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Hund stirbt in Flammen: Opfer loben Einsatz der Feuerwehr

Wedemark Hund stirbt in Flammen: Opfer loben Einsatz der Feuerwehr

Nach dem Brand eines Einfamilienhauses in Bissendorf-Wietze müssen die Eigentümer die Ruine abreißen lassen. Sie zeigen kein Verständnis für die Kritik am Einsatz der Feuerwehr. Wer meckert, „hat keine Ahnung, was hier los war.“ Ein Hund war in den Flammen gestorben.

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Das ausgebrannte Haus muss abgerissen werden - der Schaden liegt bei mindestens 400.000 Euro.

Quelle: Antje Bismark

Bissendorf-Wietze.  Auch drei Tage  nach dem verheerenden Feuer hängt beißender Brandgeruch über dem Haus am Moosweg 2 – wobei von einem Haus kaum noch zu sprechen ist: Das Dachgeschoss ist ausgebrannt, die Decke eingestürzt, Türen sind geschmolzen, Fenster geborsten. Auf mindestens 400.000 Euro schätzen Brandermittler der Polizei den Schaden, angesichts der massiven Zerstörung können sie die Ursache des Feuers nicht mehr feststellen.

War Kabelbrand der Auslöser?

„Es gibt eine Vermutung, dass ein Kabelbrand im Obergeschoss den Brand ausgelöst haben könnte“, sagt Bastian Westmann. Er steht an diesem Mittwoch im Garten seines einstigen Hauses, das er sich mit seiner Verlobten Laureen Rehse seit September umgebaut hatte. „In vier Wochen haben wir mit Freunden und Kollegen das Haus kernsaniert“, sagt er. Neue Böden, Tapeten, Küche, Möbel – das Paar hat sich das Haus nach seinen Vorstellungen eingerichtet. Am vergangenen Freitag kamen dann als letztes Detail die Gardinen, selbst genäht, an die Fenster, am Sonntag wollten beide den Weihnachtsbaum aufstellen und den ersten Advent genießen. „Wir waren so froh, dass wir nichts mehr im Haus machen mussten“, sagt der Bissendorf-Wietzer.

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Ein Einfamilienhaus in Wedemark-Bissendorf ist in Flammen aufgegangen. Ein Hund starb bei dem Feuer.

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Aber dann kam der verhängnisvolle Sonnabend. Westmann und Rehse besuchten abends Verwandte in Isernhagen, der ausgebildete Labrador Charlie blieb zu Hause. „Wir hatten keinen Handyempfang und überhaupt keine Ahnung, was dort los war“, erinnert sich Westmann. Dort – auf ihrem Grundstück – bemerkte eine Nachbarin gegen 22 Uhr den Brand, weil ihr Hund dauerhaft anschlug. Sie alarmierte die Feuerwehr, deren erste Einsatzkräfte nur sieben Minuten später eintrafen. Zu dem Zeitpunkt schlugen bereits erste Flammen aus der Tür, die Retter konnten wegen der Einsturzgefahr nur von außen gegen das Feuer vorgehen. 

Suche nach dem Hund

Westmann und Rehse hatten zwischenzeitlich eine Nachricht vom Schwiegervater erhalten, innerhalb von wenigen Minuten rasten sie nach Bissendorf-Wietze. „Wenn jemand sagt, dass das Haus brennt, dann denkt man an eine Küche, aber nicht an solch einen Brand“, sagt Westmann. Als das Paar eintraf, bekämpften die Feuerwehrleute bereits die Flammen von der Drehleiter aus. Andere suchten die zum Teil zugewucherten Hydranten, wieder andere holten weitere Schläuche aus Burgdorf. Eines aber einte Feuerwehrleute, Nachbarn und Angehörige: „Jeder wusste, dass der Hund im Haus ist, und jeder wollte ihn retten“, sagt Westmann und fügt hinzu, das drei Jahre alte Tier sei wie ein Familienmitglied gewesen. Aber das sei wegen des Feuers einfach nicht gelungen.

Umso mehr ärgern den jungen Mann jene Kommentare, die sich am nächsten Tag in den sozialen Medien fanden: „Wer immer behauptet,  für die Rettung von Charlie sei nicht genug getan worden, hat keine Ahnung, was hier los war“, sagt er. Erst am nächsten Tag sei der tote Hund im Hauswirtschaftsraum gefunden worden, gestorben an einer Rauchgasvergiftung. Bei allem Schock über den Verlust aller Gegenstände steht für Westmann fest: „Wir lassen unseren Hund in Zukunft nicht mehr allein zu Hause.“

Nur Helfer, keine Gaffer

Denn Westmann und Rehse, ausgebildete Jäger, warten seit drei Wochen auf den zweiten Hund und sind zutiefst dankbar, dass das Tier nicht wie geplant in der vergangenen Woche kam. Die Dankbarkeit richtet sich aber vor allem an die Feuerwehr und Nachbarn: „Wer in der Nacht auf der Straße war, wollte helfen und nicht gaffen“, betont Westmann. Und die freiwilligen Retter hätten einen grandiosen Job gemacht: „Die Jungs standen auf der Kanzel der Drehleiter  über den Flammen und haben gelöscht, sich abgewechselt, weiter gelöscht, das war wie ein sehr gut koordinierter Ameisenhaufen“, erinnert er sich.

Dass Unbeteiligte die Retter später kritisiert hätten, ärgert ihn: „Wer keine Ahnung hat, sollte sich seine dummen Kommentare verkneifen.“ Mehr noch: Etliche hätten wegen eines Spendenkontos angefragt, aber das werde die Familie nicht einrichten. „Wir freuen uns aber, wenn Menschen die Feuerwehr unterstützen, zum Beispiel mit einer Jahresmitgliedschaft oder einer Spende“, sagt Westmann.

Glück mit Versicherung

Neben dem öffentlichen Dank an die Helfer treibt ihn noch die Mahnung um, dass jeder Haus- und Wohnungsbesitzer seine Versicherung prüfen sollte. „Zum Glück haben wir unser Haus gut versichert gehabt“, sagt er. Wegen des Besitzerwechsels gebe es derzeit noch eine bestehende Gebäudeversicherung, die Hausratversicherung habe auch schon Kontakt aufgenommen. Gleichwohl bleibe der Verlust aller Sachen: „Ich hatte an dem Tag nur mein Handy dabei.“ Am Ende besaß Westmann nur eine Hose, Jacke, Pullover und die Unterwäsche, die er getragen hatte. „Da bekommt man eine Vorstellung, was es heißt, nichts zu besitzen.“ 

Die Basics, wie Westmann die Kleidung und Drogerieartikel bezeichnet, hat das Paar nachgekauft. Über Fragen wie neue Wohnung oder Hausbaupläne denkt es noch nicht nach. „Wir sind total ausgebrannt“, sagt Westmann und meint damit nicht nur das Zuhause.

Von Antje Bismark

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