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Flüchtlinge ziehen in Gästehaus

Gailhof Flüchtlinge ziehen in Gästehaus

Das Jugend- und Gästehaus der Region Hannover in Gailhof wird voraussichtlich bis zum 30. Juni 2016 seinen üblichen Betrieb einstellen. Stattdessen werden bis zu 95 alleinreisende jugendliche Flüchtlinge dort untergebracht.

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Ins Jugend- und Gästehaus ziehen jugendliche Flüchtlinge ein.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Zur Schaffung von zusätzlichen 20 Dauerwohnplätzen für junge Flüchtlinge ist außerdem ein Neubau geplant. Darüber hat am Donnerstagabend Alisa Bach von der Region Hannover rund 40 schriftlich eingeladene Nachbarn rund um das Gästehaus informiert. Sie leitet in der Regionsverwaltung den Fachbereich Jugend. Nach den derzeit verfügbaren Daten müsse die Region in nächster Zeit insgesamt 340 sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer unterbringen und betreuen, erläuterte Bach. Angesichts des Zustroms könnten sich diese Zahlen aber auch verdoppeln. 160 jugendliche Flüchtlinge seien in der Region schon angekommen, in Gailhof wurden bereits zwölf in Hütten einquartiert. Pro Woche rechne die Region im Schnitt mit zehn neuen, sodass auch das Haupthaus in Gailhof belegt werden müsse.

Die Wahl sei auf Gailhof gefallen, weil die Region dort Hausherrin sei und ganz schnell bis zu 95 Jugendliche unterbringen könne, sagte Bach auf Nachfragen aus dem Publikum. Die Region sehe keine andere Chance, den aktuellen Zustrom anders zu bewältigen.

Für die Betreuung der jungen Leute will die Region kurzfristig 50 Sozialpädagogen und Erzieher aufbieten. Es sei rund um die Uhr Fachpersonal vor Ort. Für nachts werde zudem ein Sicherheitsdienst engagiert. Außerdem stelle die Region zahlreiche Dolmetscher ein.

Helga Wienecke, Leiterin des Gästehauses, betonte, man habe auf dem Gelände viele Möglichkeiten, die jungen Menschen zu beschäftigen. Sie appellierte gleichwohl an die Bürger, Kontakt zu ihnen zu suchen. Diese würden sich über Angebote wie Fußball spielen, Deutsch sprechen oder auch Ausflüge freuen.

Der größte Teil der Flüchtlinge soll nicht dauerhaft in Gailhof bleiben, sondern nur für die Zeit eines sogenannten Clearingverfahrens. Dabei klären die Betreuer gemeinsam mit dem Jugendlichen, wie es individuell weitergeht. Da die Region ständig mit Hochdruck weitere Dauerwohnmöglichkeiten organisiere, hoffe man, die Kapazität des Gästehauses nur bis zum 30. Juni zu benötigen. Etwa Ende Februar könne man abschätzen, ob das gelingt, sagte Bach. Einige Anwesende bezweifelten das. Andere fanden die Flüchtlingszahl im Verhältnis zu den rund 620 Einwohnern insgesamt zu hoch.

In Gailhof selbst will die Region zügig zwei Dauerwohngruppen für 20 junge Flüchtlinge einrichten. Dazu werde man ein zweistöckiges Haus in Modulbauweise errichten, das aber vom übrigen Gäste- und Seminarbetrieb losgelöst sein soll und von einem freien Träger betreut werde, erläuterte Bach. Das Haus soll spätestens zum 1. August in Betrieb gehen. Bei sinkendem Bedarf solle es später in den Gäste- und Seminarbetrieb integriert werden.

Die jungen Flüchtlinge werden in Gailhof betreut und unterrichtet, die Anlage sei aber keine geschlossene Einrichtung, betonte Bach. Selbstverständlich könnten sich die Bewohner frei bewegen.

Große Sehnsucht nach Familie

Dietmar Bolte hat schon Erfahrungen mit jungen alleinreisenden Flüchtlingen. Er leitet in Barsinghausen das Kinder- und Jugendheim Waldhof. 20 junge Flüchtlinge betreut er derzeit, fast alles Jungen. Ihre Familien in Syrien, Afghanistan und im Irak hätten oft ihr Hab und Gut verkauft, um den Jungen die Flucht zu ermöglichen, da sie sonst vom Militär zwangsrekrutiert oder gezwungen worden wären, als Kindersoldaten in den Krieg zu ziehen, berichtete er. Die 13- bis 17-Jährigen hätten eine enorme Sehnsucht nach ihren Familien. Aus mancher Handykommunikation sei zu erkennen, dass sie entsetzlich traurig seien, weil sie hier allein sind. Auffällig sei auch ihr enormer Hunger und die große Lust auf Süßes.

Gemeinde braucht Wohnraum

Die Gemeinde Wedemark rechnet mit einer weiter wachsenden Zahl an Flüchtlingen und sucht weiter dringend privaten Wohnraum. „Wir suchen, auch wenn wir derzeit Sammelunterkünfte schaffen, noch immer weiter nach Wohnungen und Häusern für die Unterbringung von Geflüchteten“, sagt die erste Gemeinderätin Konstanze Beckedorf. „Die Gemeinde zahlt als Mieterin auch gegebenenfalls anstehende Renovierungen, Mietsicherheit und auftretende Maklergebühren“, betont Fachbereichsleiter Jürgen Auhagen. Gesucht werden Mietobjekte in möglichst zentraler Lage, von der Einzimmerwohnung bis zu Einfamilienhäusern. Angebote nimmt Auhagen unter Telefon (05130) 581210 entgegen.

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