Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Drama von Lampedusa braucht die Diskussion

Bissendorf Drama von Lampedusa braucht die Diskussion

Schockierend die Bilder und Texte derer, die am Leben blieben, und unerträglich die Tragödie: „Ein Morgen vor Lampedusa“ stellt sie in szenischer Lesung dar. Im Bürgerhaus in Bissendorf haben sich Politiker und engagierte Wedemärker mit dem Flüchtlingsdrama von 2013 im Mittelmeer und den weiterhin drängenden Fragen auseinandergesetzt.

Voriger Artikel
Diamantenes Paar traf sich nach der Flucht
Nächster Artikel
Ort für die Tafelrunde bleibt noch geheim

Die Bilder von Lampedusa sollen nicht im Hintergrund bleiben - im Bürgersaal haben die sich Politiker auf dem Podium den Fragen gestellt.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Fast 70-mal schon hat diese Form der Darstellung auf Initiative einer hannoverschen Gruppe eine öffentliche Bühne gefunden. Im Bürgersaal waren dazu am Dienstagabend alle Stühle besetzt. Die Spenden, die ausdrücklich erbeten waren, gehen ohne Abzug an den Runden Tisch Integration der Gemeinde Wedemark. Aktuell leben etwa 380 Flüchtlinge in der Wedemark, weitere 120 werden erwartet.

Die Menschen auf Lampedusa, dieser Insel an der Grenze von Europa, konnten und können sich noch heute den Fragen nicht entziehen, machte Antonio Umberto Riccò deutlich. Er ist der Autor, der die Aussagen der überlebenden Flüchtlinge und der Betroffenen vor Ort - Fischer, Inselbewohner, Kapitäne, Rettungskräfte, Taucher - mit dokumentarischem Material zusammentrug. Seinen dringendsten Wunsch richtete er im Bürgersaal an alle, die hierzulande wie in Europa in Politik oder Alltag zur Flüchtlingsproblematik eine Position suchen: „Die Diskussion muss mit diesen Bildern geführt werden. Jeder Politiker muss sich mit diesen Bildern und Gedanken konfrontieren, bevor er in einem Parlament abstimmt.“

Über zwei Stunden hatten dies auch die Politiker auf dem Podium zu tun, die auf Einladung der Gemeinderatsfraktionen CDU und SPD die Veranstaltung mit bestritten. Sie gaben den Zeitzeugentexten ihre Stimme und diskutierten: die Bundestagsabgeordneten Caren Marks (SPD) und Hendrik Hoppenstedt (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Stefan Birkner (FDP), Editha Lorberg (CDU) und Marco Brunotte (SPD). Ihre Vorschläge wie die Diskussion, die HAZ-Redakteur Klaus von der Brelie moderierte, machten deutlich: Kein Land und kein Mensch in Europa kann sich vor der Diskussion drücken, denn Flüchtlinge sind kein Notfall, sondern Herausforderung auf Dauer.

Gruppe macht aufmerksam

Vor der italienischen Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Afrika versinkt am 3. Oktober 2013 ein mit 545 Flüchtlingen völlig überladener Kutter. 366 Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien ertrinken. Sie flohen vor Krieg und Armut in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Kurz nach der Tragödie hat sich in Hannover die deutsch-italienische Arbeitsgruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ gegründet und das Projekt der szenischen Lesung ins Leben gerufen. Der Gruppe gehören Privatpersonen und Organisationen an. Unterstützt wird das Projekt auch von der Stadt und Region Hannover und der Caritas. Ziel ist es, auf die dramatischen Umstände der derzeitigen Migration aufmerksam zu machen und Flüchtlingsorganisationen zu unterstützen. Im Internet ist das Projekt unter lampedusa-hannover.de zu finden.

von Ursula Kallenbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sp8vc1payv16zek4p
Juliano Rossi rockt das Bürgerhaus

Fotostrecke Wedemark: Juliano Rossi rockt das Bürgerhaus