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Eine Mini-Welt mit Liebe zum Detail

Wedemark Eine Mini-Welt mit Liebe zum Detail

Der Pariser Eiffelturm, das Washingtoner Capitol, das Schloss Neuschwanstein und auch der Wasserturm in Lehrte - diese und viele weitere markante Gebäude aus Nah und Fern hat der Abbenser Albert Diekmann als Modelle in seinem Vorgarten nachgebaut. Die Mini-Welt, gestaltet mit viel Liebe zum Detail, entstand nach einer Initialzündung.

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In seiner Garage hat der Abbenser alles, was er für Bau und Reparatur seiner Mini-Gebäude braucht.

Quelle: Roman Rose

Abbensen. Es ist im Jahr 1998, als Albert Diekmann, ehemals Eisenbahner mit Schreibtischjob, ein Haus-Modell für den Garten geschenkt bekommt. So etwas hatte er noch nie. Bald meint er, das Dach könnte vielleicht kleine Ziegel statt Pappe vertragen, schaut sich die ganze Konstruktion genauer an und findet Gefallen an solcher Arbeit. 1999 entsteht als erstes eigenes Stück eine Standuhr. Sie steht heute etwas versteckt auf dem Grundstück.

Für jedermann sichtbar auch im Vorbeifahren sind seine Prachtstücke aus den Folgejahren im Vorgarten an der Alten Zollstraße. Seine Technik: Aus Estrichbeton gießt er etwa drei Zentimeter dicke Platten in selbst berechnete und hergestellte Holzformen. Alle Platten sind mit Draht- oder Stahlmatten armiert, „sonst hält es nicht“, sagt er. Wenn alle nach sechs bis acht Wochen trocken sind, fügt er sie zum Gebäude zusammen, baut Fenster ein und Dächer drauf. 14 Modelle hat er in all den Jahren hergestellt.

Die Vorlagen beschafft er sich auf unterschiedliche Weise. Mal lädt er sich ein Foto aus dem Internet, mal eine Zeichnung oder einen Plan, mal besorgt er sich 3-D-Puzzles oder nimmt ein eigenes Urlaubsfoto. Für die Abbenser Johannes-Kapelle musste er sich nur umdrehen. Das Original steht gegenüber. Und weil es immer möglichst originalgetreu sein soll, rüstet er sein Kapellen-Modell nach, als das Original Dachrinnen bekommt.

Seine anstrengendste Recherche unternahm er 2012 für Schloss Neuschwanstein - er fuhr hin und machte eine Führung mit. „Ich habe die ganze Besichtigungstour - Treppe rauf, Treppe runter - eigentlich nur über mich ergehen lassen, um hinterher den Bausatz aus Pappe vom Kiosk mitzunehmen“, erzählt er und schmunzelt. Der Bausatz hat immerhin 90 Teile. Jedes einzelne maß er aus, rechnete die Daten um, sodass ein maximal 1,80 Meter hohes Modell dabei herauskam. Dieses Maß hat er sich selbst verordnet. „Ich wollte immer ohne Leiter und Kraxelei bauen können und überall gut herankommen“, sagt er.

Seine aufwändigste Arbeit war das US-Capitol. „Das hat sehr viele Fenster. Für mein Modell habe ich alle einzeln aus den Starthölzern von Silvesterraketen gebastelt“, berichtet er. Um die Öffnungen beim Gießen freizuhalten, verwendete er Platzhalter aus Styropor. „Ich hatte früher mal Holz genommen, doch das hat mir immer den Beton gesprengt“, erinnert er sich an Rückschläge und Erfahrungen.

Viele Gebäude hat er mit Kieselsteinen verziert, die er in den nassen Beton drückt. Oft sammelte er sie in der Wedemark, manche auch im Urlaub. „Wo bei der Hinfahrt der Proviant war, waren auf der Rückfahrt Steine“, erzählt er mit einem Lächeln. Von Fuerteventura brachte er zahlreiche Mondmuscheln mit. „Da haben mir die Ameisen geholfen, die sauberzukriegen, sonst hätte es wohl beim Transport fürchterlich gerochen.“ Beleuchten kann er seine Modelle auch, schaltet das Licht aber nur zwischen Totensonntag und Heilige Drei Könige ein.

Den mannshohen Eiffelturm baute er sogar zweimal - weil der Beton des ersten schon bröselig wurde. Damit es nicht so auffällt, das der Hauptanteil Beton statt Stahl ist, flexte er geduldig in Handarbeit aus mehr als 100 laufenden Metern Stahlstangen kleine Stücke zurecht, die er gitterförmig aufklebte. „Es soll halt realistisch aussehen“, sagt er.

Dieses Werk war 2014 auch sein letztes. „Ich bin jetzt 73 Jahre alt, das schwere Material schlaucht auch einfach,“ sagt er. Von nun an beschränkt er sich aufs Renovieren und Reparieren, und wird wohl immer noch genug zu tun haben. „Hier“, sagt er, geht zu einem der Modelle und zeigt auf die Dachziegel, „hier blättert schon die Farbe ab, das bringe ich dieses Jahr wieder auf Vordermann.“

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