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Gemeinde will für Flüchtlinge bauen

Wedemark/Bissendorf Gemeinde will für Flüchtlinge bauen

Wer spät kam, musste stehen in der Aula der Bissendorfer Grundschule: Etwa 200 Menschen haben am Mittwoch den Informationsabend der Gemeinde zur Flüchtlingssituation in der Wedemark besucht. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Großes Interesse herrscht beim Infoabend zur Flüchtlingssituation, die Aula der Bissendorfer Grundschule ist rappelvoll.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Bürgermeister Helge Zychlinski stellte die allgemeine Lage im Gemeindegebiet dar und informierte über die anstehende Belegung der Mehrzweckhalle Bissendorf mit Kriegsflüchtlingen. Als Betreiber dieser Halle hat die Gemeinde erneut den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ausgewählt, der bereits die mit Flüchtlingen belegte Jugendhalle in Mellendorf managt. Deshalb stand auch Sven Rust Rede und Antwort, er ist beim ASB Fachdienstleiter Soziale Dienste. Fragen zur Kriminalität von Flüchtlingen beantwortete der Chef des Wedemärker Kommissariats, Klaus Waschkewitz.

Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie ist die Lage gemeindeweit?

Von 2013 bis 2015 kamen 550 Flüchtlinge in die Gemeinde, im ersten Quartal 2016 weitere 299. Bis Jahresende werden es rund 1000 sein. Die Unterbringung sei bis Quartalsende geregelt, sagte der Bürgermeister.

Was geschieht demnächst in der Bissendorfer Mehrzweckhalle?

Dort können bis zu 110 Menschen untergebracht werden. Sie werden nicht auf einen Schlag kommen, sondern Zug um Zug ab Ende März. Innen werden Abteile geschaffen wie in der Jugendhalle in Mellendorf.

Was organisiert der ASB gegen Langeweile und Lagerkoller?

Es gibt in Mellendorf Angebote zur Strukturierung des Tages, darunter spezielle für Kinder. Die Bewohner helfen bei kleineren Arbeiten mit, es gibt Freizeitangebote zusammen mit dem MTV. Künftig soll es zudem Arbeitsangebote geben. All das plant der ASB auch für Bissendorf - dann mit Bissendorfer Vereinen.

Wie sorgt der ASB für Sicherheit?

Es ist rund um die Uhr Sicherheitspersonal in den Hallen, das gleichzeitig dolmetscht. In Vorträgen werden die Bewohner über Sitten und Gesetze informiert. Der ASB will bald einen Ansprechpartner für Bissendorf benennen und auch eine Telefonnummer bekannt geben - über die Presse und als Aushang. Ohne Ausweis kommt niemand in eine Unterkunft. Bei kleineren Problemen ist der ASB erster Ansprechpartner, bei größeren die Polizei, gegebenenfalls unter dem Notruf 110.

Gibt es Differenzen wegen unterschiedlicher Glaubensrichtungen?

Vor diesem Hintergrund sei dem ASB nichts bekannt, sagte Rust.

Wie steht es um die Kriminalität bei Flüchtlingen?

Die Lage sei unauffällig, kein Grund zur Beunruhigung, sagte Waschkewitz. Es gebe Ladendiebstähle, vereinzelt Streit und Körperverletzungen in Unterkünften, jedoch keine schweren Straf- oder Gewalttaten. Rust bestätigte das: In allen ASB-Unterkünften im Land habe es keine schweren Vorfälle gegeben.

Wie lange werden die Hallen für Flüchtlinge gebraucht?

Das kann niemand sagen, das richtet sich nach dem verfügbaren regulären Wohnraum. Falls Kapazitäten frei werden, wird als Erstes die Bissendorfer Halle wieder frei, dann Mellendorf.

Was plant die Gemeinde für die Unterbringung in Zukunft?

Flüchtlinge werden in ehemaligen Gewerbeimmobilien wohnen, dann aber nicht mit Hallencharakter, sondern individueller. Es wird Modulbauten geben, die Gemeinde wird Baulücken nutzen, in Baugebieten Grundstücke speziell für Flüchtlingswohnungen reservieren und kommunales Bauland einsetzen. Es werden Mehrfamilienhäuser gebaut - alles städtebaulich verträglich, betonte der Bürgermeister. Mit der KSG sind Häuser geplant, die nach der Flüchtlingszeit regulär günstig zu mieten sein werden. Siedlungsschwerpunkte werden wegen der S-Bahn-Anbindung Bissendorf, Mellendorf und Elze sein.

Ist geplant, eine weitere Halle als Gemeinschaftsunterkunft zu belegen?

Nein. Ansonsten wäre der Schulsport gefährdet, das darf nicht sein.

Was passiert, wenn noch viel mehr Menschen kommen als angesagt?

„Ich weigere mich, Horrorszenarien zu durchdenken“, sagte der Bürgermeister. Man sei mitten im Krisenmanagement, aber die Gemeinde bitte die Bürger um das Vertrauen, dass man es auch weiterhin schaffe. Jeder möge sich fragen, was sein Beitrag ist, damit sich Ängste nicht realisierten.

Hat die Gemeinde bisher geschlafen und zu wenig vorausgeschaut?

Nein. Das heutige Ausmaß habe niemand erahnen können, sagt der Bürgermeister. Überkapazitäten könne man aber auch nicht schaffen.

Was ist an weiterem Engagement erforderlich?

Der ASB ist dankbar für Angebote aller Art - und bittet um Einhaltung der Sprechzeiten von 8 bis 16.30 Uhr. Willkommen sind besonders handwerkliche Aktivitäten. Ein Besucher regte an, dass Vermieter Flüchtlinge als Gäste aufnehmen und ihnen ungenutzten Wohnraum gratis zur Verfügung stellen könnten. Die Gemeinde berät dazu.

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