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Für ein Brautkleid reichte das Geld nicht

Wedemark Für ein Brautkleid reichte das Geld nicht

Der Anfang war nicht leicht: Als Erika und Herbert Voß 1951 in Bissendorf heirateten, war das Paar mit thüringischen und ostpreußischen Wurzeln fast mittellos und kannte niemanden. Nun, 65 Jahre später, begehen die beiden ihre Eiserne Hochzeit - und das halbe Dorf feiert mit ihnen.

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Hoher Besuch zum 65. Hochzeitstag: Erika und Herbert Voss erhalten Geschenke und Urkunden von der stellvertretenden Regionspräsidentin Doris Klawunde und dem Wedemärker Bürgermeister Helge Zychlinski.

Quelle: Zottl

Bissendorf. Das kleinformatige Schwarzweißfoto, das am 28. September 1951 direkt vor der Trauung von Erika und Herbert Voß entstand, zeigt es deutlich: Es war eine ganz einfache Hochzeit. Die Braut trug ein dunkles selbst genähtes Kleid zu flachem Schuhwerk, ihr Zukünftiger einen einfachen Anzug. "Mit Mühe und Not habe ich den Stoff für das Kleid bekommen", erinnert sich Erika Voß und ihr Mann ergänzt: "Wir waren ja bettelarm." An ein Brautkleid sei darum nicht zu denken gewesen. Vor den Traualtar ging es trotzdem. "Pastor Sperber hat uns in der Bissendorfer Kirche getraut", erinnert sich Herbert Voß. 

Es war eine Hochzeit fernab ihrer eigentlichen Heimat - denn erst ein Jahr zuvor war das Paar nach Niedersachsen gekommen. "Wir waren fremd, kannten hier niemanden", sagt Herbert Voß, der im thüringischen Kreuzebra aufgewachsen ist. Seine Frau stammt aus dem ostpreußischen Wangnicken. Kennengelernt hatten sich die beiden über Herbert Voß´ Schwester. "Sie waren gemeinsam in einem vornehmen Haus in Stellung - und als ich meine Schwester dort besuchte, haben wir uns beschnuppert", sagt der heute 89-Jährige.

In Bissendorf musste das Paar ganz von vorn anfangen. Geld verdienen, das war die Devise der jungen Familie, zu der bald ein Sohn gehörte. Der gelernte Tischler war 13 Jahre in einem örtlichen Betrieb tätig, dann wechselte er den Arbeitgeber - und baute fortan bei Volkswagen am Förderband Autos zusammen. "Anfangs waren es manchmal die dreckigsten Arbeiten", erinnert er sich. Später wurde er dort von 800 Vertrauenleuten zum Vertrauenskörperleiter gewählt. Auch seine Frau ging Geld verdienen - bei Sennheiser arbeitete sie 25 Jahre lang als Prüferin.

Auch im neuen Heimatort machte sich das Paar bald schwer verzichtbar: Beide engagierten sich schon früh in der Kommunalpolitik, gehörten viele Jahre zum Ortsrat und riefen den Bissendorfer Seniorentreff ins Leben. "Wir haben immer gearbeitet und waren ausgelastet", sagt Erika Voß auf die Frage, was ihr Tipp für eine so lange glückliche Ehe sei. Und ihr Mann sagt schlicht: "Für mich gibt es keine andere Frau."

Ihre Eiserne Hochzeit und Erika Voß´ 89. Geburtstag hat das Paar jetzt nicht nur mit der Familie inklusive einem Enkel und zwei Urenkeln gefeiert - sondern im großen Stil im Gasthaus Bludau, mit vielen Nachbarn, Freunden und Parteigenossen. "Das halbe Dorf ist gekommen", sagte einer ihrer Gäste anerkennend.

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Hochzeit in der Fremde: Am 28. September 1951 ließ sich das Paar in Bissendorf trauen.

Quelle: Zottl
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