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Lebensberatung feiert 40-jähriges Bestehen

Wedemark Lebensberatung feiert 40-jähriges Bestehen

40 Jahre Lebensberatungsstelle Burgwedel-Isernhagen-Wedemark – diesen runden Gründungstag haben Mitarbeiter der Lebensberatung und zahlreiche Gäste am Wochenende mit einem Empfang und einem Fachvortrag im Bissendorfer Bürgerhaus gefeiert.

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Sie sind das aktuelle Team der Lebensberatungsstelle: Siegrid Fahrenbach (von links) Reinhard Becker, Beate Menius, Volker Berz, Anne Katrin Thieme, Gabriele Steinberg, Ingun Kiklas-Volkmann und Hans-Jürgen Herrmann.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Vorstand Renate Vogelgesang dankte dabei allen Mitarbeitern. Jeder arbeite in allen Bereichen des vielfältigen Angebots, betonte sie. Nicht zuletzt der Besuch von zahlreichen Fortbildungen belege das großartige Engagement der Mannschaft. Derzeit gehören Ingun Kiklas-Volkmann, Gabriele Steinberg, Reinhard Becker, Beate Menius, Volker Berz, Siegrid Fahrenbach, Anne Katrin Thieme und Geschäftsführer Hans-Jürgen Herrmann zum Team.

Erwin Jordan, Sozialdezernent der Region Hannover, lobte die Arbeit der Lebensberatungsstelle sehr. Die Mitarbeiter machen ihre Arbeit erfahren, gut und anerkannt, sie hätten sich eine ordentliche Reputation erworben. Die 200.000 Euro, mit denen die Region die Arbeit jährlich fördere, seien gut angelegtes Geld.

In seinem umfangreichen Fachvortrag belegte Kurt Brylla, Leiter der Ambulanz im Winnicott-Institut in Hannover, mit vielen Beispielen, wie der Mensch von Geburt an erst in der Gemeinschaft überlebensfähig und erst mithilfe eines Gegenübers seiner selbst bewusst wird. Ob es um Schrei-Babys, Urvertrauen, Erziehungskompetenz oder die Entwicklung eines Fötusgehirns noch im Mutterleib ging – sowohl mit zahlreichen Fachausdrücken wie mit humorigen Einlagen und flapsigen Einsprengseln führte er die Zuhörer tief ins Thema. Diese dankten ihm den engagierten Vortrag mit großer Aufmerksamkeit.

Seine Kernbotschaft für Eltern: Man kann Babys nicht verwöhnen. Eltern sollten ruhig sehr spendabel in ihrer Liebe sein, aber auch Grenzen setzen, und zwar mit eindeutigen Signalen. Leider funktioniere die Weitergabe von Erziehungskompetenz über die Generationen nicht mehr so gut wie früher. Die Erziehung in die Schule zu verlagern, sei aber der falsche Weg, das sei immer noch Aufgabe der Eltern.

Außerhalb des geplanten Programms sorgte die Bürgerstiftung Isernhagen für eine angenehme Überraschung. Joachim Wegener, Ute Schaumann und Andreas Kellner vom Stiftungsvorstand überreichten Lebenshilfe-Geschäftsführer Hans-Jürgen Herrmann einen Scheck über 10.000 Euro. Das Geld sei der Erlös eines Benefizturniers vom September mit 110 Teilnehmern, bei dem 7800 Euro gesammelt worden seien. Die Bürgerstiftung habe diese Summe auf 10 000 Euro aufgerundet, sagte Wegener. Sie wolle damit ihren Respekt und ihre Wertschätzung für die Lebensberatungsstelle ausdrücken, diese leiste eine wichtige gesellschaftliche Arbeit. Herrmann erläuterte, das Geld werde helfen, eine akute Lücke bei den Sachkosten zu schließen.

