Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Gewitter

Navigation:
Ein Fischwirt muss auch Holz hacken

Hellendorf Ein Fischwirt muss auch Holz hacken

Naturteiche sind die Lebensgrundlage für einen erfolgreich gewachsenen Familienbetrieb. Von den drei Hektar Fläche des Forellenhofs in Hellendorf sind zwei Hektar Gewässer. Ein Besuch dort ist eine Lehrstunde in Fischerei und Räucherei.

Voriger Artikel
Affenhalter droht Verbot
Nächster Artikel
Der erste Gruppenraum ist saniert

Fischmeister Hartmut Pflüger zeigt den Besuchern, wie er Forellen mit dem Zugnetz fängt.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Fischwirt Hartmut Pflüger beschreibt seinen Beruf als „sehr arbeitsintensiv“: Forellen und Karpfen bis zur Schlachtreife aufziehen, verarbeiten, heiß und kalt räuchern, vermarkten, neue Produkte entwickeln. Nebenbei muss er Erlenholz aus dem Wald holen und es für den Räucherofen hacken. Die Gewässer und Aufzuchtbecken sind zu pflegen, Sauerstoff wird ins Wasser gewirbelt für die Forellen, und ständig muss die Temperatur überwacht werden. Schließlich: Der Raubfisch Forelle will gefüttert werden.

In den großen Angelteich werden regelmäßig Fische eingesetzt; Angler können mit Tageskarten ihren Fang machen oder gleich zwei, drei Tage mit Übernachtungen bleiben. Das bedeutet für Sandra und Hartmut Pflüger: Frühstück servieren. Nach all dem besteht große Nachfrage. Soeben hat der Unternehmenschef, der neben seiner Ehefrau noch zwei Mitarbeiter zur Seite hat, deshalb den bisherigen Karpfenteich im hinteren Bereich des Geländes zu einem zweiten Angelteich ausgehoben und mit frischem Wasser versorgt. Dort können Angler jetzt auch selbst grillen. „Ein Fischfest zum Auftakt der Karpfensaison gibt es in diesem Jahr aber nicht“, sagt Pflüger. Familien mit Kindern müssen auf das beliebte Abfischen im Modder verzichten.

Pflügers Terminkalender ist voll: Bis zu acht Veranstaltungen an einem Wochenende hat er mit seinem Räucherofen schon absolviert und frisch geräucherte Forellen geliefert. „Es ist so viel geworden, dass wir auch auf zwei Wochenmärkten in Hannover stehen.“ Noch mehr als in Hellendorf verkauft er dort. In der nächsten Woche kommt zusätzlich zu den vorhandenen Anhängern ein neues Verkaufsmobil ins Haus. Die Nachfrage ist derart groß, dass Pflüger zukaufen muss: Forellen aus dänischen Naturteichen und aus dem Harz kommen lebend in Wassertransportern an, benötigt werden auch Karpfen sowie geeister Frischlachs aus Schottland oder Norwegen. Rund 19.000 Euro im Jahr musste der Betrieb für Elektrizität ausgeben, bis Pflüger vor zwei Jahren eine Fotovoltaikanlage installieren ließ. Zwei Drittel des erzeugten Stroms verbraucht jetzt der Betrieb, ein Drittel wird verkauft. Nicht nur Frischfisch und Produkte werden gekühlt, auch die Fischabfälle, die zur Verwertung an eine Biogasanlage in Hamburg geliefert werden. Die CDU-Gemeinderatsfraktion, die den Fischmeister besuchte, staunte über seine vielfältige Arbeit.

Es war mal eine Wassermühle

Im Jahr 1962 ist die Hellendorfer Wassermühle auf dem Hof von Hartmut Pflüger zum letzten Mal gelaufen – die damals einzige mittel- und oberschlächtige Mühle in Niedersachsen. Das Wassers lief damals auf zwei verschiedenen Höhenniveaus aus dem Dorf und aus dem nahen Erlenwald von oben auf das Wasserrad der Mühle. Hartmut Pflügers Vater hat damit als gelernter Müller noch Mehl gemahlen, bis elektrisch betriebene Mühlen sich durchsetzten. Das Mühlrad dreht sich heute nicht mehr, aber das Wasser strömt weiter – in die Teiche, die es dort schon vor dem Ersten Weltkrieg gab, wie Karten zeigen. Großvater Pflüger setzte dort die ersten Forellen ein. Auf dem Hof unterhielt die Familie erst eine Landwirtschaft mit Kühen, dann zog ein Reiterhof ein, später ein Altenheim – und nebenbei wurden es immer mehr Forellen im Teich. In der siebten Klasse beschloss Hartmut Pflüger, „Fischer“ zu werden, absolvierte die Lehre zum Fischwirt, machte seine Meisterprüfung. Mit 21 Jahren pachtete er den Betrieb vom Vater. Das Altenheim zog aus und Angler ließen sich rund um einen Karpfenteich nieder, der als bundesweit bekannter Angelteich bis heute ein Standbein des Forellenhofs in Hellendorf ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xzc72iikqfb60dfjmg
Grundschüler spenden kistenweise an die Tafel

Fotostrecke Wedemark: Grundschüler spenden kistenweise an die Tafel