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Diamantenes Paar traf sich nach der Flucht

Hellendorf Diamantenes Paar traf sich nach der Flucht

Wer vor 60 Jahren heiratete in einem Dorf in der Wedemark, war oft „zugezogen“ - Flüchtling. Damals zwang der Zweite Weltkrieg Menschen aus den deutschen Ostgebieten, ihre Heimat zu verlassen. Günther und Hella Lentz traf es so - und sie trafen sich. Am Mittwoch feiern sie ihre diamantene Hochzeit.

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Der Garten ist das große Hobby des Paares. Urlaub brauchen sie nicht.

Quelle: Ursula Kallennbach

Wedemark. Für die beiden 14-Jährigen endet die Flucht aus Pommern unabhängig voneinander am 11. März 1945 in Hellendorf: Günther Lentz und Hella Rapröger finden als Jugendliche mit ihren Familien in dem Dorf Unterkunft - und ihre Zukunft beginnt. Noch heute lebt das Paar, Jahrgang 1931, am Sandbergweg 38 in seinem ersten, 1955 errichteten Haus.

Beim Hinausbringen der Milchkannen aus der kleinen Nachkriegs-Kuhhaltung hier und dort haben sie sich täglich von Weitem gesehen. „Da haben wir uns beschnuppert“, erinnert sich Hella Lentz. Wer den Faden weiterspinnt, erfährt natürlich von den Tanzvergnügen, bei denen die jungen Leute sich später näherkamen und - „wie das dann so ist“ - sich am 24. Juni 1955 standesamtlich und einen Tag später kirchlich in Mellendorf trauen ließen.

Der Weg dahin und weiter ist hart. Hella wohnt und arbeitet in Hellendorf bei einem Kleinbauern, Günther wohnt mit Familie zehn Jahre bei Karsten-Meier im örtlichen Gasthaus, hilft dort als 15-Jähriger in der Landwirtschaft und trägt auch die Post aus. Die beruflichen Wege führen ihn 1947 mit 60 anderen Lehrlingen zur „Eisenbahn“ in Hannover. „Ich bin auch als Heizer auf der Dampflok gefahren und habe als Schlosser an der Lok gearbeitet.“ 45 Berufsjahre kommen zusammen - und die Rente. 60 Jahre ist Günther Lentz in der Freizeit Mitglied der Feuerwehr Hellendorf.

„Das ging früher alles, jeder musste zurückstecken“, sagt Hella Lentz. Als sie heirateten, erzählt sie, fing ihr Vater an, auf dem für die Flüchtlinge zugewiesenen Grundstück ein kleines Behelfsheim zu bauen. Das Paar wohnte beim Nachbarn, nahe an der Baustelle, damit abends nach der Arbeit der Bau hochgezogen werden konnte. „Noch ohne Betonmischer, alles in Handarbeit“, sagt Lentz. Das Haus entstand und der immer noch ordentlich geräumige Schuppen, in dem ein Schwein und Hühner Platz fanden.

Heute leben die vier erwachsenen Kinder und acht Enkelkinder alle „rund um den Kirchturm“ im nahen Umkreis. Leben und Hobbys des Paares blieben an den Wurzeln: Haus, Garten, Gemüseanbau, erst noch Hühner, nun Kaninchen. „Mit Tomaten, Gurken und Salat beliefern wir die ganze Verwandtschaft“, sagt Hella Lentz und bietet ihrer alten Katze freundlich einen Stuhl an.

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