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Stiftung will mehr fördern und "laut nachdenken"

Wedemark Stiftung will mehr fördern und "laut nachdenken"

Fast sperriger als sein Rollstuhl mutet die Adresse an, von der Jan Sadler aus Elze Hilfe für seinen Alltag bekam: Die Stiftung für Menschen mit Behinderung in der Wedemark hat dem Studenten und Behindertensportler die Umrüstung seines Autos mit 5000 Euro bezuschusst. Und das unbürokratisch.

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Vorstand und Kindergartenleiterin holen Schwung auf der neuen Schaukelanlage: Jürgen Benk (von links), Konstanze Beckedorf, Helmut Gierlich, Kindergartenleiterin Irene Reiser sowie Angelika Lempart.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. „Es war unglaublich wichtig, dass uns jemand unterstützt. Es ist ein großes Stück Freiheit, die man gewinnt“, verdeutlicht der 24-Jährige mit Erstwohnsitz in Elze und einer WG in Hannover. Dort studiert er Journalistik, und das Studium wurde zum Ausschluss für eine staatliche Unterstützung in seiner Sache, wie er jetzt in einem Pressegespräch mit dem Stiftungsvorstand berichtete. „Wäre ich in einer Ausbildung, bekäme ich staatliche Hilfe“, hat er auf seine Anträge bei öffentlichen Stellen erfahren.

Die neue Selbstständigkeit weiß neben Jan Sadler auch Vater Uwe zu schätzen, der über manchmal Tausende Fahrtkilometer im Jahr den Chauffeur abgab. Denn viele Lehrgänge und Turniere galt es anzusteuern; Jan Sadler ist als Rollstuhlbasketballer seit 2011 immer wieder in der Nationalmannschaft dabei und holte darin zuletzt bei der Europameisterschaft 2017 auf Teneriffa Bronze.

Finanziell eingesprungen ist die Wedemärker Stiftung auch schon in vielen anderen Fällen, wenn etwa ein Spezialbett angeschafft werden musste oder – wie jetzt gerade – für eine inklusiv geförderte Schülerin die Unterrichtsbeiträge an der Musikschule zu übernehmen waren. Aber: „Wir werden gar nicht überschüttet mit Einzelanträgen, sie kommen nicht in großer Zahl herein“, berichtete jetzt die Vorsitzende der Stiftung, Konstanze Beckedorf, bei der Vorlage des Jahresberichts 2016 im Kindergarten Domino in Mellendorf. Vielmehr gebe es eine Anzahl Einrichtungen in der Wedemark, mit deren Namen sich auch in der Öffentlichkeit die Zuwendungen der Behindertenstiftung „immer mal wieder“ verknüpfen.

So stellten Beckedorf und der stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeister der Stiftung, Jürgen Benk, in dem heilpädagogischen und integrativen Kindergarten Domino der Lebenshilfe Wedemark auch nicht nur den Jahresbericht vor. Mit Freude ließen sie sich von Einrichtungsleiterin Irene Reiser auf dem Freigelände auch die neue Schaukelanlage aus Edelstahl zeigen, die nun „für eine sehr lange Zeit“ halten solle. Die Behindertenstiftung hat die Anlage inklusive Einbau mit insgesamt 7000 Euro finanziert.

Andere Einrichtungen, die auf Zuschüsse wiederholt rechnen können, sind beispielsweise die Schule Unter den Eichen und die Berthold-Otto-Schule in Mellendorf; dort erhielten zwei Geschwisterkinder einen Zuschuss für eine Klassenfahrt. Der Jahresbericht führt außerdem den Inklusionssport der Voltigiergruppe im RVC Bissendorf auf. Die Gruppe nimmt seit Jahren erfolgreich an den Special Olympics teil, zuletzt 2016 in Hannover. Die Voltigierer konnten von einem Zuschuss über 2000 Euro einen Pferdeanhänger anschaffen sowie für 3000 Euro von der Stiftung ein neues Pferd.

Fast 17.000 Euro hat die Behindertenstiftung für solche Zwecke im Rechnungsjahr 2016 aus Zinserträgen ausgegeben. Das Vermögen der Stiftung bezifferte der Vorstand mit 651.641,98 Euro zum Stichtag 31.12. 2016. Zu den Einnahmen gehörten Spenden in Höhe von 1970 Euro, davon 1250 Euro aus dem Arbeitskreis Inklusion, für den die Stiftung Spenden und Ausgaben für Aktivitäten treuhänderisch verwaltet.

Vorstand: Wir müssen dringend etwas tun!

Die bisherige Förderpraxis schließt gewerbliche Einrichtungen weitgehend aus. Doch ein jüngster Vorstandsbeschluss soll eine neue Ausrichtung ermöglichen. „Wir wollen in Zukunft den Umbau von Toilettenanlagen bezuschussen. Wir müssen etwas tun, viele Behinderte klagen über den Mangel an barrierefreien Toiletten. Das hindert sie zum Beispiel, Gaststätten zu besuchen“, führte Benk an. Man sei noch ganz am Anfang der Überlegungen, Einrichtungen in der Öffentlichkeit zu fördern, ergänzte Beckedorf. „Wir würden aber nicht einfach Zuschüsse geben, sondern auch ein Gesamtkonzept nachfragen.“ Im Gemeinderaum der Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen wurde bereits der behindertengerechte Umbau einer Toilette mit 3000 Euro ermöglicht.

Die Stiftungsvorsitzenden wollen den Gedanken einer solchen Ausweitung demnächst auch mit dem Behindertenbeirat und dem Seniorenbeirat der Gemeinde erörtern. „Wir wollen darüber mal gemeinsam laut nachdenken“, stellte Benk in Aussicht. „Vielleicht ergibt das auch einen Anstoßeffekt in der Öffentlichkeit, und die Leute reden mal darüber.“

Info: Als Ansprechpartner in der Stiftung gibt Jürgen Benk weitere Auskünfte unter Telefon (05130) 54 38 und nach einer E-Mail an j.benk@htp-tel.de. Informationen über die Stiftung sind auch auf der Internetseite der Gemeinde Wedemark wedemark.de nachzulesen.

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Technische Hilfsmittel erlauben Jan Sadler aus Elze nun, sein umgebautes Fahrzeug selbstständig zu nutzen.

Quelle: Kallenbach
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Von Redakteur Ursula Kallenbach

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