Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Chef haftet mit für Todessturz

Burgwedel/Wennebostel Chef haftet mit für Todessturz

Für den Tod eines 24-jährigen Bauarbeiters in der Wedemark war in allererster Linie der Mann selbst verantwortlich. Das Strafverfahren gegen den Geschäftsführer der Baufirma wurde jetzt gegen eine Zahlung von 1500 Euro eingestellt.

Voriger Artikel
Viele machen es Einbrechern leicht
Nächster Artikel
Vernässung beginnt - Projektleiterin berichtet

Amtsgericht in Burgwedel.

Quelle: Symbolbild

Wedemark. Welche Verantwortung trägt ein Firmenchef auf einer Baustelle? Dies war die zentrale Frage, die es jetzt vor dem Amtsgericht Burgwedel zu klären galt. Die Staatsanwaltschaft hatte den 31-jährigen Geschäftsführer aus den Niederlanden wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt.

Ein 24 Jahre alter Maurer war im April 2014 auf einer Baustelle bei der Firma Sennheiser mit Klinker-Arbeiten beschäftigt gewesen, als er vom Baugerüst rund fünf Meter in die Tiefe stürzte. Dort prallte der Niederländer mit dem Kopf auf den Betonboden. Der Schwerverletzte wurde reanimiert, starb aber knapp zwei Wochen später im Krankenhaus.

Wie sich jetzt vor Gericht herausstellte, hatte der Arbeiter das Gerüst vor dem Unfall umgebaut, um wieder die richtige Arbeitshöhe zu bekommen. Dabei hatte er es offenbar versäumt, eine Planke richtig aufzulegen und zu sichern.

Der angeklagte Geschäftsführer war sich keiner Schuld bewusst. In den Niederlanden würden alle Bauarbeiter in wochenlangen Kursen in Sicherheitsfragen geschult und arbeiteten dann eigenverantwortlich. „Ich konnte da nix für, nur der Junge selbst.“ Nahegegangen war ihm der Unfall aber sehr wohl: Er habe monatelang nicht richtig geschlafen, sagte der 31-Jährige aus. Er war dem Schwerverletzten direkt nach dem Sturz zuhilfe geeilt - „ich werde nie vergessen, was ich da gesehen habe.“

Ganz wollten Staatsanwaltschaft und Gericht den Firmenchef aber nicht aus der Verantwortung lassen. Immerhin ist laut deutschem Recht schriftlich eine „befähigte Person“ zu benennen, die zusätzlich zu den Arbeitern die Sicherheit auf Baustellen kontrolliert. Das war in Wennebostel unterblieben. Auch lastete Amtsrichter Michael Siebrecht dem Angeklagten an, dass er nicht darauf gedrungen hatte, dass die Gerüstbauer eine weitere Ebene als Sicherung einzogen. Dies war erst nach dem Unfall passiert. Die zweite Konsole hätte den Sturz abgemildert, sagte ein Mitarbeiter der Bau-Berufsgenossenschaft als Zeuge aus. Er hatte damals die Unfallursache untersucht. „Auch ohne den Unfall hätte ich das Gerüst stillgelegt.“

„Es war für Sie erkennbar, dass die Sturzhöhe nicht so groß hätte sein dürfen“, sagte der Richter zur Begründung, warum er das Verfahren nur gegen eine Zahlung an die Kindernothilfe einstellte. Die Einstellung unter Geldauflage sei „eine Lösung, mit der alle leben können - außer der Verstorbene“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Von Redakteur Frank Winternheimer

doc6sixu68nzkh1ei2oqj15
Heißausbildung über viele kalte Stunden

Fotostrecke Wedemark: Heißausbildung über viele kalte Stunden