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Tankbetrug ist nicht nachzuweisen

Wedemark/Burgwedel Tankbetrug ist nicht nachzuweisen

Angeklagt vor dem Amtsgericht Burgwedel war ein Tankbetrug in der Wedemark, doch nachweisen ließ sich dieser letztlich nicht – obwohl der Richter während der Verhandlung sogar mehrfach zum Telefonhörer griff, um Licht ins Dunkel zu bringen.

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Angeklagt vor dem Amtsgericht Burgwedel war ein Tankbetrug in der Wedemark, doch nachweisen ließ sich dieser letztlich nicht.

Quelle: Symbolbild

Wedemark/Burgwedel. Der angeklagte Wedemärker ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr: Sein Strafregisterauszug listet seit 1992 sieben Vorstrafen wegen Betruges auf. Zweimal hatte der heute 46-Jährige sogar schon im Gefängnis gesessen, einmal davon wegen gewerbsmäßigen Betrugs in gleich 100 Fällen. Einer Einstellung des Verfahrens wegen „Geringfügigkeit“ wollte der Staatsanwalt vor diesem Hintergrund verständlicherweise nicht zustimmen – zumindest zunächst.

30 Euro für Benzin war der Angeklagte Ende März an seiner Stammtankstelle in der Wedemark schuldig geblieben. „Ich tanke dort seit 20 Jahren, und häufig funktioniert meine EC-Karte da nicht“, sagte der Mann aus. Das habe er zuvor auch gegenüber dem Kassierer angegeben, was dieser als Zeuge bestätigte. Stattdessen hatte der Autofahrer eine Lastschriftermächtigung erteilt. „Dann habe ich plötzlich Post vom Anwalt bekommen, dass ich 135 Euro inklusive Gebühren bezahlen soll“, verteidigte sich der Angeklagte.

Doch warum genau hatte die Kartenzahlung eigentlich nicht funktioniert? Lag es an einem defekten Magnetstreifen, oder war das Konto etwa nicht gedeckt? Und falls ja, wusste der Mann, dass er gar nicht zahlen konnte, handelte also in betrügerischer Absicht? Ungewöhnlich wäre es nicht gewesen, wenn auf dem Konto nichts zu holen gewesen wäre. „Sie haben immer wieder offene Rechnungen“, verwies Amtsrichter Michael Siebrecht auf die Akte, wo Derartiges allein sechs Seiten umfasste – „kleinstgedruckt“, wie der Richter betonte.

Weil weder die Aussagen des Angeklagten noch des Kassierers als Zeugen weiterhalfen, griff Siebrecht kurzerhand am Richtertisch zum Telefonhörer und gab nicht locker, bis er eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung der Tankstelle am Apparat hatte. Doch wirklich Erhellendes, ob die Firma überhaupt versucht hatte, die Lastschrift abzubuchen, erfuhr er trotz zweier Rückrufe nicht.

Letztlich bewahrte den Angeklagten das eigene Handy, das er kurzerhand aus dem Auto holte, vor einer Bestrafung: Minutenlang durchforstete der Arbeitslosengeld-Bezieher, der zwischenzeitlich auch den Offenbarungseid abgelegt hatte, seine Online-Kontoauszüge, bis er belegen konnte, dass er Ende März tatsächlich ausnahmsweise mal ein Plus auf dem Konto gehabt hatte. So stellte der Richter das Verfahren ein – unter der Auflage nachzuweisen, dass das Benzin wie vom Wedemärker behauptet tatsächlich mittlerweile bezahlt worden ist. Wegen Betrugs an seiner Stammtankstelle dürfte der Mann künftig nicht mehr vor dem Amtsgericht landen: Er bekommt dort mittlerweile nur noch Benzin gegen Bargeld.

Von Frank Walter

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