Nichts und niemand wird ausgegrenzt

Ende der 60er Jahre setzte sich in Deutschland zunehmend die Idee der Bürgerinitiativen durch, und vor diesem Hintergrund entstand im Bereich Isernhagen/Altwarmbüchen 1973 eine Bürgerinitiative zur Errichtung einer Lebensberatungsstelle. Es gab in den ersten Jahren ein sehr aktives Miteinander von Bürgern, die sich im kirchlichen und im kommunalpolitischen Raum engagierten, und von Fachleuten aus medizinischen und sozialpsychologischen Bereichen. Am 29. April 1975 gründete sich der Vereins unter dem Namen „Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark“, die auch den Einzugsbereich widerspiegelt. Am 1. Oktober 1976 nahm die Beratungsstelle ihre Arbeit auf. Am 17. Januar 1977 bezogen die Mitarbeiter das Gebäude der Beratungsstelle auf dem Haghof.

Im Laufe von 27 Jahren sackte das Gelände allerdings immer mehr ab, so dass die Beratungsstelle ihren Standort wechseln musste. Seit März 2004 ist der Hauptsitz deshalb in Isernhagen FB. Unverändert seit Beginn der Arbeit gibt es die wöchentlichen Außensprechstunden in allen drei Gemeinden. Im Vorstand des Arbeitskreises Lebensberatung e.V. sind von Anfang an sowohl Delegierte der privaten wie auch der juristischen Vereinsmitglieder vertreten, also Vertreter aller drei Gemeinden, des Kirchenkreises, der Pestalozzistiftung und Privatpersonen. Wichtig war der Gründungsinitiative – und so ist es auch heute – die überparteiliche und konfessionsunabhängige Haltung.

Unter der Prämisse „integrierte Lebensberatung“, bei der grundsätzlich weder bestimmte Problembereiche noch Klientengruppen ausgegrenzt werden, startete die Arbeit. Die Bildung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen gehörte dazu. So wurde hier bundesweit die erste Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebserkrankung ins Leben gerufen. Die Beratungsstelle war am Entstehungsprozess vieler Selbsthilfegruppen für Alkohol- und Medikamentenabhängige beteiligt, die auch heute noch im Einzugsbereich arbeiten.

In der Beratungsstelle wurde zu Beginn vorwiegend mit analytisch geprägten Methoden mit Erwachsenen gearbeitet. Für Kinder gab es Spieltherapie. Ende der 70er Jahre entwickelte sich jedoch weltweit eine neue therapeutische Sichtweise. Bis dahin stand der Einzelne mit seinen Problemen im Vordergrund. Mitte der 80er Jahre wurden die ersten Mitarbeiter in systemischer Familientherapie ausgebildet. Damit etablierte sich ein neues therapeutisches Vorgehen: Weg vom Einzelnen hin zu Familien und Paaren. Nach kurzer Zeit kam die Arbeit als anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle hinzu, bei der auch Anträge für die Stiftung „Familie in Not“ gestellt werden können.

Die Nachfrage stieg stetig

Die Arbeitsschwerpunkte Einzel-, Paar- und Familienberatung, Erziehungsberatung, Mediation, Kindertherapie, Gruppen für Kinder und Erwachsene, Supervision/Fortbildungen für soziale Einrichtungen, Schwangerschaftskonfliktberatung (Paragraf 219 StGB) und allgemeine Schwangerschaftskonfliktberatung haben sich im Laufe der 40 Jahre nicht wesentlich verändert. Bemerkenswert ist die stark angestiegene Nachfrage nach Beratung. Gab es im Jahr 1977 noch 224 Anmeldungen, waren es 2015 schon 734.

Die meistgenannten Gründe für eine Anmeldung sind seit 40 Jahren unverändert Partnerschaftsprobleme, gefolgt von Familienproblemen. Hauptthemen dabei sind häufig: „Unsere Beziehung ist nicht mehr in Ordnung. Wir wollen etwas ändern“; „Gehe ich oder bleibe ich?“; „Wir wollen uns trennen; wie sagen wir es den Kindern?“ und „Unsere Kinder streiten sich ständig.“

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