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Das alte Backhaus bleibt im Ort

Brelingen Das alte Backhaus bleibt im Ort

Über der Tür ist das Jahresdatum bei Licht von der Seite noch zu erkennen: 1615. Das 400 Jahre alte Backhaus im Baugebiet Am Ziehbrunnen in Brelingen ist aufwendig abgetragen und 100 Meter weiter wiederaufgebaut worden. Es soll weder Garage noch Geräteschuppen werden - also wozu?

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Das alte Backhaus steht am neuen Ort. Für den Bauherrn Bahne Zander (links) und Enno Reinstorf hat sich die Arbeit gelohnt.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Auch das ist ein Beitrag zum Tag der Architektur am Sonntag: Architekten, zumal wenn sie noch Tischler sind, erhalten und erneuern gern auch historischen Bestand. Verfallen und marode war das denkmalgeschützte Backhaus, als das Baugebiet vermarktet wurde. Der Brelinger Architekt Enno Reinstorf hat mit dem Bauherrn Bahne Zander die Translokation - das Versetzen - des Fachwerkgebäudes auf den Weg gebracht - zur entgegengesetzten Seite des Wohnareals. Jetzt steht es neu errichtet; einige noch leere Gefache will der Eigentümer in Eigenarbeit traditionell wieder mit Weidengeflecht und Lehmputz ausfüllen.

„Es ist ein Liebhaberobjekt“, sagt Reinstorf, dessen Büro um die Ecke liegt. „Wenn man neu gebaut hätte, wäre es günstiger gewesen“, bestätigt der Bauherr. Die Nutzung hält er noch offen; darin zu wohnen sei nicht geplant.

Der Weg betrug nur 100 Meter Sichtweite und war dennoch lang und arbeitsreich: Ein Antrag auf Rückbau wurde schon 2013 bei der Denkmalbehörde der Gemeinde gestellt, parallel dazu ein Antrag auf Translokation und Wiederaufbau. Zurück kam der Genehmigungsbescheid mit Auflagen. „Der alte Dachstuhl durfte abgerissen werden. Er war ohnehin nicht mehr der von vor 400 Jahren“, berichtet Reinstorf. Die Fachwerkhölzer mussten - beim Abbau einzeln durchnummeriert - gelagert und wiederaufgebaut, der Lehmschlag aus den Gefachen zur Wiederverwendung aufbewahrt werden. „Wir haben zwei Bigpacks voll von dem alten Lehm. Man kann ihn wieder einsumpfen, aufpeppen und strecken.“ Diese Aufgabe sieht der Hausbesitzer jetzt im Sommer vor sich.

Alles musste dokumentiert, aber auch mehrfach in die Hand genommen werden. Ab Dezember 2013 trugen Reinstorfs Zimmerleute das Haus ab, lagerten die Balken in Elze, überprüften, säuberten und entnagelten die Balken und Bohlen, ergänzten Fehlstellen mit neuem abgelagerten Eichenholz. Die Fachwerkkonstruktion wurde wieder zusammengefügt. „Wir haben alle Einzelschritte in Abstimmung mit der Denkmalpflege gemacht“, betont der Architekt. Ob das Denkmal auch nach dem Wiederaufbau wieder als Denkmal anerkannt wird, steht noch aus.

Vor dem Abriss hing das Haus schief auf abgesackten alten Backsteinfundamenten. Die Originalmaße wurden erhalten: Auf knapp sechs mal sechs Meter Fläche erhebt es sich jetzt mit 7,44 Meter Firsthöhe. „Wir hatten noch Platz auf unserem Grundstück“, sagt der Eigentümer. „Wir wollten einfach, dass das Backhaus als Gebäude im Ort erhalten bleibt.“

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