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Ein Christbaumständer macht Musik

Elze/Bissendorf Ein Christbaumständer macht Musik

An die Zeiten, als Heiligabend noch in der „guten Stube“ gefeiert wurde, erinnert das Heimatmuseum in Bissendorf. Inga Breitkopf und ihr Bruder Otto Scharlemann aus Bennemühlen etwa haben für die Weihnachtsausstellung einen alten Tannenbaumständer zur Verfügung gestellt.

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Inga Breitkopf und Otto Scharlemann erinnern sich an Kindertage mit dem klingenden Baumständer.

Quelle: Kallenbach

Elze/Bissendorf. Der metallene Tannenbaumständer mit Spieluhr, der in der Weihnachtsausstellung im Richard-Brandt-Heimatmuseum gleich vorn rechts fast unscheinbar einen kleinen Baum trägt, ist eine Leihgabe der Familie aus Bennemühlen. Sie selbst behilft sich in diesem Jahr mit einem Allerweltsmodell; dafür dürfen die Besucher die Geschichte um den Baumständer erfahren.

In dem Gasthaus Otto Schmidt in Bennemühlen am Bahnhof, betrieben von 1889 bis 1987, war die kleine Stube unten ab und zu beheizt. Die große Stube im Obergeschoss wurde nur für Fest- und Feiertage aufgeschlossen und durchgewärmt, also zu Weihnachten. Wenn die Spieluhr im Weihnachtsbaumständer ihr glockenhelles Werk begann, öffnete sich am Heiligen Abend die Tür für die Kinder. „Der Raum war dunkel, wenn wir eintreten durften“, erinnert sich Inga Breitkopf - insgesamt waren sie vier Geschwister.

Andacht drinnen vor dem Weihnachtsbaum und Kerzenlicht, dann sang die Familie Lieder. Ging das elektrische Licht an, kam der Moment der Bescherung. „Wir Mädchen haben immer etwas für die Aussteuer bekommen“, sagt Inga Breitkopf. Ein, zwei Spielsachen lagen vielleicht auch noch unter dem Baum. Für die Jungen war ebenso Nützliches vorgesehen: eine Hose, ein Pullover - Anziehsachen, wie man sagte.

Dann ein Spielzeug. „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ lässt die Spieluhr, aufgezogen mit einem Federstahl, noch heute hören. „Sie klingt wirklich hell und klar“, schwärmt Otto Scharlemann. „Das war damals ein Highlight. Wir hatten nicht so viel.“

In seiner Erinnerung ist auch der Gasthausbetrieb am Bahnhof noch lebendig. Verbunden war die Gastwirtschaft mit zwei Waagen. Auf der Brückenwaage wurden die Ackerwagen der Bauern gewogen, auf der Viehwaage ging es immer montags ab 6 Uhr los. „Dann brachten die Bauern Schweine, Kälber und Bullen“, erzählt der 66-Jährige. Als Jugendlicher durfte er die Waage bedienen und Wiegekarten verkaufen. „Waren die Schweine gewogen, ging es in die Kneipe. Dann tranken die Bauern einen mit dem Schlachter. Es wurde ausgerechnet, was das Gewicht war, und es wurde gleich in bar bezahlt.“

Beide Geschwister wohnen heute noch auf dem großen Grundstück, das ihr Urgroßvater gekauft hatte. „Schade, Weihnachten ist heute nichts Besonderes mehr“, bedauert Inga Breitkopf. „Es fängt ja heute schon fast nach den Sommerferien an.“ Die Tradition habe gelitten durch das Moderne, meint auch der Bruder. Ihnen selbst sei es lieb, etwas altbacken zu sein. Ein „Made in Western Germany“ an dem ausgestellten alten Baumständer weiß Peter Schulze aus dem Museumsteam zu erklären. „Das gibt es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Eingeführt wurde es damals von den Engländern, die damit die deutsche Ware als schlechtere kennzeichnen wollten.“

Die Weihnachtsausstellung ist noch bis zum 3. Januar im Heimatmuseum im Obergeschoss der Bissendorfer Bibliothek, Gottfried-August-Bürger-Straße 1, zu sehen, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr – auch am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sowie an Silvester und Neujahr.

Von Ursula Kallenbach

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