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Erst Deutsch lernen, dann Arbeit finden

Wedemark Erst Deutsch lernen, dann Arbeit finden

Zuerst Deutsch lernen, dann eine Ausbildung als Koch und Arbeit finden – das sind die Ziele, die Mohamed Ghadri jetzt verfolgt. Die syrische Familie aus Aleppo ist mit drei Kindern auf getrennten Wegen nach Deutschland gekommen und lebt seit dem 1. März in Abbensen.

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Gastfreundlich tischt die syrische Familie Ghadri arabische Speisen auf. Vater Mohamed Ghadri will als Koch Arbeit finden.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Hobbykoch der arabischen Küche ist der Familienvater schon. Wird Besuch erwartet, reicht der Tisch kaum aus für die gastfreundlich aufgetragenen Speisen. „Festessen“ nennt Mubarek Beshara, begleitender Sozialarbeiter und Übersetzer der Gemeinde, wohl zu Recht, was die Ghadris vorher fünf Stunden in der Küche frisch zubereitet haben: Falafel (frittierte Bällchen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen, Kräutern und Gewürzen), Hummus (Kichererbsenmus), Teigtaschen mit Hackfleisch- oder Käsefüllung, Tahini (Sesampaste), Couscoussalat, Pizza, Weißbrot, Auberginenmus. Und ohne Nachspeise verlässt niemand die Tischrunde.

Was wohl geschähe, würden die drei Kinder die übrig gebliebenen Teigtaschen unten vor dem Haus Nachbarn und Dorfbewohnern anbieten? Kontakte im Dorf wünscht sich die Familie sehr. Der 14-jährige Ahmed spricht schon ein wenig Deutsch; er hat sich seine ersten Kenntnisse aus dem Internet geholt. In einer Sprachlernklasse der Realschule in Mellendorf lernt er jetzt weiter, genau wie sein ein Jahr jüngerer Bruder Abdul. Seit einer Woche sind sie aufgenommen, standen vorher auf der Warteliste. Der zehnjährige Al Montaser geht in die Grundschule Brelingen.

200 Stunden von den verpflichtenden 600 im Integrations-/Deutschkursus in Hannover hat Mohamed Ghadri bisher absolviert. Er erhält Leistungen vom Jobcenter. Die Familie ist am 23. Oktober 2015 in die Wedemark gekommen und hat am 23. Dezember 2015 ihre Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Allein war im August 2015 zuerst Mohamed Ghadri nach Deutschland eingereist, geflüchtet aus Aleppo in Syrien über die Türkei, im Boot nach Griechenland, dann durch Mazedonien, Serbien, Österreich. Die Familie durfte nachziehen.

Selbständiger Textilkaufmann war Mohamed Ghadri in Syrien, seine Frau Abir Bitar Mathematiklehrerin. Sie hat außerdem Yoga unterrichtet. Noch überlassen sie beide ihrem ältesten Sohn das Wagnis, sich deutsch auszudrücken. Abir Bitar besucht zweimal in der Woche den Interkulturellen Treff in der katholischen Kirchengemeinde in Mellendorf. Alltagspraktische Kommunikation lerne man dort, weiß Almuth Blanck. Die Bissendorferin hat sich selbst beim Runden Tisch der Wedemark für Geflüchtete engagiert. Gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard Tegtmeier-Blanck hatte sie seinerzeit die Familie Ghadri vom Flughafen abgeholt und ist ihr seither im Alltag hilfreich. „Das Engagement in der Gemeinde für die Geflüchteten, auch das politische, ist ungebrochen. Es läuft hervorragend und verlässlich“, betonen die Bissendorfer Ehrenamtlichen.

Möglicherweise müssen die Teilnehmer der obligaten Integrationskurse bald nicht mehr nach Hannover fahren. Die Gemeinde ist dazu im Gespräch mit der Volkshochschule, wie Gemeindesprecher Hinrich Burmeister am Montag auf Nachfrage bestätigte. „Wir wollen, dass solche Kurse von uns mit der VHS in der Wedemark angeboten werden.“

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