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Heimat hautnah: Heißes Wasser poliert das Eis

Wedemark Heimat hautnah: Heißes Wasser poliert das Eis

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe „Heimat hautnah“ schreiben Autoren der Nordhannoverschen nicht nur über Aktionen, sondern sie machen selbst mit. Redakteur Roman Rose hat sich im Eisstadion als Eismeister versucht und unter anderem einige Runden mit der Eismaschine gedreht.

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Redakteur Roman Rose darf einige Runden mit der Eismaschine drehen.

Quelle: Stefan Anders

Mellendorf. Eislaufen, ohne das Eis dabei kaputt zu machen, das geht von Natur aus nicht. Ob es die Kufen von Gelegenheitsläufern sind, von Eiskunstläufern oder Eishockey-Profis – jeder Schwung hinterlässt Rillen und Riefen, die der Eiskunstläufer sogar die tiefsten. Deshalb gibt es im Mellendorfer Eisstadion Stefan Anders (33), der als Eismeister dafür sorgt, dass die 1800 Quadratmeter große Geschäftsgrundlage immer wieder spiegelglatt wird. Heute, am letzten Märztag und dem letzten Tag der Eissaison, darf ich mich einmal hinter das Steuer der Eismaschine setzen, die die Fläche immer wieder glattbügelt.

Bügeln ist dabei gar nicht so falsch, denn auch das Eisglätten geschieht mit Wasser und Hitze. In einem Arbeitsgang kratzt ein Hobel drei Millimeter Eis ab, eine Schnecke schiebt den Schnee in einen Tank. Dann wäscht kaltes Wasser den Schmutz vom Eis und wird gleich wieder abgesaugt. Danach kommt das eigentliche „Bügeln“: 40 Grad warmes Wasser füllt die verbliebenen Riefen, taut die Oberfläche leicht an. Ein Tuch ganz hinten an der Maschine zieht den Wasserfilm glatt. Die auf minus acht Grad gehaltene, 2,5 Zentimeter dicke Eisfläche lässt den drei Millimeter dicken Wasserfilm schnell frieren. So weit die Technik, die täglich sechs- bis zehnmal zum Einsatz kommt.

Derweil fällt mir auf, dass ich vom Fahrersitz aus gar nicht so gut sehen kann, wohin ich fahre, denn die Front der Eismaschine ist lang, breit und hoch. Schließlich soll doch genau Spur an Spur liegen, um in neun Minuten fertig zu werden. „Ich schaue meistens nach hinten, da kann ich das Ergebnis am besten beurteilen“, sagt Stefan Anders.

Vorsichtig trete ich aufs Gaspedal, das hier ein Strompedal ist, denn das 6,5-Tonnen-Gefährt fährt elektrisch. Akkus mit 750 Amperestunden treiben jedes der vier mit Spikes bestückten Räder einzeln an. Mit einem vernehmlichen Schmatzen rollen die Reifen über die Eisfläche. Ich soll nur mit der linken Hand am Lenkrad-Knauf steuern, die rechte werde zum Bedienen der vielen Knöpfe und Schalter gebraucht, hat mir Anders eingeschärft.

Etwa zehn Kilometer pro Stunde ist die Arbeitsgeschwindigkeit, herumschleudern auch bei vollem Speed mit 16 Stundenkilometern kaum möglich. Aber wir sind hier ja auch nicht beim Autoscooter. Stehen bleiben soll ich auch nicht. Das heiße Wasser würde die Eisschicht schnell bis zum Beton auftauen. Gleichzeitig würde das Verteilertuch am Eis festfrieren. Also immer schön in Bewegung bleiben.

Nach dem Glätten steht das Abkippen des Schnees auf dem Programm. Ich helfe mit einer Schaufel nach, weil nicht alles von der weißen Pracht freiwillig herausfallen will. Dann muss ich neues Wasser in die Eismaschine füllen. Zusehen kann ich nur, als Anders den riesigen Kompressor zur Kälteerzeugung checkt, der wie bei jedem Kühlschrank arbeitet. So viel Kälte er erzeugt, so viel Wärme wird frei. Sinnvollerweise wird die Abwärme zur Warmwasserbereitung für die Eismaschine genutzt, zum Heizen der Büros und für die Duschen der Eishockey-Profis nach den Heimspielen.

Apropos Duschen: Da für Anders die Zeit als Eismeister zu Ende ist, wird der Rettungsschwimmer die nächsten vier Monate wieder zum Schwimmmeister. Die Badesaison im benachbarten Spaßbad startet am 30. April. Bis dahin heißt es für ihn: Becken säubern.

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