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Eine Bissendorferin ebnet die Wege zur Kunst

Wedemark Eine Bissendorferin ebnet die Wege zur Kunst

Gemeinsam mit professionellen Künstlern vor Ort lädt die Region Hannover im 16. Jahr zum Atelierspaziergang ein. Kunstschaffende öffnen ihre Ateliers am 14. und 21. Mai für Neugierige. Christine Engelmann aus Bissendorf organisiert das Kunst-Ereignis seit zwölf Jahren.

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Christine Engelmann aus Bissendorf organisiert seit zwölf Jahren im Team Kultur der Region Hannover den Atelierspaziergang.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Die Mitarbeiterin ist im Team Kultur der Region zuständig für die Bildende Kunst, und sie kümmert sich um den Dauerbrenner Atelierspaziergang seit 2005. Einige Tausend Euro Kosten kommen schon zusammen, wenn die Kunsthistorikerin loslegt. Sie sucht die Künstler auf, die sich bewerben, stellt die Programmhefte zusammen und bringt alles unter einen künstlerisch sinnvollen Hut. Seit über 20 Jahren lebt die 63-Jährige in Bissendorf in der Wedemark.

„Wir setzen eine inhaltliche Klammer“, beschreibt Engelmann, was in der Konzeptfindung immer vorausgeht. „Wildheit – Zähmung“ hieß die Klammer 2016. Die diesjährige Klammer „Das Wesen des Glücks“ spiele als Thema eine große Rolle für alle Menschen, lasse aber auch an die Hoffnungen von Flüchtlingen denken.

Passend zum Glück, das ausgeschüttet wird oder sich wandelt, findet die Organisatorin besonders das Füllhorn des Wedemärker Bildhauers Jürgen Friede sehr beeindruckend. Die mächtige, liegende Skulptur aus Polyester, Kupferblech und schwarzem Granit wird im Schloss Landestrost ausgestellt. Gegen „diese Zeit, in der man alles anklicken und ausdrucken kann“ steuert die Region mit dem Atelierspaziergang an, der vor Ort Einblicke in Malerei und Zeichnung, Bildhauerei, Druckgrafik, Fotografie und Konzeptkunst eröffnet.

„Was wir erreichen wollen, ist, dass Besucher den Entstehungsprozess von Kunst erleben. Wir wollen auch vermitteln, dass es Freude macht, ein Original zu besitzen“, sagt Engelmann. Die Digitalisierung nehme immer mehr Raum ein, aber in einer Hoffnung ist sie sich mit dem Wedemärker Bildhauer einig: „Es wird irgendwann eine Rückbeziehung geben auf das Authentische“. Dass eine Skulptur nicht alles ist für jeden, sieht Jürgen Friede gleichwohl illusionslos. „Andere finden Alu-Felgen toller.“ Auch über solche Themen übrigens tauschen sich Künstler mit Besuchern gern aus. Zur offenen Atmosphäre tragen sie gern auch als Gastgeber bei und bieten meist Kaffee und Tee und Kleinigkeiten zum Knabbern an.

Der Region Hannover ist es wichtig, Künstler zu fördern. Was tut sie dafür? Mit den Atelierspaziergängen macht sie deren Schaffen sichtbar und bringt sie ins Gespräch. Weniger öffentlich: Bei Einzelausstellungen zahlt die Region Honorare für die Künstler. Aus Ausstellungen, die sie organisiert, kauft die Region selbst auch Kunstwerke an. Es gibt ein Kunstdepot im Haus der Region in Hannover; daraus werden Kunstwerke in Fluren und Büros des Hauses zeitweise ausgestellt. Was problematisch ist oder eben nicht geht in der Kunstförderung, vermag Engelmann ebenso klar zu sagen. Ein Berufsleben als Künstler durchzuhalten, sei schwer, betont sie.

