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Die Bagger kommen ab nächstem Jahr

Resse Die Bagger kommen ab nächstem Jahr

Ins Schwarze Moor bei Resse kommen die Bagger voraussichtlich im nächsten Herbst, ins Bissendorfer Moor 2018. Die Arbeiten im Helstorfer und Otternhagener Moor sollen 2019 beginnen. Die Zeit, dem verletzbaren Naturerbe Hannoversche Moorgeest eine Zukunft zu geben, läuft.

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Eine einzigartige Landschaft: die hannoversche Moorgeest.

Quelle: Torsten Spengler

Resse. Das Bissendorfer Moor ist logistisch die größte Herausforderung – viel Erdmassenbewegung und eine komplizierte Eigentümerstruktur“, sagt Susanne Brosch, Projektleiterin Hannoversche Moorgeest beim Vorhabenträger NLWKN. Diesem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz müssen, bevor auch nur ein Bagger einen Entwässerungsgraben wieder verfüllen darf, die Rechte an den Moorflächen vertraglich gesichert werden – kein einfaches Verfahren.

Der Landesbetrieb gehört mit Projektmanagement und Umsetzung zu den Hauptakteuren im jetzigen EU-LIFE+-Projekt Hannoversche Moorgeest, das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Leine-Weser schafft als Flurbereinigungsbehörde seit Jahren die Voraussetzungen für das Projekt auf Grund und Boden in den Mooren. Keine trockene Materie, wohl aber „eine Fleißarbeit“, wie Karl-Ludwig Schulz aus dem ArL nicht müde wird, für sein Team im Amt zu erklären. Denn mit etwa 900 Flächeneigentümern werden in Gesprächen die Möglichkeiten von Verkauf, Tausch oder Gestattung der Arbeiten auf ihren Moorflächen für das Renaturierungsprojekt erörtert und festgeklopft. Ein Ende der Flächenneuordnung ist für 2020/2021 avisiert.

Inzwischen muss per E-Mail auch mancher Eigentümer in Frankreich, in Asien und Afrika angeschrieben werden. „Sie kümmern sich aber alle und reisen sogar an“, sagt Schulz. Ebenso sind alle, die am Projekt beteiligt sind, in vielen Gremien und Einzelgesprächen seit Jahren unterwegs. Der überwiegende Teil der Eigentümer immerhin wohnt im Umkreis der Moorgebiete, die meisten stammen aus Landwirtsfamilien. Sprachrohr für die Interessen der Flächeneigentümer im Flurbereinigungsverfahren ist der gewählte Vorstand der Teilnehmergemeinschaft (TG). Insgesamt zufrieden seien die Eigentümer mit dem bisherigen Verfahren und den Entschädigungen, die ausgehandelt wurden, betont der Vorsitzende Hans-Jürgen Jagau. Manchmal mussten Gutachter hinzugezogen und dann neue Gespräche geführt werden, manche Fragen sind noch offen. „Zügiger ablaufen könnte es immer, aber der Teufel steckt im Detail.“

Rund 1400 Hektar des Projektgebiets gehören privaten Eigentümern – oder gehörten, denn 350 Hektar davon sind mit Stand Oktober 2016 bereits angekauft, sagt Schulz. Gern lobt er dabei die Grundbuchämter in den Amtsgerichten Neustadt und Burgwedel, die teils nur wenige Tage brauchten für die Bearbeitung, damit ausgezahlt werden kann. Die schnelle Abwicklung spreche sich herum, so Schulz. Insofern überlegten auch noch mehr Eigentümer, ihre Flächen an das Land zu verkaufen. Dem Land ist Brosch zufolge der Ankauf das Liebste, weil am einfachsten und sichersten.

Im November werden in den vier Mooren weitere Flächen von etwa 100 Eigentümern gekauft, kündigt Schulz an. Gleichwohl: Ihm als Flurbereiniger „kribbelt es in den Händen beim Flächentausch“. Dazu ist im November und Dezember ebenfalls Gelegenheit: Dann beginnen die Gespräche für das Schwarze Moor in Resse. Ein Drittel aller 
Moorareale sind öffentliche Flächen oder liegen in den Händen von Verbänden. „Mit den Kommunen sind Vereinbarungen abgeschlossen, dass sie Eigentümer bleiben und ihre Flächen dort kostenfrei zur Verfügung stellen“, erläutert die Projektleiterin.

Politik soll 
Räume um die Moore sichern

Dass die vier Hochmoore Preziosen von höchster Bedeutung sind auch als Lebensraum für Tiere im Rahmen des Artenschutzes, bringt die Wedemärker Grünen zu weiteren konkreten Schlüssen für die Kommunalpolitik. So dürften die Moore nicht isoliert gesehen werden, verdeutlicht der künftige Grünen-Fraktionsvorsitzende im neu gewählten Gemeinderat, Wilhelm Lucka. „Die ökologische Qualität auch der Flächen in der Umgebung muss im Rahmen von Bauleitplanung planerisch erhalten werden, wenn schon keine Pufferzonen explizit ausgewiesen werden können“, betont er. Solche im ersten Entwurf für das Projektgebiet noch dargestellten Wiesenrandzonen um die Moore – etwa 700 Hektar – waren aufgrund der Einwendungen von Landwirten herausgenommen worden; man verständigte sich auf ein Kerngebiet, um das Großvorhaben überhaupt auf den Weg zu bringen. „Als Bundesprojekt mit gesamtstaatlicher Bedeutung war der erste Entwurf am Widerstand der Landwirtschaft und des damaligen Umweltministers Heinrich Sander gescheitert“, erinnert Lucka. „Aber zahlreiche Engagierte aus dem Aktionskreis Hannoversche Moorgeest und aus dem Verein Bürger für Resse haben beharrlich dafür gewirkt, das Projekt als LIFE+-Projekt der EU anzuschieben. Ihnen gebührt großer Dank, dass sie nicht resigniert haben, sondern weiter nach Möglichkeiten gesucht haben, das Vorhaben zu verwirklichen.“ Zu den konkreten Aufgaben der Wedemärker Kommunalpolitik gehöre auch, weiter den erfolgreichen Betrieb des Moorinformationszentrums durch die Bürger für Resse zu fördern und abzusichern. Bei einem Austausch zwischen den Akteuren aus Politik und Vereinen mit Umweltminister Stefan Wenzel sei kürzlich die hohe Bedeutung der vier Moore für den Artenschutz und den Klimaschutz deutlich geworden. 

Alles nur auf freiwilliger Basis

Zur Hannoverschen Moorgeest gehören vier der wertvollsten Hochmoore Niedersachsens: Bissendorfer, Resser, Helstorfer und Otternhagener Moor, die wie ein vierblättriges Kleeblatt um Resse im Zentrum herum liegen. Das Projektgebiet umfasst 2243 Hektar, das Projektvolumen beträgt 11,4 Millionen Euro. Die EU finanziert 75 Prozent, das Land Niedersachsen 20 Prozent, die Region Hannover gibt etwa eine Million Euro dazu (5 Prozent). Hauptziel des LIFE+-Projektes ist es, durch Wiedervernässung einen Zustand herzustellen, aus dem die Moorkörper wieder wachsen können. In der Flurbereinigung kauft oder tauscht das Land möglichst viele Moorteilflächen aus privatem Besitz oder lässt sich vertraglich die Arbeiten im Projektgebiet gestatten. Eigentümer werden dafür auf freiwilliger Basis gewonnen, es gibt keine Enteignung.

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