Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Pfiffige Lösungen für beste Hilfe gefragt

Wedemark Pfiffige Lösungen für beste Hilfe gefragt

Grundsätzlich ist die ehrenamtlich arbeitende Feuerwehr der Gemeinde Wedemark gut aufgestellt. Bei der Verfügbarkeit der Aktiven am Tage muss aber noch nachjustiert werden, und bei den Gerätehäusern auch. Das hat Gemeindebrandmeister Maik Plischke dem Rat bei der Vorlage des Feuerwehrbedarfsplanes erläutert.

Voriger Artikel
Brelinger Feuerwehr rückte 27-mal aus
Nächster Artikel
Bellender Hund vertreibt Einbrecher

Gemeindebrandmeister Maik Plischke erläutert dem Rat den Feuerwehrbedarfsplan.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. „Der Plan hat es in sich“, stellte Bürgermeister Helge Zychlinski nach Plischkes detailreichem Vortrag anerkennend fest. Er sei eine gute Grundlage, um künftig besser strategisch zu planen.

Der Bedarfsplan ist eine Analyse der derzeitigen Rahmenbedingungen, Personallage und Ausstattung der Feuerwehr, abgeglichen mit den Erfordernissen, um innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens das nötige Material und Personal für den so genannten Standardfall zum Brandort zu bringen. Neun Minuten ist die magische Zahl, die die Wedemärker aus Vorgaben für die Berufsfeuerwehr entlehnt haben (siehe unten).

Plischkes Fazit: Es gibt keine großen Baustellen, aber die in Teilen schlechte Tagesverfügbarkeit von Einsatzkräften erfordert intelligente Lösungen. Die Tagesverfügbarkeit beantwortet die Frage, ob die Mitglieder einer Feuerwehr am Tage auch tatsächlich für Einsätze zur Verfügung stehen. Dazu hatte die Feuerwehr alle Aktiven nach Wohn- und Arbeitsort befragt. Vor diesem Hintergrund betonte Plischke einmal mehr: „Wir arbeiten ehrenamtlich!“ Soll heißen: Wir arbeiten tagsüber gegebenenfalls auswärts in unseren Berufen, unser Einsatz bei der Feuerwehr geschieht ehrenamtlich in der Freizeit. „Zwischen 18 und 6 Uhr ist alles ok, zwischen 6 und 18 Uhr haben wir ein Problem“, fasste er zusammen. Im Westen der Wedemark sei das Problem größer als im Osten.

Doppelmitgliedschaften könnten die Lage bessern, schlägt die Feuerwehrleitung vor. Das bedeutet: Feuerwehrleute aus Nicht-Wedemärker Feuerwehren, die aber in der Wedemark arbeiten, könnten auch in der Wedemark zu Einsätzen gerufen werden. Auch die bisher geltende Regel, dass Feuerwehrleute nur bis 63 Jahre aktiv sein dürften, müsse auf den Prüfstand. Für beide Vorhaben müsste der Rat die Satzung ändern.

Ein weiterer Lösungsansatz: An Orten, an denen mehrere Feuerwehrleute arbeiten, könnte auch ein Feuerwehrauto stationiert sein. Das würde beim Ausrücken wertvolle Zeit sparen. Dazu müsse man mit Arbeitgebern sprechen. Um immer einen Einsatzleiter zu haben, soll des Weiteren über den Posten „Brandmeister vom Dienst“ nachgedacht werden. Und um bei Personalschwäche an einzelnen Standorten dennoch wichtiges Material verfügbar zu haben, müsste dieses vielleicht anders verteilt und/oder aufgestockt werden.

In Resse sei die Tagesverfügbarkeit ein Problem. Deshalb müsse man über die Aufteilung von Gerät zwischen Resse, Negenborn und Abbensen reden, um Alternativen beim Heranschaffen zu bilden. Auch das Zusammenlegen von Standorten brachte Plischke ins Spiel und nannte Oegenbostel und Bennemühlen. Die Ortsfeuerwehren blieben erhalten, würden aber ein Gerätehaus gemeinsam nutzen. Überlappungen sieht er auch bei Hellendorf und Mellendorf.

Die Gerätehäuser – 15 davon unterhält die Gemeinde – hätten oft Mängel. Meist seien sie zu klein geworden, weil die Autos von Generation zu Generation größer wurden. In Meitze zum Beispiel gebe es zudem keinen Aufenthaltsraum für den Nachwuchs, schlechte sanitäre Anlagen, Stolperfallen und Quetschgefahr, fehlten Duschen. Angesichts der vielen Gebäude und auch der 38 Feuerwehrfahrzeuge mit immensem Wartungsaufwand legte Plischke dem Rat nahe, über einen hauptamtlichen Gerätewart nachzudenken. Seine gute Nachricht: Die Mindest-Sollstärke nach dem errechneten Bedarf von 504 Aktiven packt die Wedemark locker. Sie hat 553 Aktive und steht zudem in der Nachwuchsarbeit gut da.

Helfer löschen 77 Brände

Genau 369 Mal sind Wedemärker Feuerwehrleute im vergangenen Jahr nach Alarmen ausgerückt. In 77 Fällen löschte sie Brände, 166-mal war technische Hilfeleistung gefragt. Durch den Orkan 2016 sei diese Zahl acht Prozent höher als im Vorjahr, erläuterte Gemeindebrandmeister Maik Plischke vor dem Rat in seinem Jahresbericht. Derzeit sind 553 Aktive ehrenamtlich einsatzbereit, 172 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr, 59 die Kinderfeuerwehr. 60 Feuerwehrleute sind in diversen Musikzügen aktiv. „Damit sind wir eine der größten Feuerwehren in der Region“, sagte Plischke.

Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl der Einsätze zwischen 6 und 12 Uhr von 59 auf 71 Einsätze gestiegen. Angesichts einer problematischen Tagesverfügbarkeit an machen Standorten müsse man gegensteuern. Immerhin: Die Werbekampagne „Danke Florian“ greife, in den Truppmannausbildungen gebe es viele Quereinsteiger.

Der Standardfall: Haus brennt, Mensch vermisst

Um eine Grundlage für den Bedarfsplan zu haben, hat die Feuerwehr den so genannten Standardfall als Einsatzfall genommen, erläuterte Plischke. Beim Standardfall brennt ein freistehendes Einfamilienhaus und ein Bewohner wird vermisst. Die Standardreaktion der Feuerwehr darauf ist, dass 18 Retter ausrücken. Neun retten als erstes Menschen, weitere neun unterstützen sie und löschen das Feuer.

Weitere Grundlage: Nicht mehr als neun Minuten sollen von der Alarmierung der Retter bis zu deren Eintreffen am Einsatzort verstreichen. Diese Zeit unterteilt die Feuerwehr in 4,5 Minuten, in denen die Aktiven von ihrem jeweiligen aktuellen Aufenthaltsort bis zum Gerätehaus brauchen, und weitere 4,5 Minuten, bis sie von dort den Brandort erreichen. Dass jede Sekunde zählt, zeigt diese Zahl: Bis zu 17 Minuten nach Alarmeingang bei der Leitstelle kann ein Mensch meist wiederbelebt werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xn2scquvl18k8hvghk
Heiße Ausbildung fordert Feuerwehr heraus

Fotostrecke Wedemark: Heiße Ausbildung fordert Feuerwehr heraus