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Angestellter ergaunert 7000 Euro Provision

Wedemark/Burgwedel Angestellter ergaunert 7000 Euro Provision

Neunmal hat ein 44-Jähriger in seiner Anstellung bei einer Wedemärker Firma Verträge manipuliert und sich so fast 7000 Euro Provision erschlichen. Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte ihn dafür am Donnerstag zu einem Jahr Freiheitsstrafe.

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Der Fall wurde im Amtsgericht Großburgwedel verhandelt.

Quelle: Martin Lauber

Wedemark. Wenn der betrogene Chef dank eines umfassenden Geständnisses nicht mehr aussagen muss und sich von seinem Ex-Mitarbeiter im Gerichtssaal mit einem ehrlich gemeinten „Alles Gute“ verabschiedet, obwohl dieser noch nicht einen Cent zurückgezahlt hat, hinterlässt das fragende Blicke beim Richter und der Staatsanwaltschaft. „Das spricht ja eher für ein gutes Arbeitsverhältnis“, betonte Letzterer. „Wie kam es denn dann überhaupt dazu?“

Finanzielle Sorgen, eine arbeitslose Ehefrau, die mit drei Fehlgeburten zu kämpfen hatte, und persönliche Bürgschaften, die dringend zu begleichen waren - all das zählte der Angeklagte auf. Von 2012 bis 2014 hatte er im Außendienst seinem Chef in der Wedemark gleich neun angeblich abgeschlossene Werbeverträge vorgelegt - um eine Provision von knapp 7000 Euro zu kassieren. Um alles möglichst echt aussehen zu lassen, hatte er Firmenstempel und Unterschriften aus alten Verträgen kopiert und die Urkunden verfälscht.

„Es tut mir leid. Ich wusste mir nicht anders zu helfen. Natürlich hätte mir klar sein können, dass das alles auffliegt“, betonte der Angeklagte. Inzwischen habe er einen neuen Job gefunden und werde die Provisionen zurückzahlen - und das, obwohl der Chef bereits angekündigt hatte, nicht zivilrechtlich Schadensansprüche geltend zu machen.

„Sie machen hier wirklich einen sehr vernünftigen Eindruck und haben alle Pluspunkte mitgenommen“, bescheinigte Amtsrichter Michael Siebrecht dem Angeklagten. Aber der Blick in dessen Vorstrafenregister machte auch etwas anderes deutlich: Seit 2005 ist der Mann immer mal wieder wegen Betrugs und Urkundenfälschung aufgefallen. Der Prozess am Donnerstag war für ihn allerdings eine Premiere - zuvor hatte es stets einen Strafbefehl mit Geldbußen gegeben. „Das ist kein Geheimnis, dass heute nur noch eine Freiheitsstrafe in Betracht kommt“, sagte Siebrecht.

Der Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren pro Tat bei gewerblichem Betrug hatte den Angeklagten schon vorab schockiert. „Das wird garantiert heilende Wirkung auf mich haben“, versprach der 44-Jährige.

Mit nur einem Jahr auf Bewährung fiel das Urteil letztlich auch noch sehr milde aus. „Damit es aber kein gefühlter Freispruch wird, werden Sie als Auflage 3600 Euro an die Kindernothilfe zahlen“, fügte der Richter hinzu. „Es muss einfach auch wehtun.“

Von Carina Bahl

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