der Rohstoff für die Mehrumer Biogasanlage, die eine Leistung von 3,4 Megawatt hat. Das von den Bakterien produzierte Methan wird sowohl direkt ins öffentliche Gasnetz eingespeist als auch zur Stromerzeugung genutzt. „Auf unserem Hof lagern 55?000 Tonnen Rohstoff für die Bakterien“, sagt Betriebsleiter Jens Reimann. „60 Prozent davon sind Mais, 25 bis 30 Prozent Zuckerrüben und der Rest Grünroggen, Gras und Kartoffeln.“ Die Anlage ist im August 2013 im Gewerbegebiet Ackerköpfe nahe der Grenze Hämelerwalds in Betrieb gegangen. Die Insolvenz der Muttergesellschaft AC Biogas aus Münster, die derzeit abgewickelt wird, hat dazu geführt, dass der Mehrumer Betrieb jetzt verkauft wurde – und zwar rückwirkend zum 1. November an die Baywa renewable energy in Nürnberg, einer Tochtergesellschaft der Baywa AG, dem größten Agrarkonzern Deutschlands.

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