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Baldiger Abschied von „bester Stelle der Welt“

Bissendorf Baldiger Abschied von „bester Stelle der Welt“

Volkmar Biesalski ist seit gut 32 Jahren Pastor der evangelischen Kirchengemeinde St. Michaelis. Jetzt geht er in den Ruhestand. Eine Trauung am 13. September wird seine letzte Amtshandlung.

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Pastor Volkmar Biesalski verlässt seine Gemeinde und damit auch Bissendorf im September.

Quelle: privat

Wedemark. Das Läuten vom Kirchturm fehlt ihm, seit er nicht mehr im Bissendorfer Pfarrhaus wohnt: „Mehr als 30 Jahre lang hat es meinen Tagesablauf strukturiert“, sagt Volkmar Biesalski. Seit gut 32 Jahren ist er Pastor der evangelischen Kirchengemeinde St. Michaelis in Bissendorf; zum 30. September geht er in den Ruhestand.

Schon im Februar ist er mit seiner Frau nach Bennemühlen gezogen, hat seither die „Reiseflughöhe“ verlassen, wie er sagt - eine Entscheidung, die ganz ambivalente Gefühle in ihm auslöst.

„Hier in Bissendorf sind meine Kinder groß geworden, und dieses Pfarrhaus mit seinen Wiesen war immer ein großes Stück Zuhause für mich“, erzählt Volkmar Biesalski. Auf der Wiese hinter dem Haus hat er einige Jahre Schafe, Gänse und Hühner gehalten, vor dem Haus einen „Lokschuppen“ gezimmert und sich mit Modelleisenbahnen beschäftigt, in Haus und Garten Sommerfeste mit Mitarbeitern gefeiert und gemeinsam mit seiner Frau ein offenes Pfarrhaus geführt.

Dass dies alles mit dem Umzug nach Bennemühlen ein Stück von ihm weggerückt ist, muss er wohl noch verarbeiten. Gleichzeitig genießt er die Freude, ein Haus neu einzurichten und im Garten zu arbeiten. Dass er Bissendorf spätestens mit Beginn des Ruhestandes verlassen würde, stand für ihn immer fest: „Es wäre für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger und die Kirchengemeinde nicht gut, wenn ich dort weiterhin unterwegs wäre.“

Ein gesundheitlicher Warnschuss, den er vor wenigen Jahren einstecken musste, hat Biesalski darin bestärkt, trotz finanzieller Einschränkungen den frühest möglichen Ausstieg aus dem Arbeitsleben zu wählen: Bei seinem Eintritt in den Ruhestand ist er erst 60 Jahre alt. „Ich wollte immer selbst entscheiden, wann ich gehe“, sagt er. Immer mal wieder habe er in den vergangenen Jahren auch nach rechts und links geschaut, dabei aber nie eine andere Aufgabe entdeckt, die ihn verlockt hätte, Bissendorf und damit die „beste Pfarrstelle der Welt“ zu verlassen.

Helfen wird ihm wohl, dass er es sich in den vergangenen Jahrzehnten angewöhnt hat, immer wieder Impulse von außen aufzunehmen, sich auf einen Tapetenwechsel einzulassen. So beschäftigte er sich seit Mitte der Achtzigerjahre intensiv mit kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit, beackerte die Themenfelder Erwachsenenbildung und Kulturarbeit und setzte sich dafür ein, Kirche als einladenden Ort mitten im Dorf erkennbar zu machen.

Kunst und Kirche - auch unter dieser Überschrift hat Biesalski seiner Gemeinde viele Impulse gegeben. „Da haben wir ein ganz schön großes Rad gedreht“, sagt er und denkt dabei an den Ankauf verschiedener Skulpturen und hochkarätige Kunstausstellungen. Möglich war das, weil Kirchenvorstand und Gemeindemitglieder immer mitzogen; so auch etwa in der Mitte seiner Amtszeit beim Bau des Gemeindehauses.

Als Biesalski sein Amt in Bissendorf im Jahr 1983 antrat, war er der jüngste Pastor im Kirchenkreis. Die Rede, die der damalige Kirchenvorstandsvorsitzende zu seiner Begrüßung hielt, hat er aufbewahrt - und wundert sich, dass diese Rede tatsächlich vor schon 32 Jahren gehalten wurde: „Die Jahre waren so intensiv, ich hab’ sie einfach aufgesogen.“

Trauung wird der letzte Akt

Am 13. September wird Volkmar Biesalski in der Bissendorfer Michaeliskirche von seinen Aufgaben entpflichtet. Einen Tag zuvor wird er seine letzte Amtshandlung vornehmen: eine Trauung in einer Familie, die er seit fünf Generationen begleitet. Die Lebensgeschichten, die er dabei erfahren hat, bewahrt er auf – im Gedächtnis und in Papierform: „Ich habe noch nie eine Trauerrede weggeworfen“, sagt er. Auch Taufen und Trauungen waren ihm in all seinen Berufsjahren ein großes Anliegen: „Es war immer mein Wunsch, Menschen für das Glück zu sensibilisieren: einander zu lieben oder für ein Kind sorgen zu dürfen.“

Roman Rose

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