Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Sechs Frauen halten das Klöppeln hoch

Wedemark Sechs Frauen halten das Klöppeln hoch

Wer kennt sie nicht – Urgroßmutters weiße Spitzendeckchen und Bordüren? Über Generationen in Ehren gehalten, weil handgeklöppelt. Heute findet man sie auf dem Flohmarkt wieder, und niemand weiß mehr, was Klöppeln ist. Eine Gruppe von sechs Frauen in der Wedemark hält die alte Handwerkskunst hoch.

Voriger Artikel
Neuer Anlauf für die Ortsmitte von Resse
Nächster Artikel
Fest der Kulturen zieht um

Ordentlich aufgereiht in einer Häkelschnur hat Beate Lichtblau die Klöppel mit Garnen für ihre aktuelle Arbeit.

Quelle: Kallenbach

Bissendorf-Wietze. Auf der Terrasse breiten die Klöpplerinnen im Sommer ihre Arbeiten aus, im Herbst und Winter geht es ins Wohnzimmer. Vorsicht: Ehemänner können von dem hölzernen Klappern der Klöppel in die Flucht geschlagen werden, merkt Petra Grünberg mit einem Lächeln an. Bei ihr in Bissendorf-Wietze treffen sich die Frauen diesmal, und das ist ein Volltreffer. Denn Petra Grünberg scheint rund um die Uhr zu klöppeln, sieht man ihre vielen fertigen Arbeiten von der großen Tischdecke bis zum spanischen Fächer an der Wand.

Und da zeigt sich: Mittlerweile sind Klöppler modern gerüstet. Aus der Zweidimensionalität der flach liegenden Handarbeit hat sich das Klöppeln in den Raum entwickelt. Es bedient sich feiner Metallfäden, Drähte in Silber oder Edelstahl für Schmuckstücke – Ketten, Anhänger, Armreif, Ohrringe – und allerlei anderer Materialien. In den täglichen Gebrauch und Deko zu Hause schmeichelt sich das feine Handwerk mit Lampenschirmchen für Lichterketten ein, verschönt Teelichter mit Einlegearbeiten, lässt zarte Figuren, Bienen und Schmetterlinge tanzen. Ganz klassisch greifen die Hobbykünstlerinnen weiterhin zu unterschiedlichsten Garnen wie Seide, Leinen, Baumwolle, Wolle und Stickgarn, wiewohl in scheinbar 1000 Farben, passend zu jedem Wohnstil.

Doch was sich so spielerisch leicht anhört, hat auch eine andere Seite: Ungeübt in Handarbeit, verheddert sich der Anfänger hoffnungslos mit Holz und Garn, mag die ehemalige Klöppeldozentin Beate Lichtblau auch alles schon gut vorbereitet haben, erklären und die Klöppel führen. „Sowie man die Dinger in der Hand hat, ist alles weg“, bestätigt Lichtblau den plötzlichen Orientierungsverlust im Kleinen.

Sie war es, die vor fünf Jahren in einem Kursus der VHS in Bissendorf neun Frauen zum ersten Klöppeln um sich scharte. „Nun sind wir noch sechs im privaten Kreis und haben Spaß an Handarbeit und schönen Dingen“, sagt sie. „Klöppeln, klönen und genießen könnte der Leitspruch sein“, schlägt die Gruppe vor, während Fingerfood und Obst auf den Tisch kommen, gelegentlich folgt ein selbst angesetztes Likörchen. Was man zum Erfolg braucht, haben Beate Lichtblau, Elke Dietterle, Elfi Holze, Ingrid Kaste, Sabine Spitzer und Petra Grünberg in vielen Stunden trainiert: Ehrgeiz, Genauigkeit und Ausdauer.

„Wir haben uns an das alte Handwerk gewagt und sind damit gewachsen“, ermutigt Petra Grünberg Interessierte. „In der Gruppe haben wir gelernt, dass Klöppeln gar nicht so schwer ist.“ Ist ein Klöppelbrett hergerichtet, sind Klöppel mit Garn aufgewickelt, liegen Stecknadeln bereit, steht die erste kleine Arbeit geistig vor Augen oder ist von einer Vorlage abzulesen, geht es los. Immer zwei Klöppel bilden ein Paar und hängen am gleichen Faden. Gearbeitet wird immer mit vier Klöppeln zeitgleich. Durch das Drehen und Kreuzen der Fäden entsteht die Arbeit, zeigen die Fortgeschrittenen mit flotten Händen. Kleinere Stücke wie einen Fisch-Anhänger aus Leinen zaubern sie binnen zehn Minuten, andere Teile erfordern zwischen zwei Sitzungen und einem ganzen Jahr.

Alle 14 Tage treffen sich die Frauen von 16.30 bis 19 Uhr, und über Zuwachs würden sie sich freuen. Allerdings denken sie an nur ein oder zwei Neue, denn man braucht Platz zum Arbeiten und Zeit zum Anleiten.

Klöppeln – was es kostet

Zum Klöppeln werden zunächst Klöppelbretter benötigt; sie lassen sich in Eigenbau leicht herstellen. Klöppel sind heutzutage gut im Internet bei speziellen Klöppelshops zu beziehen. Dort bekommt man auch die notwendigen Stecknadeln, Häkelnadeln und Scheren sowie anderes Zubehör, das teilweise aber ohnehin im Handarbeitskorb liegt oder auch im Kurzwarenladen angeboten wird. Für manches Zubehör wie Drähte lohnt der Gang in Elektronikläden, Baumärkte oder Bastelläden. 50 Klöppel gibt es ab 30 Euro. Je nach Holzart und Größe kann man aber auch weitaus mehr Geld ausgeben. Garn kostet ab zwei Euro für 100 Meter, Silberdraht kostet ab einer Länge von 50 Metern etwa 3,50 Euro. Echte Silberperlen können je nach Anbieter und Größe schon mal 10 Euro das Stück kosten. Billiges Klöppelzeug kann man gelegentlich aus Restbeständen kaufen, die jemand loswerden möchte. Es kann sich auch um Material aus Maschinenklöppelei handeln.

Wenn die Grundausstattung vorhanden ist, benötigt man nur noch Garn und Kleinteile – und Zeit. So kostet das reine Material für einen Fächer zum Beispiel nur etwa 16 Euro. Erst Zeit, Arbeit und Kreativität – im Fächer stecken wohl 70 Stunden Mühen - machen die Ergebnisse des Klöppelns so wertvoll.

Weitere Informationen gibt Beate Lichtblau gern unter Telefon (0173) 4920898.

doc6wgsdppdthjyrmoc7zi

Fotostrecke Wedemark: Sechs Frauen halten das Klöppeln hoch

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6y0v47c5zzs10p8p6osl
IGS-Schüler spielen für Flüchtlinge

Fotostrecke Wedemark: IGS-Schüler spielen für Flüchtlinge