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Schüler erleben Holocaust Zeitzeugen hautnah

Mellendorf Schüler erleben Holocaust Zeitzeugen hautnah

Einen Zeitzeugen des Holocaust haben die Schüler der beiden Leistungskurse Geschichte Jahrgang 12 und der Klasse 10.3. der IGS Wedemark persönlich erlebt und befragen können. Gershon Willinger war mit seiner Frau Jane an zwei Tagen zu Besuch. Es war das erste Mal seit 1944, dass er wieder in Deutschland war.

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Gershon Willinger erzählt den beeindruckten IGS-Schülern von seinem Schicksal.

Quelle: privat

Wedemark. Während seines Besuchs gab er auch ein mehrstündiges Interview in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. So entstand der Kontakt zur IGS Wedemark, da deren Lehrer Joachim Kasten an zwei Tagen in der Woche an der Gedenkstätte tätig ist.

Geboren wurde Willinger 1942 in Amsterdam als Sohn Dortmunder Juden, die ins niederländische Exil gegangen waren. Seine Eltern versteckten ihn im Alter von wenigen Monaten bei niederländischen Bauern, bevor sie ins KZ Sobibor deportiert und dort ermordet wurden. Er selbst wurde als Zweijähriger für sechs Wochen im Konzentrationslager (KZ) Bergen Belsen interniert. Später kam er ins KZ Theresienstadt, wo die Rote Armee ihn am 8. Mai 1945 befreite.

Willinger berichtete den Schülern, dass verschiedene Familien und Pflegeheime in den Niederlanden seine nächsten Jahre prägten. Mit 18 Jahren erfuhr er, dass seine Pflegeeltern nicht seine leiblichen Eltern waren. Er galt als geistig zurückgeblieben und schwer erziehbar. Doch die Beschäftigung mit Literatur und besondere Freundschaften halfen ihm, Boden unter die Füße zu bekommen. Trotzdem sei sein Leben bis heute ein ständiges Suchen nach den eigenen Wurzeln und der eigenen Identität. Seit 39 Jahren lebt Willinger in Toronto (Kanada), hat aber stets seinen Koffer für eine eventuelle Flucht nach Israel gepackt.

In seinem späteren Berufsleben arbeitete er in Israel und Kanada als Sozialarbeiter mit sexuell, psychisch und körperlich missbrauchten Kindern und Jugendlichen. Stets empfand er eine besondere Nähe zu diesen Ärmsten der Opfer menschlicher Bosheit. Die Schüler waren tief beeindruckt, hörten gebannt zu und stellten danach viele Fragen – sie waren im Unterricht gut vorbereitet worden. Willinger gab ihnen einen Leitsatz mit auf den Weg: „Don’t be ignorant to what happens around you“ – sei nicht gleichgültig gegenüber dem, das um dich herum geschieht.

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