Kaum einen Kunstschaffenden in der Region, den sie nicht kennt, und dessen Arbeitsumstände sie nicht schon gesehen hätte. Die Selbstvermarktung – Arbeiten zu zeigen und zu verkaufen – sei für viele schwierig; die Zahl der Galerien etwa in Hannover sei dramatisch geschrumpft. „Schon allein, Atelierräume zu finden und anzumieten, ist in Hannover ein großes Problem“, sagt Engelmann. „Atelierraum ist knapp und wird immer teurer.“ Bei der Suche danach könne die Region nicht konkret helfen. „Aber beim Atelierspaziergang können Künstler ohne eigenes Atelier teilnehmen und als Gast bei anderen ihre Werke zeigen.“

Eine große Anzahl Künstler komme inzwischen in ein Alter, wo sich längst die Frage der Nachlässe stellt. „Da bräuchte man große Gebäude, Lager, Fachpersonal“, gibt die Kunsthistorikerin zu bedenken, wollte die Region sich eine solche Aufgabe anziehen. Unmöglich, stellt Engelmann fest. Dies könne überhaupt nur von Privatsponsoren oder Stiftungen geleistet werden. Aber in der Kunstszene gebe es durchaus auch Denkansätze, Geschaffenes zu sichten, und nur Teile davon aufzubewahren. „Man kann nicht alles lagern“, betont Engelmann – das gelte für einzelne Künstler wie für Institutionen und Museen.

Umso optimistischer sieht die Kunsthistorikerin die Atelierspaziergänge: „Wie schön, wenn alle Besucher zwei Werke mit nach Hause nähmen und sich ins Zimmer hängen. Dann wäre das Problem gelöst“.

Start am 11. Mai - Zwei Künstler aus Wedemark dabei

36 hauptberufliche Künstler in der Region Hannover beteiligen sich am diesjährigen Atelierspaziergang, der Kultur- und Kunstinteressierte ins Gespräch mit den Kunstschaffenden vor Ort bringen soll. „Vom Wesen des Glücks“ heißt der Titel der Auftaktveranstaltung im Schloss Landestrost in Neustadt. Die Gemeinschaftsausstellung teilnehmender Künstler wird am Donnerstag, 11. Mai, um 19 Uhr von Regionspräsident Hauke Jagau eröffnet.

Auch in den Ateliers – zu etwa zwei Dritteln in der Stadt, zu einem Drittel in der Region Hannover – werden die Besucher dieses Thema wiederfinden. Zu den Atelierspaziergängen können sie sich jeweils sonntags auf den Weg machen. Die Arbeitsräume der professionellen Künstler stehen am 14. Mai, beginnend in Uetze, und am 21. Mai, zum Abschluss in Hannover-Hainholz, zwischen 11 und 18 Uhr allen Interessierten offen. In der Wedemark sind diesmal Jürgen Friede in Sprockhof und Andrea Focks in Bissendorf dabei.

Der Bildhauer Jürgen Friede ist in Sprockhof, etwa 400 Meter nach dem Ortsausgang an dem Feldweg rechts ab zu finden. Wer sich vorab informieren oder verabreden möchte, kann ihn anrufen unter Telefon (05130) 790904 oder seine Werke unter www.wikipedia.org/wiki/Jürgen­_Friede kennenlernen.

Die Grafik-Designerin und freischaffende Künstlerin Andrea Focks ist ebenfalls im Internet zu finden, unter www.andreafocks.de. Sie arbeitet in Bissendorf , Heinrich-Henstorf-Straße 7. Erreichbar ist sie unter Telefon (0172) 5972400 und per E-Mail an andrea.focks@t-online.de. Der Eintritt in die Ateliers ist frei. Wer dabei ein Kunstwerk nach seinem Geschmack findet, kann es direkt  erwerben. Alle Termine des Atelierspaziergangs 2017 finden Interessierte im Internet auf der Seite hannover.de/Atelierspaziergang.

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