Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Heftiger Streit um Baugebiet Hinterm Dorfe

Scherenbostel Heftiger Streit um Baugebiet Hinterm Dorfe

Drei Seiten Stellungnahme schreibt der Anwalt an die Gemeinde, auf sieben Seiten geben Hauseigentümer ihren Unmut zu Details wieder: Zum Baugebiet Hinterm Dorfe in Scherenbostel ist die Gemeinde Wedemark mit massiven Einwendungen konfrontiert.

Voriger Artikel
Ein Land - in Wort, Bild und Klängen
Nächster Artikel
Unterschriften gegen Remondis

Nach wie vor ist die Straße Rebhuhnfeld in Scherenbostel eine Baustraße - sehr zum Ärger von Anliegern.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Acht Grundstückseigentümer, alle aus der Straße Rebhuhnfeld, lassen sich rechtlich vertreten. Zum Ablauf der Auslegungsfrist zur Änderung des Bebauungsplans äußert ihr Fachanwalt, Marcus Trott, vielfältige Kritik daran, was vor Ort stattfindet - anders als im Bebauungsplan zunächst geregelt. Vor allem moniert er Pflichtverletzungen des Investors, der privatrechtlich verpflichtet wäre, Straßen und Wege entsprechend dem gültigen B-Plan herzustellen. Andere Kritikpunkte: Die Bebaubarkeit von Flächen werde erhöht zulasten öffentlichen Grüns und zulasten der vorher großzügiger bemessenen Straßenflächen. Zudem würden zwei Vollgeschosse erlaubt - untypisch für den dörflichen Charakter. Bäume seien gerodet worden.

Insgesamt scheine „der Bebauungsplan allzu geleitet von dem Bestreben“, dem Investor so eine höhere Wertschöpfung zu ermöglichen, wendet der Fachanwalt ein. „Eine gerechte Abwägung, die auch die Belange der Anlieger angemessen einstellt, ist das nicht“, sagt er.

Die Anlieger vermuten, dass dem Investor, dem FDP-Ratsherrn Erik van der Vorm, mit seiner Gesellschaft Erdo in vielen Einzelfragen von der Bauaufsicht zu wenig auf die Finger geschaut werde. Für Irritation sorgte auch, dass im Bebauungsplan von einem städtebaulichen Vertrag zwischen Gemeinde und Investor die Rede ist, dieser aber fehle. So sei planerisch nicht gesichert, „dass Erschließungsanlagen tatsächlich hergestellt werden“, führt Trott an. Auch, ob die Straßen und Wege danach privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich betrieben werden sollen, sei offen.

Tatsächlich sei zu dem Bebauungsplan aus der Zeit vor seinem Amtsantritt kein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen worden, bestätigt Bürgermeister Helge Zychlinski. Fakt sei, dass van der Vorm, der voll erschlossene Grundstücke verkauft habe, die Straßen herstellen und bezahlen müsse. „Offen ist, ob Straße und Schmutzwasserkanal an uns übergeben werden. Das werden wir am Ende der Baumaßnahmen entscheiden“, verdeutlicht Zychlinski. Standards müsse der Investor auch ohne städtebaulichen Vertrag erfüllen. Falls dieser illegal Bauten errichtet habe, werde nichts im Nachhinein im B-Plan abgesichert, betont Zychlinski. Die Einwendungen werden jetzt abgewogen, der Rat wird einen Satzungsbeschluss fassen. Danach könnte der Anwalt das Handeln der Gemeinde über ein Normenkontrollverfahren überprüfen lassen.

Van der Vorm nimmt die Vorwürfe gelassen. „Ich baue schon jetzt nicht so viel, wie ich nach dem gültigen Bebauungsplan bauen könnte“, stellt er auf Nachfrage fest. „Ich möchte eine aufgelockerte Bauweise.“ Der Plan sei geändert worden, um dies zu ermöglichen. Dass ihm damit eine höhere Wertschöpfung ermöglicht werde, sei nachweislich falsch. Er frage sich, ob der Anliegeranwalt auch die Konsequenzen bedacht habe, falls das Normenkontrollverfahren durchgehe. „Dann gilt der alte Bebauungsplan, der über die gesamte Fläche eine zweigeschossige Bebauung zulässt“, so van der Vorm.

Von Ursula Kallenbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sixu68nzkh1ei2oqj15
Heißausbildung über viele kalte Stunden

Fotostrecke Wedemark: Heißausbildung über viele kalte Stunden