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Vermietern beleidigt – 900 Euro Strafe

Wedemark Vermietern beleidigt – 900 Euro Strafe

Aussage gegen Aussage heißt es nicht immer, wenn zwei sich streiten. Erst recht nicht, wenn die Zeugen Fotos von blauen Flecken in den Gerichtssaal mitbringen und ein Polizist aus Sorge den Rettungswagen ruft. Wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung muss eine Wedemärkerin daher jetzt 900 Euro Strafe zahlen.

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Richter verurteilt rabiate Mieterin.

Quelle: Symbolbild

Wedemark. Eines blieb im Amtsgericht Burgwedel von Anfang an unstrittig: An dem Mai-Nachmittag war es definitiv zu einer unschönen Begegnung zwischen der angeklagten 32-Jährigen und ihrer Vermieterin gekommen. Beide sind seit langer Zeit zerstritten. Während die eine versucht, die andere aus der Wohnung zu klagen, ist diese bisher vergebens auf der Suche nach einer neuen Unterkunft.

Aber was war im Mai wirklich geschehen? Hatte die Angeklagte ihre Vermieterin so grob am Oberarm gepackt, dass diese Blutergüsse davontrug? Hatte sie ihr Opfer wirklich übel beschimpft und mit den Worten "Ich steche dich ab" vor dem Haus bedroht? Oder war es so, wie die Angeklagte aussagte, dass sie selbst provoziert worden war und ihre Vermieterin nur mit etwas Nachdruck bei Seite geschoben hatte, um endlich ihre Ruhe zu haben?

Während der Verteidiger den Vorfall bis zum Schluss als ungeklärt ansah und einen Freispruch forderte, da es keine Zeugen für die Taten gibt, forderte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung: "Der eine sagt das, der andere das. Man muss in so einem Fall überlegen, wem man glaubt. Und ich glaube der Zeugin."

Das tat auch Amtsrichter Michael Siebrecht – zumal der Polizist, der damals hinzugerufen worden war, den nervlichen Zusammenbruch der Vermieterin nach dem Vorfall bestätigte. "Wir haben aus Sorge um sie sogar einen Rettungswagen gerufen", sagte der 42-Jährige im Zeugenstand aus. Für ihn gab es keinerlei Verdachtspunkte, dass die 56-Jährige sich den Vorfall ausgedacht hatte. Zudem lagen dem Gericht Beweisfotos von der Verletzung der Vermieterin vor.

"So ein Verhalten wäre für sie auch nicht wesensuntypisch", erklärte der Richter mit Blick auf bereits ergangene Urteile gegen die Angeklagte wegen Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung. Derweil spreche auch für die Ehrlichkeit der Zeugin, dass die Wedemärkerin versucht hatte, ihre ungeliebte Mieterin per Eigenbedarfskündigung aus der Wohnung zu bekommen. Das Zivilverfahren war jedoch gescheitert. "Wenn sie sich diesen Vorfall ausgedacht hätte, um Sie aus der Wohnung zu bekommen", betonte Siebrecht in Richtung Anklagter, "dann wäre es ja wohl auch geschickt gewesen, aus diesem Grund das Mietverhältnis zu kündigen."

Am Ende des Prozesses stand eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 10 Euro. Von der Harmonie-Bedürftigkeit und dem Wunsch nach Frieden, die die Angeklagte zuvor im Prozess als ihre Charakterzüge mehrfach beschworen hatte, war bei der Urteilsverkündung dann auch nichts mehr zu spüren.

Von Carina Bahl

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