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Frau fährt mit Urteil besser

Wedemark/Burgwedel Frau fährt mit Urteil besser

Nach einem Zuckerschock hat eine Garbsenerin am Steuer ihres Wagens andere Autofahrer gefährdet. Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte sie wegen fahrlässiger
 Straßenverkehrsgefährdung. Doch damit fährt die Frau wohl letztlich besser, als dies bei einem Freispruch der Fall gewesen wäre.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat eine Frau jetzt wegen Straßenverkehrsgefährdung verurteilt. Die Garbsenerin hatte am Steuer einen Zuckerschock erlitten und andere Autofahrer gefährdet.

Quelle: Symbolbild: Martin Lauber

Wedemark/Burgwedel. Hatte die 58-Jährige an jenem Tag Mitte März auffällige Symptome ihrer Zuckerkrankheit erkannt? Hatte sie die Warnzeichen ignoriert, obwohl sie ihren Wagen doch sofort hätte abstellen müssen? Mit diesen Fragen musste sich jetzt das Amtsgericht Burgwedel befassen.

Die Garbsenerin, ehemalige Lehrerin und zuvor im Straßenverkehr nie negativ aufgefallen, hatte zwischen Elze und Mellendorf infolge eines Zuckerschocks die Kontrolle verloren. Sie geriet auf der L 190 mehrfach auf die Gegenfahrbahn und zwang andere Autos zum Ausweichen auf den Grünstreifen. Ein Mann, der hinter ihr herfuhr und Autofahrer mit Warnblinker und Lichthupe warnte, schilderte als Zeuge, wie knapp mancher einem Unfall entgangen war. "Ich dachte, die Fahrerin sei betrunken.“

Doch es war keineswegs Alkohol, der die Frau in ihrer Steuerungsfähigkeit beeinträchtigte. Seit ihrem zwölften Lebensjahr leide sie unter Diabetes, sagte sie aus. Die Auswirkungen habe sie für gewöhnlich gut im Griff. Sie teste ihren Blutzucker, spritze Insulin, esse je nach Ergebnis – "das funktioniert immer“. An jenem Tag habe sie einen perfekten Wert für eine Autofahrt gehabt. Doch irgendwann setzte die Erinnerung aus. "Ich weiß erst wieder, dass ein Polizist in meiner halb geöffneten Autotür stand“, sagte die Frau aus.

Doch wie konnte es so weit kommen? Der Strafbefehl lautete auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung, wogegen die 58-Jährige Einspruch eingelegt hatte – deshalb die Gerichtsverhandlung. Die Verteidigungsstrategie zielte darauf ab, dass es keinerlei Vorzeichen für den Zuckerschock gegeben habe. "Dann könnte man Ihnen strafrechtlich keinen Vorwurf machen“, meinte Amtsrichter Michael Siebrecht. Doch die Strategie sei gefährlich: Bei jemandem, der trotz aller Vorbereitung plötzlich einen Zuckerschock erleide, sei davon auszugehen, dass die Führerscheinstelle ihm die Fahrerlaubnis entziehe und er lange keine neue erhalte, da er als Autofahrer eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. "Das wäre die normale Konsequenz. Denn sonst müsste sich jemand verantworten, wenn so etwas wieder passiert.“

Minutenlang ließ sich die Angeklagte die juristischen Feinheiten erklären, besprach sich lange mit ihrem Anwalt – und ging letztlich über die "goldene Brücke“, die ihr der Richter gebaut hatte: Sie habe wohl doch leichte Anzeichen für den Zuckerschock bemerkt. Für die fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung muss die Frau nun 1200 Euro Geldstrafe zahlen und noch sechs Monate auf ihren Führerschein verzichten – nur halb so lange, wie dies im Strafbefehl angekündigt war, und ohne, dass sie noch einmal zur Fahrschule muss.

"Beim kleinsten Anzeichen der Unterzuckerung muss man an die Seite fahren. In der konkreten Situation haben Sie einfach eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte Siebrecht.

Von Frank Walter

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